18. Dezember 2016

Über 200 runde Jahrestage Jubiläen für Prinzen, Bucklige und Goggos

1937 wurde der Grundstein Volkswagen gelegt
1937 wurde der Grundstein Volkswagen gelegt © VW

2017 feiern zahlreiche Automobile runden Geburtstag. Doch nicht nur die Fahrzeuge selbst, auch diverse Marken sowie ehemalige technische Neuerungen starten ab dem 1. Januar ins Jubiläumsjahr.




Wenn die Erinnerung der Menschen Auto fährt, führt sie meist zu emotionalen Momenten der eigenen Familien- und Lebensgeschichte. Sei es der erste Kuss im Käfer oder Kadett oder die Fahrt zum Festival mit fünf Freunden im kleinen Fiat. Vielleicht ein entscheidender Grund, warum die Besucherzahlen von Oldtimershows und Veteranenrallyes weiter stark steigen und warum sich alle Automobilmarken von Alfa Romeo bis Volvo ihrer Vergangenheit besinnen und die Geburtstage ihrer Unternehmensgeschichte ähnlich aufwändig feiern wie Neuwagenpremieren.

Weit über 200 runde Jahrestage legendärer Modelle, genialer Macher und technischer Meilensteine stehen 2017 auf der Agenda, die Mehrzahl davon sogar als Gold- oder Silberjubiläen. Nicht zu vergessen Typen wie der Alfa 164, das BMW M3 Cabrio oder der Ford Sierra Cosworth, die zum 30.Geburtstag durch ein H-Kennzeichen in den Rang amtlich anerkannten historischen Kulturguts befördert werden können. Hinzu kommen Wegmarken und Wendepunkte in der Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte, etwa die erst seit 40 Jahren EU-weit vorgeschriebenen Führerscheinprüfungen, die Rezession am Ende des deutschen Wirtschaftswunders vor 50 Jahren oder die politische Übereinkunft von 1927 über die erste paneuropäische Autobahn von Mailand nach Hamburg.


Mitsubishi und Subaru feiern 100-jähriges Bestehen

Gleich zehn große Marken nutzen das Jahr 2017, um gemeinsam mit Kunden und Fans auf ihren Gründungstag zurückzuschauen - und Pläne für die Zukunft zu präsentieren. Allen voran zwei japanische Hersteller, die 100 Jahre alt werden. Während Mitsubishi 1917 mit dem Model A sein erstes Serienfahrzeug in den Handel brachte, wurde der Technologiekonzern Nakajima zum Vorgängerunternehmen des Allradspezialisten Subaru. Nippons Nummer eins kann ebenfalls ein Jubiläum zelebrieren: Seit 80 Jahren schmückt das Toyota-Signet die Pkws der Marke, die das Total-Quality-Management in der gesamten Automobilindustrie einführte.

Nachdem das erste Auto in Millionenauflage – Henry Fords Modell T – vor exakt 90 Jahren seinen Abschied gab, wurde eine Dekade später, am 28. Mai 1937, in Berlin die „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH“ gegründet. Der erste wichtige Schritt auf dem Weg zum Wolfsburger Krabbeltier, das unter der liebevollen Bezeichnung VW Käfer nach dem Zweiten Weltkrieg friedlich alle Kontinente eroberte. In jenen Jahren des Wiederaufbaus starteten 1947 auch die schwedischen Volksautobauer durch. Volvo lieferte im Februar den ersten PV 444 „Buckel“ aus und Saab ließ die Bänder für seinen legendären Stromlinien-Zweitakter vom Typ 92 anlaufen. Für den Flugzeugbauer Saab war dies zugleich der Beginn als Automarke. Aber auch Volvo feiert 2017 ein Doppeljubiläum, denn der liebevoll Jakob genannte Ur-Volvo wurde vor 90 Jahren vorgestellt.

Ferrari betritt 1947 das Rampenlicht

Nochmal ins Jahr 1947, das weitere neue Marken im Gepäck hatte, die die globale Automobilgeschichte beeinflussten. Allen voran Ferrari und sein erster unter eigenem Namen hergestellter V12-Sportwagen. Seitdem sind Vmax-Modelle made in Maranello Maßstab für etablierte Supersportwagenmarken und Herausforderung für neue Rivalen auf Rennstrecke und Straße.

Ganz beschaulich und bieder zeigte sich dagegen der erste Moskwitch, mit dem Staatsführer Stalin die Massenmotorisierung vor 70 Jahren in die Sowjetunion brachte. Tatsächlich verbarg sich hinter dem Moskwitch der Opel Kadett von 1936, dessen Produktionsanlagen als Reparationsleistung dienten. Auch das Vorbild für Chinas erste Autos, die Modelle Hongqi („Rote Fahne“) und Shanghai Phoenix, feierte vor 70 Jahren sein Debüt. Es war der französische Ford Vedette, der den chinesischen Staatspräsident Mao Tse-tung so beeindruckte, dass er die ersten Modelle im Reich der Mitte inspirierte.

