7. März 2016

Betriebsratschef Osterloh VW auf der Suche nach moralischen Fundamenten

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh © dpa

Der Abgas-Skandal sorgt bei VW nicht nur für personelle Konsequenzen. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat im niedersächsischen Landtag die Forderung nach einem «Kulturwandel» bekräftigt.




Als Reaktion auf den Abgas-Skandal hat VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh einen Neubeginn bei dem Autokonzern gefordert. Es gehe darum, die «moralischen Fundamente unseres Unternehmens» neu zu befestigen, sagte Osterloh am Montag in einer Rede im niedersächsischen Landtag in Hannover. «Das geht nicht ohne die Rückgewinnung von Vertrauen - dem unserer Kunden, unserer Belegschaften, aber auch von Politik und Gesellschaft.»

Osterloh bekräftigte damit seine Forderung, bei VW müsse es einen «Kulturwandel» geben. Der Konzern war in den vergangenen Jahren stark zentralistisch geführt worden. Die einzelnen Marken und Regionen sollen nun mehr Verantwortung bekommen, Mitarbeiter sollen keine Angst mehr vor Fehlern und Widerspruch haben.


«Sehr vom eigenen Tempo des Wachstums eingenommen»

Volkswagen sei in den vergangenen Jahren «sehr vom eigenen Tempo des Wachstums eingenommen» gewesen, vielleicht auch «zu sehr vom eigenen Erfolg beeindruckt», sagte Osterloh. Für den Erfolg dürfe und müsse ein Unternehmen aber nicht alles machen, was erlaubt sei. Ihn habe die Abgas-Affäre auch ins Grübeln gebracht über die Rolle von VW in der Gesellschaft. «Und desto länger ich darüber nachdenke, umso deutlicher wird mir, dass hier Korrekturbedarf besteht.»

«Vielleicht haben wir auch übersehen, dass nicht jedes Problem ingenieurs-mäßig behandelt werden kann», meinte Osterloh. Die rein technische Aufarbeitung der Affäre reiche nicht aus. VW hatte mit einer Software in Millionen Dieselfahrzeugen Abgaswerte manipuliert. Osterloh war im Landtag Gast in einer Vortragsreihe.

Forderung nach erneuertem Wertefundament

Mit Osterloh äußert sich erstmal ein führendes Aufsichtsratsmitglied ausführlich zu möglichen Versäumnissen des Konzerns auf dem Weg zur Weltspitze und den direkten oder zumindest indirekten Zusammenhang mit dem Diesel-Debakel. Seit 2007 legten die Auslieferungen um 64 Prozent zu, der Umsatz um 86 Prozent, und der operative Gewinn vervierfachte sich sogar. Damals zählte der Konzern noch 329.000 Mitarbeiter. Heute sind es fast doppelt so viele. Das Wachstum war rasant, auch 2015 sollte neue Rekorde bringen. Dann kam «Dieselgate».

Die nötigen Lehren aus der Krise umschrieb Osterloh nun so: «Verlangt werden ein erneuertes Wertefundament, feste Leitbilder und eine wieder gefundene klare Haltung. Diese Haltung muss einer inneren Überzeugung entspringen, sie darf nicht in Managerseminaren von Beratern oder Consultingfirmen erhofft werden.»

Beim Zukunftsthema Nachhaltigkeit will sich VW künftig mehr Sachverstand von außen zunutze machen. Auf Initiative des Betriebsrates habe Konzernchef Matthias Müller der Einrichtung eines Nachhaltigkeitsbeirates zugestimmt, sagte Osterloh. Ziel des sieben bis neunköpfigen Gremium sei es, «konstruktiv-kritische Stimmen künftig besser in unserem Unternehmen zu Gehör zu bringen.» Themen des Beirats seien etwa Ökologie, Zukunft der Arbeit, Integrität, Mobilität und Verkehr sowie soziale Verantwortung. (dpa)



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