VW-Chef Müller setzt auf Sympathie für Verlierer

Renaissance in USA

Nachdenklich: VW-Chef Matthias Müller.
Nachdenklich: VW-Chef Matthias Müller. © dpa

Der Autobauer VW glaubt trotz des Abgasskandals in den USA daran, durch gute Arbeit eine Renaissance zu erleben. Natürlich werde man in den USA ein Verlierer sein- Doch das Schöne in den USA sei, dass es dort eine Sympathie für Verlierer gebe, so VW-Chef Müller

Im Abgas-Skandal glaubt Volkswagen-Chef Matthias Müller an eine zweite Chance in den USA. "Es ist natürlich so, dass wir mit Strafen zu rechnen haben und rechnen müssen. Und wir werden in den USA sicherlich ein Verlierer sein", sagte Müller der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Aber das Schöne in den USA ist auch: Da gibt es eine gewisse Sympathie für Verlierer. Und es gibt auch die Möglichkeit, in Amerika durch gute Arbeit eine Renaissance zu erleben. Und das werden wir tun."

Mögliche Sammelklagen, bei denen Anwälte um VW-Kunden als Mandanten werben, bereiten Müller derweil keine großen Sorgen. "Das scheint deren Geschäftsmodell zu sein. Es ist ja eine geübte Praxis in den USA, die offensichtlich jetzt auch versucht wird, nach Europa und Deutschland zu transportieren. Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.

China läuft gut

Zuversichtlich gab sich der Manager beim Thema Verkäufe: "In China funktioniert das Geschäft nach wie vor sehr gut, auch in europäischen Standorten wie Italien und Spanien haben wir uns nach einem kurzzeitigen Tief erholt." Müller rechnet mit einem guten Jahr 2016, wenn es weiterhin gelinge, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Die Perspektiven der VW-Leiharbeiter müsse der Abgas-Skandal nicht zwangsläufig verschlechtern. "Es ist so, dass Leiharbeiter natürlich eine gewisse Flexibilitätsgröße darstellen und im Grunde ohne Diesel genauso in Frage zu stellen sind wie mit Diesel. Also, von daher muss man schauen, wie sich das Geschäft im Jahr 2016 entwickelt." Für den hierzulande kürzlich gestarteten Diesel-Rückruf bekräftigte Müller mit Blick auf Verbrauch und Leistung der überarbeiteten Wagen das Ziel, "dass die Autos in keinem Kennwert schlechter werden".

Trotz Milliardenkosten und Imageschäden hält der VW-Chef die Affäre um die weltweit rund elf Millionen manipulierten Dieselfahrzeuge insgesamt noch für kontrollierbar. Auf die Frage, ob Volkswagen überleben werde, antwortete er: "Mit Sicherheit. Und zwar sehr gut." (dpa)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).