4. November 2015

Von Nox bis CO2 Diese Schadstoffe kommen aus dem Auspuff

Welche Schadstoffe kommen aus dem Auspuff?
Welche Schadstoffe kommen aus dem Auspuff? © dpa

Erst Stickoxide, nun CO2. Der Abgasskandal bei Volkswagen weitet sich aus. Doch was bedeuten die einzelnen Stoffe, die aus dem Auspuff kommen. