19. April 2012

Wegen Wahl der Frau in Aufsichtsrat Aktionäre kritisieren VW-Patriarch Piech

Ferdinand Piech darf sich über den Kauf von Ducati freuen.
Ferdinand Piech darf sich über den Kauf von Ducati freuen. © dpa

Der VW-Konzern baut sein globales Imperium mit dem Kauf des Motorradherstellers Ducati weiter aus. Doch bei der Hauptversammlung gab es auch Kritik an Ferdinand Piëch, weil dessen Frau Ursula in den Aufsichtsrat aufrücken soll.


Ducati-Kauf, MAN Aufstockung, neue Werke in aller Welt: Volkswagen baut sein globales Autoimperium weiter mit voller Kraft aus. Nur die wirtschaftlichen Turbulenzen in Südeuropa drücken etwas auf die Bremse. "Das Autojahr 2012 wird uns viel abverlangen", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Hamburg. "Insbesondere die Schuldenkrise in Europa wird die Märkte weiter belasten."

Die Zuversicht der Wolfsburger ist dennoch ungebrochen. "Uns geht es gut", sagte auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Für Kritik unter den Aktionären sorgten aber die geplante Wahl von dessen Ehefrau Ursula Piëchs in den Aufsichtsrat sowie die VW-Klimabilanz.

Dank neuer Modelle wie dem Golf 7 oder Audi A3 sieht Winterkorn allen Grund, selbstbewusst zu sein. Absatz und Umsatz sollen die Rekordwerte des Vorjahres übertreffen, das operative Ergebnis von 11,3 Milliarden Euro will Volkswagen zumindest halten - trotz aller konjunkturellen Risiken. "Das Ziel von 10 Millionen Fahrzeugen rückt in Sichtweite." 2011 verkaufte der einer Studie zufolge inzwischen umsatzstärkste Autokonzern der Welt fast 8,3 Millionen Fahrzeuge, im ersten Quartal dieses Jahres waren es erstmals über 2 Millionen.

VW reagiert mit Unverständnis auf Greenpeace-Protest

Das Wachstumstempo ruft allerdings auch Kritiker auf den Plan. Mitglieder der Umweltschutz-Organisation Greenpeace demonstrierten während Winterkorns Rede vor den Aktionären gegen die aus ihrer Sicht zu laxen CO2-Reduktionsziele. VW könne noch mehr tun, erklärten die von Piëch als "Unruhestifter" bezeichneten Aktivisten, die von Sicherheitsleuten aus dem Saal gebracht wurden. Der Konzern nannte den Protest "eine weitere sinnlose und fragwürdige Aktion". VW habe sich die ambitioniertesten Klimaschutzziele der Branche auferlegt.

Von Ursula Piëch erhoffte sich Greenpeace mehr Engagement. Mit der Ernennung der 55-Jährigen zur VW-Kontrolleurin wolle ihr Mann vor allem für Kontinuität sorgen, hieß es in Konzernkreisen. Die gelernte Kindergärtnerin warb in der Hauptversammlung um Vertrauen: "Ich möchte dazu beitragen, den Erfolg des Unternehmens zu stärken und Ihre Interessen zu vertreten", sagte sie vor den Anteilseignern. Die Großaktionäre Porsche, Katar und Niedersachsen unterstützen die Nominierung von Ursula Piëch und die ebenfalls vorgesehene Verlängerung des Mandats ihres Mannes um weitere fünf Jahre.

Kritik an Personalie Ursula Piëch

Ursula Piëch
Ursula Piëch © dpa

Einige Anleger reagierten auf die Personalien aber mit Kritik. Sie monierten eine mögliche Vermischung privater und geschäftlicher Interessen und die Tatsache, dass der 75-jährige Chefaufseher bereits die laut Firmenkodex erlaubte Altersgrenze von 70 Jahre überschritten hat. Viel verspricht sich Winterkorn vom Kauf des italienischen Motorradherstellers Ducati durch die Oberklasse-Tochter Audi. "Wir freuen uns darauf, diese stolze Marke in Kürze in unserer Konzernfamilie willkommen zu heißen", sagte er. Der Rivale Daimler kündigte unterdessen in der Autogazette an, seine bisherige Zusammenarbeit mit Ducati zu beenden.

Audi kündigte zudem den Bau eines Werks in Mexiko an, der genaue Standort wurde noch nicht genannt. In Nordwest-China plant die Konzernmutter eine weitere Produktionsstätte. Am Münchner Lastwagenbauer MAN hält VW mittlerweile rund 74 Prozent, ab 75 Prozent wäre ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag möglich. An der wegen juristischer Streitigkeiten und offener Steuerfragen verzögerten Integration von Porsche werde ebenfalls "mit Hochdruck" gearbeitet, sagte Winterkorn. (dpa)



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