Matthias Müller wird neuer VW-Chef

Nachfolger von Winterkorn

VW-Chef Matthias Müller
VW-Chef Matthias Müller © dpa

Der VW-Aufsichtsrat hat mit Matthias Müller einen Nachfolger für den zurückgetretenen Martin Winterkorn bestimmt. Der muss nun eine Erneuerung des Mehrmarken-Konzerns einleiten.

Matthias Müller bekam bereits am Freitagmorgen einen Vorgeschmack darauf, was ihn demnächst erwarten wird. Die Umweltschützer von Greenpeace hatten vor dem Werkstor des Wolfsburger Autobauers ein großes Banner mit der Aufschrift „Schluss mit den Lügen“ aufgespannt und damit den vorgezeichneten Weg genannt, den Müller als neuer VW-Chef gehen muss.

Berufsausbildung bei Audi

Denn gegen Mittag wurde der gebürtige Sachse mit bayrischem Akzent seiner Favoritenrolle gerecht und zum Nachfolger des wegen der Abgas-Affäre zurückgetretenen Martin Winterkorn als neuer Chef des VW-Konzerns bestimmt. Das Präsidium des VW-Aufsichtsrates hatte sich schon am Donnerstag auf den 62-Jährigen festgelegt, der seine Karriere im VW-Konzern Ende der 70er Jahre bei Audi mit einer Ausbildung zum Werkzeugmacher begonnen hatte.

Nach dem Informatikstudium an der Fachhochschule München kehrte Müller nach Ingolstadt zurück und übernahm 1984 eine Führungsposition im EDV-Bereich, ehe er in das Produktmanagement wechselte und ab Mitte der neunziger Jahre die Planung sämtlicher Baureihen koordinierte. Unter Martin Winterkorn, der 2002 in Ingolstadt das Ruder übernahm, übernahm der Vertraute des ehemaligen VW-Patriarchen Ferdinand Piech die Chefkoordination der sportlichen Fahrzeuge im VW-Konzern, zu denen neben den Audi-Modellen auch noch Seat und Lamborghini zählen.

Im Windschatten von Winterkorn

Der eine kommt, der andere geht: Michael Müller (.) und Martin Winterkorn.
Matthias Müller (l.) und Martin Winterkorn dpa

Als Winterkorn 2007 den Chefsessel in Ingolstadt gegen den in Wolfsburg tauschte, nahm er Müller als so genannten Produktstrategen mit in die Volkswagenstadt. Doch der Stratege wurde nach dem Machtkampf mit Porsche am Standort des Sportwagen- und Geländewagenbauers in Zuffenhausen eher benötigt und löste dort 2010 den kurzzeitigen Porsche-Chef und direkten Nachfolger von Wendelin Wiedeking, Michael Macht, ab.

Nun klettert Müller weiter nach oben. Der Manager, der sich selbst als Teamplayer bezeichnet und als besonnen, aber auch zupackend gilt, muss seine Stärken gerade in einer der schwersten Krise des Volkswagen-Konzerns beweisen. Durch den Abgas-Skandal mit bis zu elf Millionen betroffenen Autos drohen dem Unternehmen allein in den USA bis zu 18 Milliarden Dollar Strafe von den US-Behörden. Hinzu kommen derzeit rund 40 Sammelklagen von privaten Kunden und Händlern – und weitere Klagen aus Europa werden sich dazu gesellen. Und jeder Kunde mit dem betroffenen Motor mit der Bezeichnung EA 189 kann beim Händler dank Nacherfüllungsrecht eine Nachbesserung oder Nachlieferung eines mängelfreien Neufahrzeugs verhandeln - welche Kosten da auf VW zukommen, können derzeit noch nicht recht erfasst werden.

Alter als Manko

Greenpeace-Protest bei Volkswagen
Greenpeace-Protest vor dem Wolfsburger Werkstor dpa

Müller scheint im Hinblick auf die sich seit vergangener Woche überschlagenden Ereignisse der richtige und einzige Kandidat für den VW-Aufsichtsrat gewesen zu sein. Dass die schnelle Wahl eines neuen VW-Chefs auf keinen jüngeren Kandidaten fiel, ist auch den Fehlern von Piech und Winterkorn anzulasten, die den Konzern im Alleingang führen wollten und keinen anderen als sich selbst als führungsgeeignet betrachteten. Müller selbst hatte Anfang des Jahres gesagt, dass er aufgrund des fortgeschrittenen Alters für das Amt nicht zur Verfügung stehen würde, dieses aber nach dem Machtkampf zwischen Piech und Winterkorn revidiert. Denn jetzt scheint gerade auch das Alter den Ausschlag zu seinen Gunsten beigetragen zu haben.

Darum besitzen für Müller zwei Aufgaben Priorität: Zunächst muss der 62-Jährige „Schluss mit den Lügen“ machen und den enormen Imageschaden weltweit reparieren. Zum anderen muss er die schon von Winterkorn angekündigte Neustrukturierung des Unternehmens angehen und durchführen und dabei auch schon einen geeigneten Nachfolger für sich selbst finden. Denn für einen apostrophierten Generationswechsel steht Müller aufgrund des Stallgeruchs und der Nähe zu den früheren Bossen nicht, sondern eher für einen einen Übergang, da auch vor Matthias Müller das Alter nicht Halt macht. (AG/TF)