21. Februar 2017

Im Zuge des Diesel-Skandals Ehemaliger Chefentwickler beschuldigt Audi-Chef Stadler

Audi-Chef Rupert Stadler
Audi-Chef Rupert Stadler © dpa

Im Zuge des VW-Abgas-Skandals gerät nun auch Audi-Chef Rupert Stadler wieder unter Druck. Ein inzwischen gekündigter Chef-Entwickler sieht sich als Bauernopfer und Spielball von VW-Vorstand und Aufsichtsrat.




Der ehemalige Chefentwickler von Dieselmotoren bei Audi macht Vorstandschef Rupert Stadler in der Diesel-Affäre schwere Vorwürfe und wehrt sich gegen seine Kündigung. Der Anwalt von Ulrich Weiß zitierte am Dienstag am Arbeitsgericht Heilbronn aus einem Gespräch zwischen dem 48-Jährigen und Stadler zu seiner Freistellung.

«Stadler betont, dass alles auf Druck von VW und dem VW-Aufsichtsrat geschehen ist», las der Jurist Hans-Georg Kauffeld aus dem zugehörigen Protokoll vor. Demnach sagte der Ingenieur Weiß daraufhin, man habe ihn für Vorstand und Aufsichtsrat geopfert. Stadler habe geantwortet: «Da ist was Wahres dran.»


Chefetage schon vor Jahren informiert

Der Entwickler geht vor Gericht gegen seine Freistellung im Zuge des Diesel-Skandals bei Volkswagen vor. Er war nach der Aufdeckung der Betrugssoftware bei Dieselmotoren von Audi im November 2015 zunächst bezahlt freigestellt worden. Inzwischen hat die VW-Tochter ihm gekündigt.

Weiß hält die Kündigung vom 15. Februar für unwirksam. «Die sollte nur dazu dienen, den Gerichtstermin heute zu verhindern», sagte sein Verteidiger (Az.: 5 Ca 219/16). Der Anwalt zitierte auch aus internen Papieren aus einem Arbeitskreis aus dem Jahr 2012, in denen es um die Software ging. Der Arbeitskreis sei Stadler unterstellt gewesen, sagte er. Damit wäre die Chefetage schon vor Jahren im Bilde gewesen.

Audi stellt Strafanzeige gegen Unbekannt

Im September 2015 war in den USA bekanntgeworden, dass VW über Jahre ein Programm zur Manipulation von Diesel-Abgaswerten einsetzte. Neben der Kernmarke VW sind Modelle etwa der Töchter Audi, Seat und Skoda betroffen. «Dieselgate» stürzte den Konzern in eine schwere Krise.

Stadler, seit 2007 Audi-Chef, ist im Zuge der Affäre zunehmend unter Druck gekommen. Nach dem Beginn des Skandals hatte schließlich auch Audi zugeben müssen, dass in seinen großen Sechszylinder-Dieseln Abgas-Software eingesetzt wurde, die nicht US-Vorschriften entsprach.

Nach wiederholten Vorwürfen gegen den Vorstandsvorsitzenden wehrt sich Audi nun ebenfalls. Wegen falscher Verdächtigung, Verrats von Betriebsgeheimnissen und Fälschung von Dokumenten prüft das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Strafanzeige gegen Unbekannt. (dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Unternehmen



Mehr zur Marke Audi

Serienstart des Gran Turismo ab 2019E-Tron Sportback Concept: Audis zweiter Stromer

Audi präsentiert auf der Automesse in Shanghai das zweite reine Elektroauto des Unternehmens. Wie schon beim SUV-Stromer vergeht auch beim Gran Turismo noch einige Zeit bis zur Serienreife.


Chinesischer Markt beeinflusst erstes QuartalAudi fällt im Premium-Dreikampf zurück

Die sinkenden Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt haben Audi die Bilanz des ersten Quartals verhagelt. Neue Modelle sollen in den kommenden Monaten für eine Trendumkehr sorgen.


Auf 200 Einheiten limitiertAudi bringt beim R8 Farbe ins Spiel

Audi trägt den Erfolgen im Kundensport Rechnung. Dem GT3-Modell stellt der sportliche Ableger der Ingolstädter nun auch eine limitierte Serienvariante zur Seite.



Mehr aus dem Ressort

Der Kältemittelstreit geht in die nächste Runde
Umrüstung von 134.000 FahrzeugenDaimler legt Einspruch gegen Kältemittel-Umrüstung ein

Der Kältemittelstreit von Klimaanlagen geht in die nächste Runde. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat für 134.000 Fahrzeuge von Mercedes den Austausch der Kältemittel angeordnet, Daimler legt Widerspruch ein.


Nach nur sechs Monaten gibt es die ersten Veränderungen in der Führungsriege von PSA Deutschland
Umstrittene LeasingaktionPSA Deutschland trennt sich von drei Managern

PSA Deutschland beendet das kurze Engagement von drei ranghohen Managern. Dem Trio könnte der Deal mit Sixt Leasing und dem Internetprovider 1&1 zum Verhängnis geworden sein.


Daimler-Chef Dieter Zetsche vor einem Mercedes EQ Concept
Nach starkem ersten QuartalDaimler hebt Gewinnprognose an

Ein kräftiger Gewinnsprung hat Daimler einen glänzenden Jahresauftakt beschert. Dank des guten Absatzwachstums der Mercedes-Modelle werden die Verluste der Truck-Sparte mehr als ausgeglichen.