27. April 2017

Hand anlegen am eigenen Auto Selbst ist der Schrauber: Geld sparen nach DIY-Manier

Für Schrauber werden auch Hebebühnen zur Mieter angeboten.
Für Schrauber werden auch Hebebühnen zur Mieter angeboten. © dpa

Selbst ist der Mann – und natürlich die Frau. Immer mehr Autobesitzer legen nach Do-it-yourself-Manier Hand an ihrem Auto an. Hilfreich dabei sind auch erklärende Hilfen im Web.




Autofahren kostet Geld – vor allem dann, wenn es zu einer Reparatur kommt. Um teure Werkstattrechnungen zu vermeiden, legen immer mehr Autobesitzer in Do-it-yourself-Manier selbst Hand an ihrem Fahrzeug an, auch wenn das bei modernen Autos nicht ganz einfach ist. Doch im Internet bekommt man in den verschiedensten Foren erklärende Hinweise, wie man es auch selbst hinbekommt, wenn am Auto etwas nicht mehr funktioniert. Auf der Autogazette steht beispielsweise Autopapst Andreas Kessler den Lesern mit Rat zur Seite, wenn sie Probleme haben.

Noch hilfreicher als ein schriftlicher Ratschlag ist es, auf einem Video Schritt für Schritt dabei zuzusehen, wie ein Problem gelöst wird. „Hier müsst Ihr mächtig aufpassen, denn um an die untere Schraube zu gelangen, benötigt man eigentlich noch ein zweites Gelenk im Unterarm, so eng ist das hier. Am besten benutzt man einen gekröpften Ringschlüssel, der macht es etwas leichter“ erklärt die Stimme in den Video aus dem Off, bevor man sieht, wie besagter Ringschlüssel hinter dem Motorblock eines Mittelklassewagens verschwindet.
Tatort ist einer der unzähligen deutsch- und anderssprachigen YouTube-Kanäle, auf denen es nur ein Thema gibt: In Eigenregie die großen und kleinen Probleme am Auto zu beheben. Und in Zeiten von immer komplizierteren Fahrzeugen ist das auch bitter nötig, denn mit klassischen „jetzt helfe ich mir selbst“-Büchern ist es längst nicht mehr getan. Doch wo genau liegen die DIY-Grenzen? Das genau versucht der folgende Artikel auszuloten.


Autos werden immer komplexer

Jeder, der schon über längere Erfahrungen mit dem Autoschrauben verfügt, der weiß: Praktisch jede neue Baureihe wird etwas komplexer, etwas verbauter. Wo es bei einem Oldtimer aus den 70ern wahrscheinlich noch ausreichte, zwei Kreuzschrauben am Blinker zu lösen, um an dessen Glühlampe zu gelangen, ist heute oft nicht mal mehr mit dem Ausbau mehrerer anderer Teile getan; bei manchen Modellen geht es gar so weit, dass für den „Birnenwechsel“ die Stoßstange demontiert werden muss.

Natürlich, zu einem gewissen Teil liegt das darin begründet, dass die Hersteller schlicht nicht möchten, dass sich Laien an Autos zu schaffen machen. Sei es aus Sicherheitsgründen oder auch, um die zur Marke gehörigen Werkstätten zu unterstützen. Und man muss gar nicht in den Tiefen der Verkleidungen modernster Autos herumschrauben, um diese Praxis zu sehen. Ein gutes Beispiel sind die heute im Kfz-Bereich so verbreiteten Torx-Schrauben. Heute gehören passende Aufsätze zum Portfolio jedes halbwegs umfangreichen Steckschlüssel- oder Bitsatzes. Als Torx herauskam, sah das jedoch anders aus, denn die ureigene Idee dahinter (neben besserer Kraftübertragung) war es, dass die Autohersteller damit ein Instrument bekommen sollten, welches zuverlässig die schon damals grassierende DIY-Schrauberei eindämmen sollte – Schlüssel konnten nur die Markenwerkstätten bekommen, für den freien Handel war kein Verkauf vorgesehen.

Heute gibt es zwar weniger solcher werkzeugseitigen Hemmnisse, dafür aber deutliche optische Signale des Herstellers. Bestes Beispiel: Der Motorraum. Wer die Haube an einem halbwegs modernen Auto öffnet, sieht erst einmal nur eines, Plastik. Mit solchen Abdeckungen signalisieren Hersteller „Finger weg“ und zeigen durch das signalfarbene Tünchen der Deckel für Öl, Bremsflüssigkeit, Kühl- und Wischwasser direkt an, was sie dem Besitzer an Eigenleistung zugestehen.