Wankelmotor kommt in Mode

Der NSU Ro 80 sorgte vor 50 Jahren für Aufsehen
Der NSU Ro 80 sorgte vor 50 Jahren für Aufsehen © Audi

Grund zum Feiern hat 2017 auch Koreas größter Konzern: Die Hyundai Motor Corporation wird ein halbes Jahrhundert alt. Bauten die Asiaten in Seoul anfangs nur Derivate des Ford Cortina, maßen sich die Ingenieure im nahen Japan vor 50 Jahren bereits selbstbewusst mit europäischen Marken. So präsentierte Mazda schon im Mai 1967 mit dem Supersportwagen Cosmo Sport das weltweit erste Serienauto, in dem ein Zweischeiben-Wankelmotor arbeitete.

Erst im September zur Frankfurter IAA folgte der NSU Ro 80, jene futuristische Wankel-Limousine, die alle damaligen Sechszylinder-Neuheiten wie Opel Commodore und Ford 20 M (P7a), aber auch die am Jahresende enthüllten Mercedes 200 bis 250 („Strichacht“) alt aussehen ließ. Allerdings änderte das technische Neuland nichts daran, dass der Ro 80 kommerziell glücklos blieb – im Unterschied zu den Kreiskolbenmotor-Modellen von Mazda. Diese wurden Millionseller, wenn auch durch Erfolge vor allem in Nordamerika.

Sechs Jubiläen zum Träumen

Der Porsche 959 kam 1987 auf den Markt
Der Porsche 959 kam 1987 auf den Markt © Porsche

Zuständig für glänzende Augen bei Fans von Vmax-Boliden sind 2017 sechs Jubiläums-Traumwagen, die jenseits der monetären Reichweite ihrer meisten Bewunderer sind. Vor 60 Jahren versuchten Maserati 3500 GT und Jaguar XK 150 allen Ferrari den Rang abzulaufen. Vor 50 Jahren war es dann der Maserati Ghibli, der sich mit dem in Vorbereitung befindlichen Ferrari Daytona messen sollte. Dagegen schmückte sich der 324 km/h flotte Ferrari F40 vor 30 Jahren gleich mit dem Titel des schnellsten Autos der Welt. Dies sehr zum Missfallen der ersten Porsche 959-Piloten, die für ihr 315 km/h schnelles Allrad-Geschoss mindestens 420.000 Mark gezahlt hatten.

Dafür hätte es alternativ gleich drei Exemplare des Porsche 928 gegeben, also jenes 1977 lancierten V8-Coupés, das vergeblich versuchte, den Elfer abzulösen. Oder vier BMW 750i Limousinen, die 1987 den Zwölfzylinder als Prestigesymbol in der deutschen Oberklasse etablierten. Oder aber nicht weniger als neun der 1987 neu vorgestellten Mercedes W124 Coupés, die später auch von wegweisenden Vierventil-Sechszylinder befeuert wurden.

Goggomobil wird 60

Das Goggomobil trat gegen den NSU Prinz an
Das Goggomobil trat gegen den NSU Prinz an © Autodrom

„Er in München, Sie in Kiel. Lösung klar: Goggomobil“, lautete einer der populärsten Werbeslogans der 1950er Jahre. Damals motorisierte das Kleinstmobil des bayerischen Autobauers Hans Glas zigtausend Singles und Familien, heute erntet es Begeisterungsstürme auf Oldtimerrallyes. Besonders als Coupé, das 1957 debütierte und gegen den gleichfalls neuen NSU Prinz antrat und sogar feiner sein wollte als der Fiat 500 Nuova aus jenem Jahr. Der Kultstatus des knuddeligen Italieners unter den Kleinen bleibt jedoch bis heute weltweit unerreicht.

Emotionen lösten einst auch Verkehrsregeln aus, deren Anniversarien nun Anlässe für Rückblicke geben. So war die Verordnung des 50-km/h-Tempolimits in geschlossenen Ortschaften 1957 in Deutschland ebenso umstritten wie der 1937 zum Lärmschutz durchgesetzte „autofreie Tag“ im tschechischen Prag oder die 1967 erfolgte Umstellung von Links- auf Rechtsverkehr in Schweden. Auch die ersten Haftpflichtversicherungen vor 120 Jahren in den USA nach dem Vorbild der Pferdehalter-Haftpflicht fanden keineswegs nur Fürsprecher. Ungezwungener feiern lassen sich deshalb noch heute alle nostalgischen Events mit den automobilen Helden des Alltags. (SP-X)



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