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12. September 2017

Roadmap E vorgelegt VW-Chef Müller elektrifiziert den Konzern

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VW-Chef Matthias Müller am Vorabend der IAA.
VW-Chef Matthias Müller am Vorabend der IAA. © AG/Mertens

Der VW-Konzern versucht sich an einem Befreiungsschlag. Die Wolfsburger wollen nicht mehr nur als Diesel-Betrüger und rückwärtsgewandter Autobauer wahrgenommen werden. Sie wollen zum Taktgeber bei der Elektromobilität werden.


Von Frank Mertens

VW-Chef Matthias Müller gehört nicht zu denen, die zu den mitreißenden Rednern gehören. Seine Vorträge auf Messen lässt man in der Regel über sich ergehen, als dass man seinen Ausführungen mit großem Interesse folgt. Doch am Montagabend war es anders.

Am Vorabend der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) erlebte man einen konzentrierten, einen für seine Verhältnisse geradezu eloquenten VW-Chef. Man merkte Müller an, dass er eine Message zu verkünden hatte. Eine, die zugleich einen Befreiungsschlag für den Wolfsburger Autobauer darstellen sollte. VW möchte nicht mehr nur als der Autobauer gesehen werden, der die Abgaswerte seiner Fahrzeuge manipuliert, seine Kunden betrogen hat. Volkswagen will Taktgeber bei der nachhaltigen Mobilität werden – und dafür soll die Roadmap E sorgen.

VW will Vertrauen der Kunden zurückgewinnen

Sie sieht vor, dass bis spätestens 2030 VW sein komplettes Modellangebot elektrifizieren will. „Bis dahin wird es von jedem unserer 300 Konzernmodelle ein elektrifiziertes Modell geben“, kündigte Müller selbstbewusst an. Wie Müller sagte, sei VW mit der Roadmap E der erste Autobauer, der sich auf ein Datum festgelegt hat, bis zu dem man seine gesamte Flotte elektrifiziert haben will. VW hatte bereits im Juni bei der Vorstellung des Zukunftsprogramm „Together – Strategie 2025“ die Elektromobilität als zentrales Handlungsfeld ausgerufen.

Der Manager wollte sich an diesem Abend in Halle 3 des Frankfurter Messegeländes als ein Chef präsentieren, der aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. „Die Zeiten, in denen sich die Branche selbst gefeiert hat, sind vorbei.“Es gehe darum, bei den Kunden verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Dass dieses Vertrauen in den VW-Konzern demoliert ist, daran hat auch Müller seinen Anteil. So sei nur an seinen Auftritt beim Dieselgipfel Anfang August in Berlin erinnert.

Da hatte Müller demonstriert, dass die Autobranche eher an einem weiter wie gehabt gelegen ist, als an einem Neuanfang. Zur Forderung der Politik und Umweltverbänden nach einer Nachrüstlösung für ältere Diesel, ließ er wissen, dass er diese im Grunde eher für ausgeschlossen halte. Er wolle seine Ingenieure eher zukunfts- und nicht rückwärtsgewandt arbeiten lassen, so seine Begründung. Das Stirnrunzeln ob dieser Aussage war groß.

VW gibt Selbstverpflichtung ab

Matthias Müller neben Sedric, einem autonom fahrenden Auto.
Matthias Müller neben Sedric, einem autonom fahrenden Auto. © AG/Mertens

Doch diesen Ausrutscher wollte Müller mit der Verkündigung der Roadmap E nun vergessen machen. „Wir haben verstanden und wir werden liefern. Das ist keine unverbindliche Absichtserklärung, sondern eine Selbstverpflichtung, an der wir uns ab heute messen lassen.“ Messen lassen wollen sich die Wolfsburger an dem Ziel, bis zum Jahr 2025 jedes vierte Modell rein elektrisch zu verkaufen. Bis dahin rede man von drei Millionen Elektroautos pro Jahr. „Bis 2025 werden wir 80 elektrifizierte Modelle im Angebot haben. 50 Elektroautos und 30 Plug-in-Hybride.“ Das ist eine Ansage. Eine, mit der VW nach Müllers Worten bis 2025 zur weltweiten Nummer eins bei der Elektromobilität werden soll. „Dieses Ziel werden wir erreichen.“ Dafür investiert VW bis dahin 20 Milliarden Euro.

Mit seinem Verweis auf die Absatzziele bei der E-Mobilität wollte Müller auch den Hype um den US-Elektroautobauer Tesla zurecht rücken. So sei VW eine Marke, die Jahr für Jahr zehn Millionen Autos auf die Straße bringt. Was ist da schon Tesla. Die Firma von Elon Musk setzte im Vorjahr etwas mehr als 76.000 Fahrzeuge ab. Und Müllerhatte auch noch einen weiteren Seitenhieb parat – und der bezog sich auf die bis 2025 benötigte Batteriekapazität. So würde der Komzern allein für die Ausstattung der eigenen E-Flotte eine Kapazität von 150 GWh pro Jahr benötigen. Das entspreche einer Jahreskapazität von vier Gigafactories. Um dies zu realisieren, hat VW das größte Beschaffungsprogramm der Geschichte mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro ausgerufen.

Doch allein das Angebot an neuen E-Modellen zu schaffen, reiche nicht. Es gehe darum. Jetzt schnell eine flächendeckende Ladeinfrastruktur zu schaffen, „in den Städten und entlang den Autobahnen“. Gerade im Autoland Deutschland müsse hier noch viel getan werden. Wie Müller sagte, gehören Verkehrswende und Energiewende für ihn untrennbar zusammen. Doch der Weg in die Zukunft geht für Müller nur mit dem Vebrennungsmotor. Ihn hält er nach wie vor für unverzichtbar. Mit ihm finanziere man den Mobilitätswandel hin zur E-Mobiliät, sagte der VW-Chef.