25. März 2016

Rückruf für Touareg und Cayenne VW erhält Aufschub von US-Gericht

Der VWTouareg muss in die Werkstatt
Der VWTouareg muss in die Werkstatt © VW

Ein US-Gericht hat VW einen Aufschub bis zum 21. April gewährt, bis zu denen der Konzern eine technische Lösung für vom Abgasskandal betroffene Fahrzeuge präsentieren muss. Doch der Konzern hat neue Probleme:Weltweit müssen 800.000 VW Touareg und Porsche Cayenne zurückgerufen werden.




Etwas mehr Zeit, aber auch deutlich mehr Druck: Volkswagen bekommt im US-Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte einen Aufschub bis zum 21. April - doch dann muss der Konzern dringend eine Lösung liefern. In Deutschland verzögert sich der Passat-Rückruf derweil weiter, wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag erfuhr. Auch abseits des Abgas-Skandals gibt es Ärger - Hunderttausende Wagen müssen wegen Pedalproblemen in die Werkstätten.

«In Anbetracht der Fortschritte werde ich den Streitparteien Zeit bis zum nächsten Treffen geben», erklärte der für Hunderte Zivilklagen in den USA zuständige Richter Charles Breyer bei einer Anhörung in San Francisco. Er machte aber klar, dass seine Geduld begrenzt ist und drohte harte Konsequenzen an. Breyer hatte dem Autohersteller und der US-Umweltbehörde EPA im Februar ein Ultimatum bis Donnerstag gesetzt, das nun noch einmal verlängert wurde.


Detailierte Lösungen gefordert

Der Richter fordert «spezifische und detaillierte» Vorschläge für einen Plan zur Umrüstung oder zum Rückkauf der etwa 580.000 Diesel, die in den USA von der Affäre um manipulierte Emissionswerte betroffen sind. Er sagte deutlich, dass er die Fahrzeuge nicht länger auf US-Straßen sehen will. Sollte die Frist nicht eingehalten werden, könnte er unter Androhung von Strafen anordnen, die Autos aus dem Verkehr zu ziehen. Breyer drückt aufs Tempo - ab sofort will er im Wochentakt über den Verhandlungsstand informiert werden.

«Volkswagen ist bestrebt, die Untersuchungen der US-Behörden zur Diesel-Thematik so schnell wie möglich beizulegen», teilte der Konzern nach der Anhörung mit. «Dabei machen wir Fortschritte.» VW-Anwalt Robert Giuffra beteuerte, der Konzern arbeite «rund um die Uhr» an einer Lösung.

Rückruf für Cayenne und Touareg

Auch in der Heimat kämpft der deutsche Autobauer mit Problemen. Der Start der ersten großen Diesel-Rückrufwelle verzögert sich weiter. «Die Gespräche und Messungen werden nach Ostern fortgesetzt», sagte ein Konzernsprecher der dpa in Hannover. VW wartet seit knapp vier Wochen auf die Freigabe des Rückrufs durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Die Aktion umfasst in Deutschland neben rund 160.000 VW Passat auch knapp 90.000 Fahrzeuge von Audi und Skoda. Das KBA wollte dies zunächst nicht kommentieren. Um den betroffenen Autos in den Werkstätten die benötigte neue Software aufspielen zu können, ist eine Freigabe des KBA nötig. Dem Vernehmen nach sind mögliche höhere Kraftstoff-Verbrauchswerte der Grund für die Verzögerungen beim Rückrufplan.

Mitten im VW-Abgas-Skandal rufen Volkswagen und die Konzerntochter Porsche weitere rund 800.000 Fahrzeuge zurück, davon etwa 88.000 in Deutschland. Die baugleichen Modelle der Typen VW Touareg und Porsche Cayenne würden wegen eines möglicherweise gelösten Sicherungsrings am Lagerbock der Pedalen in die Werkstätten geordert, teilten die Unternehmen mit. Betroffen seien weltweit 390.000 Touareg und 410.000 Cayenne der Baujahre 2011 bis 2016.

Erst am Mittwoch hatte VW bestätigt, dass wegen Problemen an der Zentralelektrik weltweit 177.000 Passat der Baujahre 2014/2015 zurückgerufen werden, davon rund 63.000 Exemplare in Deutschland. Beide Rückrufe haben nichts mit «Dieselgate» zu tun. (dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Unternehmen



Mehr zur Marke VW

Christian Senger, Leiter Elektromobilität VW«Fahrer eines E-Autos müssen von Maut befreit werden»

Volkswagen will bis zum Jahr 2025 eine Million Elektroautos absetzen. Doch noch ist die Nachfrage verhalten. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, darüber sprach die Autogazette mit Christian Senger, dem Leiter der Baureihe Elektromobilität.


Strafanzeigen gegen sechs VW-Manager4,3 Milliarden Dollar: Volkswagen einigt sich mit US-Behörden

Volkswagen legt in den USA die Abgas-Affäre zu den Akten. Nach den Vergleichen bei den Zivilklagen kam am Mittwoch auch eine teure Einigung mit der US-Justiz zustande.


Über rund 4,3 Milliarden DollarVW handelt Vergleichsentwurf mit US-Behörden aus

Volkswagen steht im Zuge des Abgasskandals vor einer Einigung mit den US-Behörden. Die am Konzern beteiligte Porsche SE rechnet mit einer hohen Belastung für das eigene Geschäftsjahr.



Mehr aus dem Ressort

Donald Trump ermahnt nach GM und Ford nun Toyota
Produktion für den WeltmarktBMW von Trumps Strafzoll- Drohungen unbeeindruckt

BMW reagiert gelassen auf die Drohungen des kommenden US-Präsidenten Donald Trump wegen Strafzöllen. Die in Mexiko produzierten Fahrzeuge seien für den Weltmarkt bestimmt, so der Autobauer.


Takata
Streit um defekte AirbagsTakata schließt Vergleich mit US-Justiz

Die US-Justiz hat sich mit dem Autozulieferer Takata auf einen Vergleich geeinigt. Zudem wurdem im Zusammenhang mit dem Airbag-Debakel drei Strafanzeigen gegen Manager des Unternehmen gestellt.


Sergio Marchionne neu Aufmacher dpa
Fiat-Chef Marchionne zu Manipulationsvorwurf«Wer uns mit VW vergleicht, hat etwas Illegales geraucht»

Fiat Chrysler weist den Vorwurf der Abgasmanipulation zurück und weist zugleich Vergleiche mit VW zurück. "Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht", sagte Konzernchef Marchionne.