21. Januar 2016

VW dementiert Entlassungen Volkswagen bleibt vor General Motors

Produktion in Wolfsburg
Produktion in Wolfsburg © dpa

Trotz des Abgas-Skandals bleibt Volkswagen zweitgrößter Autohersteller hinter Toyota. Europas größter Hersteller dementierte unterdessen, weit mehr als 10.000 Jobs ständen in Gefahr.




Der US-Autokonzern General Motors (GM) hat seinen Rivalen VW im vergangenen Jahr trotz des Abgasskandals bei den Verkaufszahlen nicht überholt. Insgesamt verkaufte GM 2015 rund 9,8 Millionen Fahrzeuge und damit 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Mutterkonzern des deutschen Autobauers Opel am Donnerstag in Detroit mitteilte.


Toyota bleibt vorn

Der VW-Konzern verkaufte im gleichen Zeitraum 9,93 Millionen Autos, rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Der weltgrößte Autobauer Toyota hat seine Absatzzahlen noch nicht vorgelegt, ging aber noch Mitte Dezember davon aus, die Marke von 10,1 Millionen Autos zu erreichen.

Bei GM federten deutliche Zuwächse in den USA und China die Probleme in Südamerika und Russland ab. Opel gelang mit 1,1 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen trotz des Rückzugs vom russischen Markt sogar das beste Verkaufsergebnis seit 2011. VW musste hingegen Federn lassen. Volkswagen hatte eingeräumt, die Abgaswerte bei Millionen Autos weltweit mit einer Software manipuliert zu haben. Dem Konzern drohen deshalb neben einem Imageschaden auch Milliarden-Strafzahlungen, vor allem in den USA.

VW dementiert Massenentlassungen

Zudem hat Europas größter Autohersteller mit einem klaren Dementi Konzern einen angeblich nahenden Stellen-Kahlschlag als falsch zurückgewiesen. Das «Manager Magazin» berichtete, der Autobauer wolle seinen Sparkurs noch verschärfen. Damit stünden «weit mehr als 10.000» Arbeitsplätze auf dem Spiel. Schon bis zur Jahresmitte wolle das VW-Management bei der ertragsschwachen Pkw-Kernmarke «massiv» an die Jobs heran. Der Konzern teilte dazu am Donnerstag mit: «Wir weisen diese Meldung strikt zurück. Wir stehen fest zu unserer Stammbelegschaft.»

Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zog eine rote Linie: Voraussetzung für Teamwork beim gewünschten Sparkurs sei «die Garantie des Unternehmens, dass die Beschäftigung sicher ist und bleibt».

Im Frühling neue Runde beim VW-Haustarif

Bei der Volkswagen-Mutter genießen rund 120.000 Menschen einen Haustarifvertrag. Es gilt eine Beschäftigungssicherung, die sich bisher automatisch verlängert. Theoretisch könnte sie von der Arbeitgeberseite aufgekündigt werden. Das jedoch würde Vorlaufzeiten mit Kündigungsfristen benötigen. Es ist zudem davon auszugehen, dass eine solche Kündigung - so sie denn überhaupt käme - zu erheblichem Unfrieden in der Belegschaft führen würde. Für diesen Frühling steht die nächste Verhandlung um den neuen Haustarif an, der noch bis Ende Mai läuft. Dann endet auch die Friedenspflicht.

Die 120.000 VW-Mitarbeiter arbeiten an den Standorten Wolfsburg, Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Emden und Kassel. Die IG Metall hat eine gewaltige Organisationsstärke in der VW-Belegschaft.

Renditeschwache Pkw-Kernmarke

Laut «Manager Magazin» verschärft der neue VW-Markenchef Herbert Diess seinen Sparkurs weiter und peilt schon für 2016 deutliche Sprünge bei der renditeschwachen Pkw-Kernmarke an. Das Blatt schrieb, Diess wolle daher spätestens im Frühsommer «auch massiv an die Arbeitsplätze herangehen». Dabei werde es keinesfalls reichen, die Axt nur bei den etwa 7000 Leiharbeitern der Volkswagen AG anzusetzen. Es gehe auch um fest beschäftigte Mitarbeiter der Stammbelegschaft. Die Rede sei intern «von weit mehr als 10.000 gefährdeten Jobs».

Mitte November hatte Diess der Deutschen Presse-Agentur gesagt: «Ich sehe keine Bedrohung für die Stammbelegschaft.» Er kündigte aber an, die Leiharbeit auf den Prüfstand zu stellen. Mitte Dezember hatte das in Sachsen erste Folgen: Die Verträge von 600 Leiharbeitern am Standort Zwickau sollen 2016 in zwei Stufen auslaufen. Alternativen für sie im Konzern sollen gesucht werden, etwa bei den Konzernschwestermarken Audi oder Porsche.

VW verlängert mit Leiharbeitern in Baunatal

Dagegen verlängerte VW die Verträge von 900 Leiharbeitern des Werks in Baunatal (Landkreis Kassel). Dabei gehe es um alle Leiharbeitsverträge, die bis zum Juni diesen Jahres ausliefen, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag dem Radiosender FFH: "Und zwar um ein halbes Jahr." Eine längere Perspektive als sechs Monate könne VW den Leiharbeitern aber nicht geben. Dafür sei auch die Planungsunsicherheit wegen des VW-Abgasskandals mitverantwortlich.

Osterloh sagte der dpa am Donnerstag: «Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung sind bei Volkswagen gleichrangige Unternehmensziele. Das heißt für uns: Wir und die Belegschaften beteiligen uns aktiv an der Steigerung der Produktivität.» Voraussetzung dafür sei neben realistischen Zielen aber auch die Garantie des Unternehmens, dass die Jobs sicher sind und es auch bleiben. «Einen anderen Weg werden wir im Sinne der Beschäftigten nicht unterstützen.»

Aus VW-Aufsichtsratskreisen verlautete am Donnerstag, ein Jobabbau in der genannten Dimension sei überhaupt kein Thema. Dafür müssten dem Autobauer schon Großteile seiner Produktion wegbrechen. Trotz des Abgas-Skandals hat VW bisher beim Verkauf noch keine erheblichen «Diesel-Effekte» oder Vertrauensverluste zu spüren bekommen. Allerdings ist die bei VW hohe Fertigungstiefe seit langem umstritten. Der Autobauer macht viele klassische Zuliefereraufgaben in Eigenregie. Der Betriebsrat betont aber, das sei wettbewerbsfähig und könne sich mit den Zulieferern messen.



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