13. Februar 2017

Gespräche vertagt Streit um VW-Zukunftspaket schwelt weiter

VW-Markenchef Herbert Diess
VW-Markenchef Herbert Diess © dpa

Im Streit um den im Herbst abgesegneten VW-Zukunftspakt ist eine Lösung nicht in Sicht. Auch wenn Einvernehmen über die Dringlichkeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bestehe, gibt es keinen neuen Termin für ein Zusammenkommen der Parteien.




Der heftige Streit um den größten Umbau in der VW-Geschichte mit Milliarden-Einsparungen und Stellenstreichungen lässt den Autobauer nicht los. Nach einem Spitzengespräch zum weiteren Vorgehen beim Reizthema Zukunftspakt gingen Betriebsrat und Management am Montag ohne ein Ergebnis auseinander.

Am Nachmittag teilte die Mitarbeitervertretung mit, der Vorstand der Kernmarke Volkswagen habe aber bis Anfang kommender Woche (20. Februar) zugesagt, Lösungen vorzustellen. «Dann sollen die Gespräche fortgesetzt werden.» Das Unternehmen erklärte hierzu: «Zur Frage der notwendigen Personaltransformation (...) in Richtung Zukunftsarbeitsplätze wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe in dieser Woche noch offene Fragen diskutieren und beantworten.» Vorausgegangen war ein erneuter Konflikt zwischen VW-Markenchef Herbert Diess und Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh. Dabei geht es um die Umsetzung der umstrittenen Spar- und Umbauziele bei der Kernmarke VW. Die beiden waren schon in den Vorbereitungen des Pakts aneinandergeraten. Dieser soll bis zum Jahr 2025 Jobstreichungen mit Jobaufbau in Zukunftsgeschäften und hohen Investitionen austarieren. Beschlossen worden war das Programm im vergangenen November.


Sachliche Klärung angestrebt

Es bestehe Einvernehmen über die Dringlichkeit, erklärte ein Sprecher des Betriebsrats: «Wir begrüßen es, dass Herr (VW-Konzernchef) Müller unsere Ansicht teilt, dass es so nicht weitergehen kann. Volkswagen braucht Ruhe und Verlässlichkeit, um den Zukunftspakt umzusetzen.» Ergänzend hieß es aber: «Wir würden es begrüßen, wenn der Konzern die Umsetzung und Einhaltung der Vereinbarungen stärker an sich zieht.»

In einem Brief an die Mitarbeiter hatte Diess versprochen, eine «sachliche Klärung» anzustreben. In einer internen Mitteilung, die der dpa vorliegt, wandte sich nun auch Konzernchef Matthias Müller an die Belegschaft: Man werde weiter «alles tun, damit Konflikte konstruktiv gelöst werden und Volkswagen vor Schaden geschützt wird».und Volkswagen vor Schaden geschützt wird»

Zuletzt sei in der Öffentlichkeit «der fatale und falsche Eindruck» entstanden, «dass es bei VW nur noch gegeneinander und nicht miteinander geht». Dagegen müsse man sich aufs Wesentliche besinnen: «Volkswagen braucht jetzt etwas ganz anderes: Konzentration, um die Diesel-Krise weiter sauber auf- und abzuarbeiten. Konsequenz und Solidarität, um die begonnenen Reformen und die Neuausrichtung für die Zukunft gemeinsam zum
Erfolg zu führen», forderte Müller.

Der Betriebsrat appellierte an die VW-Spitze, das Thema auch auf der Ebene des Gesamtkonzerns zur Chefsache zu machen: «Wir würden es begrüßen, wenn der Konzern die Umsetzung des Zukunftspakets und die Einhaltung der Vereinbarungen stärker an sich zieht.» Gemeint ist, dass nicht nur bei der Kernmarke, auf deren geringe Ertragskraft der Pakt gemünzt ist, Folgen für Jobs und Leiharbeiter bedacht werden. Bei der Auseinandersetzung mit Osterloh soll es etwa um die Frage gehen, ob und wann Leiharbeiter zu welchen Bedingungen trotz des insgesamt hohen Spardrucks noch übernommen werden können. Auch sieht der Betriebsrat Zusagen zum parallelen Aufbau neuer Jobs gebrochen. (dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Unternehmen



Mehr zur Marke VW

Basis für den DieselskandalDeutsche Autohersteller unter Kartellverdacht

Das Unheil für deutsche Autobauer wird erweitert. VW und Co. sollen sich samt Zulieferern laut einem Medienbericht abgesprochen haben - auch der Dieselskandal könnte so begonnen haben.


Audi rüstet 850.000 Einheiten umVW-Chef Müller setzt sich für Diesel ein

Volkswagen-Chef Matthias Müller glaubt an eine Zukunft des Dieselmotors. Derweil liefert Audi ein Software-Update für 850.000 Fahrzeuge mit Sechs- und Achtzylinder-TDI.


China mit VerlustenVW nach erstem Halbjahr mit leichtem Zuwachs

Der VW-Konzern konnte im ersten Halbjahr des Jahres seine weltweiten Auslieferungen leicht steigern. Mit knapp 5,2 Millionen Fahrzeugen legt man um 0,8 Prozent zu.



Mehr aus dem Ressort

Bundesverbraucherminister Heiko Maas
Hersteller sollen für Schäden aufkommenMaas wirbt für Klagemöglichkeiten geschädigter Kunden

Heiko Maas wirbt für neue Klagemöglichkeiten der Verbraucher bei Massenanfällen wie beim Diesel-Skandal. Auch beim Kraftfahrtbundesamt sollte ein Verbraucherbeirat isntalliert werden, sagte der Bundesverbraucherminister.


Alexander Dobrindt neu Aufmacher dpa
Vor dem «Diesel-Gipfel» Dobrindt: Millionen-Fonds für umweltfreundliche Mobilität

Alexander Dobrindt will einen Fonds in dreistelliger Millionenhöhe für eine umweltfreundliche Mobilität in den Städten einrichten. Die Autohersteller sollen sich dabei an den Kosten beteiligen.


Schaeffler Zulieferer
Förderung der E-MobilitätSchaeffler und Brose verstärken Standorte in China

Schaeffler und Brose forcieren ihre Geschäfte mit der Elektromobilität in China. Die Autozulieferer sehen das Reich der Mitte als Leitmarkt der E-Mobilität an.