Nicht abschrecken lassen – aber auch nicht zu forsch sein

Auf das richtige Werkzeug kommt es an
Auf das richtige Werkzeug kommt es an © dpa

Verbieten kann einem ein Hersteller bei einem Auto, das man selbst besitzt, natürlich gar nichts. Allenfalls innerhalb der herstellerabhängigen Garantiefristen könnte Selberschrauben zum Erlöschen selbiger führen. Deshalb gilt zunächst: Nicht abschrecken lassen durch kompliziert verbaute Teile. Denn ganz gleich ob es Probleme im Innenraum, am Motor, am Fahrwerk, den Bremsen oder am Lack gibt - es gibt am Auto de facto nichts, was man nicht mit Sorgfalt und dem richtigen Werkzeug auch als Laie reparieren könnte.

Vorausgesetzt man ist sich immer gewahr, dass man in diesem Fall auch die rechtliche Verantwortung für seine Arbeit trägt. Wer beim Wechsel der Bremsbeläge pfuscht und deshalb einen Unfall baut, wird definitiv Ärger mit der Versicherung bekommen. Wer dies berücksichtigt, und dann auch noch über etwas Selbsteinschätzungsvermögen verfügt, der kann in der Regel gut abschätzen, was er selbst stemmen kann und was er wirklich den Profis überlassen muss.

Ausgangspunkt Web

Was den Mechaniker vom Laien unterscheidet, ist vor allem seine Ausbildung und eine teilweise vieljährige Routine. Sofern man nicht zumindest über letzteres verfügt, sollte man deshalb vor jeder Arbeit Hilfe suchen. Hierbei gibt es mehrere Wege, die zum Erfolg führen. Klassiker seit Jahrzehnten sind Bücher á la „So wird´s gemacht“ oder „Jetzt helfe ich mir selbst“. Ihr gleichzeitiger Vor- und Nachteil: Pro Buch wird ein einziges Fahrzeugmodell behandelt. Ein Vorteil ist es deshalb, weil jeder Band die unterschiedlichsten Anleitungen für alle möglichen Arbeiten komfortabel zusammengefasst enthält. Nachteilig ist es, wenn aufgrund begrenzter Platzverhältnisse nicht auf jede Variante eingegangen werden kann.

Kommt noch hinzu, dass es allein die zehn wichtigsten Hersteller in Deutschland auf über 200 Modelle mit einigen tausenden Modellvarianten bringen, ist jedoch klar, dass Bücher heutzutage alleine nicht mehr ausreichend sein können. Hier bietet das Web die adäquate und vor allem auch kostenlose Antwort. Kurz gesagt, es gibt praktisch kein Auto, keine Ausstattungsvariante, zu der sich nicht eine Reparaturanleitung finden lässt. Das beginnt bei allgemeinen, anfängertauglichen Tipps für Wartungsarbeiten wie Öl nachfüllen, Bremsbelag- und Batteriewechsel sowie Steinschlagreparatur. Und es endet bei echten Profiarbeiten an Exoten wie dem Austausch der Glühkerzen an einem Ford IDI 7,3 Dieselmotor aus einem Pickup-Truck noch längst nicht.



Dabei gilt als Näherungsregel, dass man umso weniger professionell erstellte, deutschsprachige Tipps finden wird, je älter und/oder exotischer das betreffende Fahrzeug ist. Gleichsam gilt aber auch, dass man in entsprechenden Onlineforen meist verblüffend gute Antworten bekommt, denn gerade bei Exotenfahrzeugen ist der Markenzusammenhalt unter den Fans und Besitzern sehr stark und man hilft sich gegenseitig, so gut man kann.
Wer also gewillt ist, ein wenig tiefer im Web zu graben, der wird immer eine genaue Anleitung für sein automobiles Problem finden. Sei es absolut modellspezifisch oder allgemein gehalten.

Angstmacher Elektronik

Seit den 1980ern wird die Zahl an Elektronikbauteilen in Fahrzeugen immer umfangreicher und die Elektronik selbst immer komplexer. Heutige Fahrzeuge haben nicht nur gleich mehrere Steuergeräte, sondern diese sind durch Bus-Systeme untereinander umfangreich vernetzt. Da ist klar, dass viele Laien, selbst wenn sie eigentlich talentierte Schrauber sind, vor allem zurückschrecken, was mit dem Aufleuchten der gelben Motorkontrollleuchte im Armaturenbrett einen Ausgang nimmt.

Dabei muss man aber auch hier keinen übertriebenen Respekt an den Tag legen, sondern einfach wie die Profis vorgehen. Die stecken bei solchen Problemen nämlich auch nur ein Diagnosegerät an und lassen sich von den Steuergeräten einfach sagen, welcher Geber, welcher Sensor Probleme bereitet – und tauschen diese dann klassisch-mechanisch aus. Hier hat der Laie zwei Optionen: 1. Er kann die nächste Werkstatt ansteuern, den Fehlercode für wenige Euro auslesen und sich sagen lassen, welches Bauteil fehlerhaft ist. 2. Er kann sich für rund 30 Euro ein eigenes Auslesegerät kaufen und den Fehlerspeicher in Eigenregie dekodieren.

Beide Varianten erlauben es hernach, die Probleme zu beheben, wie die Profis. Doch das echte Problem an der Elektronik ist heute vielmehr ein anderes. Denn wo mechanische Teile von Kolben bis Auspuff über teilweise mehrere Modellgenerationen weiterverwendet und überdies auch vergleichsweise simpel von Drittherstellern nachgebaut werden können, sieht es bei der Elektronik gänzlich anders aus. Diese ist, selbst bei älteren Fahrzeugen, ungleich komplizierter und zudem im Schadensfall wesentlich komplexer zu reparieren – einer ABS-Steuergerät-Halbleiterplatine muss man eben mit sehr viel mehr Können begegnen als einem durchgerosteten Endtopf. Deshalb gibt es auch hier nur zwei Optionen: 1. Reparatur des Elektronikbauteils durch einen Fachbetrieb (vor allem bei Steuergeräten). 2. Suche nach Gebrauchtteilen und Altbeständen der Hersteller.

Beides ist weder billig noch zeitsparend und wird, so die Befürchtung namhafter Oldtimer-Experten, auch dazu führen, dass von den Autos, die ab Mitte der 80er gebaut wurden, nur ein Bruchteil als funktionierende Oldtimer übrigbleiben wird. Die Technik mag dem Zahn der Zeit trotzen, die Elektronik ist hingegen nicht nur fehleranfällig, sondern gerade wegen ihrer enormen Modellspezifigkeit problematisch in Reparatur und Ersatzteilbevorratung.

Der Markt macht es möglich

Ein weiterer Faktor, der gegen die schlechte Eigenreparierbarkeit moderner Autos spricht, ist die werkzeugseitige Versorgung. Zum Vergleich: Wer in den 70ern selbst Hand anlegen wollte, musste oft erst einmal weite Wege in Kauf nehmen, um überhaupt an das nötige Werkzeug zu gelangen. Selbst echte Basic-Tools wie Schraubenschlüssel und Knarren waren nur in Fachläden zu bekommen. Ersatzteile? Die gab es praktisch ausschließlich beim Autohaus und natürlich diktierten diese auch die Preise. Und wer gar ein (zugegebenermaßen damals seltener benötigtes) Spezialwerkzeug brauchte, schaute oft, siehe Torx, gänzlich in die Röhre.

Und heute? Heute finden sich Basics wie durchaus Hobbyschrauber-taugliche Schraubenschlüssel- oder –dreher-Sets schon beim Discounter auf dem Wochenangebots-Tresen. Heute zieht sich quer über die Republik ein Netz aus über 2100 Baumärkten in dem es jedes nur denkbare Werkzeug ohne „Laien-Aufschlag“ zu kaufen gibt. Heute versorgen Ersatzteilhändler von Trost bis Stahlgruber sowohl Profis als auch Privatleute mit allen möglichen Teilen und Spezialwerkzeug. Und zudem gibt es auch immer noch den Weg zum Ersatzteiltresen eines markenspezifischen Autohauses, wo sich die Preise eben dank dieser Markt-Liberalisierung zumindest ein wenig harmonisiert haben.

Fazit

Die heutige Situation der Reparierbarkeit von Fahrzeugen durch Laien ist zwiegespalten. Auf der einen Seite ist es eine Tatsache, dass Autos immer komplexer werden. Auf der anderen Seite stimmt es jedoch ebenso, dass diese Komplexität sich nicht wirklich auf die Reparierbarkeit auswirkt, denn es informieren die Auto-internen Diagnosesysteme nun über Fehler, wo man früher hätte lange danach suchen müssen. Und darüber hängt ein großflächiges, feinmaschiges Netz einer Versorgungskette, die Laien mehr als jemals zuvor mit allem versorgt, was sie benötigen; angefangen beim Werkzeug über Ersatzteile bis hin zu Anleitungen von Profis und engagierten anderen Laien. Die einzige Grenze der Reparierbarkeit ist das, was man sich selbst zumuten kann. Und diese Messlatte muss jeder selbst nach bestem Wissen und Gewissen legen. Alles andere ist nur eine Sache von Zeit und Willen. (AG)



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