11. September 2016

Federführung liegt bei Porsche VW forciert Elektromobilität mit Schnellladeprojekt

Porsche hat beim Projekt Ladestation die Federführung.
Porsche hat beim Projekt Ladestation die Federführung. © dpa

Volkswagen arbeitet an einem Schnellladeprojekt für Elektroautos. Die Federführung liegt dabei bei Porsche. Dabei sollen die Batterien in 15 Minuten bis zu 80 Prozent aufgeladen werden können, sagte VW-Chef Müller.




Volkswagen will die Elektromobilität mit einem Schnelllade-Projekt und einer Modelloffensive vorantreiben. Dabei gehe es darum, "in 15 Minuten 80 Prozent der Batterie zu laden", sagte Konzernchef Matthias Müller der "Bild am Sonntag". "Das wird schon bald spruchreif." Die Federführung liege bei Porsche.

"Das Thema E-Mobilität hat VW in den vergangenen Jahren sicher noch nicht mit der nötigen Intensität betrieben." Dies werde aber aufgeholt. "2020 kommt VW geballt mit einer völlig neuen Plattform." Dann werde der Autobauer 30 elektrisch betriebene Modelle anbieten, es gehe um Reichweiten von 500 bis 600 Kilometern. Die Wolfsburger wollen sich mit Milliardensummen für Elektroautos, neue Dienstleistungen und autonomes Fahren aus der Abgas-Krise befreien und auf Umwälzungen in der Branche reagieren.

Mitte Juni hatte Müller angekündigt, dass die rein batteriebetriebenen Fahrzeuge des Konzerns im Jahr 2025 "rund 20 bis 25 Prozent" vom dann erzielten Gesamtabsatz ausmachen sollen. Der "Bild am Sonntag" sagte der VW-Chef, es gebe drei Ursachen, warum es mit der E-Mobilität bislang nicht schneller vorangehe: fehlende Reichweite, Infrastruktur zum Aufladen und hohe Preise.


Müller: Bekommen Heft des Handelns in die Hand

Neben den Autobauern drängen auch IT-Konzerne wie Google und Apple ins Autogeschäft. Auf die Frage, ob es ernsthafte Gespräche zwischen Google, Apple und VW gegeben habe, sagte Müller der Zeitung: "Na klar. Aber das Rollenverständnis war dann doch zu unterschiedlich, deshalb wurden die Gespräche abgebrochen. In fünf oder zehn Jahren werden wir wissen, wie der Spielstand ist."VW hatte mit einer Software Emissionstests bei Millionen von Dieselfahrzeugen manipuliert. Dies löste eine schwere Krise aus. "Als ich hier anfing, waren wir vor allem Getriebene angesichts der Dimension des Ganzen, die ja erst nach und nach deutlich wurde", sagte Müller der Zeitung. "Jetzt bekommen wir immer mehr das Heft des Handelns wieder in die Hand, können neben Krisenmanagement wichtige Themen für das Unternehmen vorantreiben."

In den vergangenen Monaten habe sich auch intern viel getan. "Unser Unternehmen leidet schon daran, dass wir bislang zu obrigkeitshörig waren", sagte Müller. "Alles war sehr zentralistisch organisiert und auf wenige Personen an der Spitze konzentriert. Das habe ich schnell geändert." Es gebe zwar noch Unsicherheiten und hier und da auch Widerstände. "Aber ich habe schon den Eindruck, dass die Menschen bei VW mehr und mehr die Chancen der Veränderung sehen.

Keine Strategieabsprache mit Piech bei VW

Dem früheren VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch begegne er noch auf den Aufsichtsratssitzungen der Porsche SE, "da sagt er mir auch schon mal seine Meinung", sagte Müller der Zeitung. "Im Aufsichtsrat der Volkswagen AG ist Herr Piëch nicht mehr. Also habe ich auch keinen Grund, mit ihm über Strategien zu sprechen."

Zu seiner eigenen Rolle sagte Müller in dem Interview: "Wenn ich jetzt nur noch als VW-Vorstandsvorsitzender lebe und nicht mehr als Matthias Müller, dann falle ich in vier Jahren, wenn der Job hier getan ist, in ein tiefes Loch." In den vergangenen Monaten habe er in manchen Momenten auch kurz darüber nachgedacht, hinzuschmeißen. "Solche Gedanken tauchen mal für einen kurzen Moment auf." Zum Beispiel, wenn "ich daran denke, dass ich vor drei Wochen das erste Mal Opa geworden bin und keine Zeit habe, mich um meinen Enkel zu kümmern." (dpa)



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