21. November 2016

Fehlender Reformwille VW-Betriebsratschef attackiert Großeigner Porsche/Piech

Ferdinand Piech (l.) und Wolfgang Porsche
Ferdinand Piech (l.) und Wolfgang Porsche © dpa

Bernd Osterloh hat die VW-Großeignerfamilien Porsche und Piech attackiert. Er wünsche sich von ihnen mehr Reformwillen, sagte der Betriebsratschef des Autobauers.




Dem gebeutelten Autobauer Volkswagen steht neuer Ärger ins Haus. Der mächtige Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh griff die VW-Großeignerfamilie Porsche/Piëch scharf an. "Von den Familien haben wir als Beschäftigte jedenfalls bis zum heutigen Tag keine Unterstützung dabei bekommen, die Missstände abzustellen", sagte Osterloh am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Er forderte Wolfgang Porsche als Sprecher der Familie zu mehr Reformwillen auf.

Volkswagen hatte am Freitag einen "Zukunftspakt" zwischen Vorstand und Betriebsrat bekanntgegeben, der auch den sozialverträglichen Abbau von 23 000 Stellen in Deutschland in den nächsten Jahren vorsieht. Wolfgang Porsche verteidigte die massiven Stellenstreichungen und sagte dem Branchenblatt "Automobilwoche" am Rande einer Sportveranstaltung im Golfstaat Bahrain: "Es haben alle gewusst, dass etwas passieren muss." Osterloh zeigte sich verwundert. "Da kann Herr Dr. Porsche gerne konkret mithelfen, die richtigen Strategien durchzusetzen. Das hilft dem Unternehmen mehr als der Besuch eines Autorennens in Bahrain", sagte er.


Bonuszahlungen überprüfen

Die Familien Porsche/Piëch halten mehr als die Hälfte der stimmberechtigten VW-Stammaktien und haben damit die Macht bei Europas größtem Autobauer. Wolfgang Porsche war bisher ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zum Betriebsrat nachgesagt worden.

Aktionärsschützer forderten den VW-Aufsichtsrat unterdessen auf, die Bonuszahlungen für Top-Manager angesichts des Dieselskandals zu überprüfen. "Die Vorstände können nicht für Erfolge bezahlt werden, die auf Softwaremanipulationen und Betrug beruhen", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz dem "Tagesspiegel". Er warnte, das Kontrollgremium setze sich selbst Haftungsrisiken aus, wenn er nicht prüfe, ob die Boni vertraglich zurückgefordert oder einbehalten werden könnten.

Die Vorstandssaläre reduzieren sich ganz normal im vereinbarten Berechnungsmodus spürbar, da das schlechte Geschäftsjahr seine Spuren hinterlässt. Darüber hinaus hatte der Vorstand freiwillig angeboten, den teilweisen Verzicht bei der variablen Vergütung auf drei Jahre zurückzustellen und von der Entwicklung des Aktienkurses abhängig zu machen. (AG/dpa)



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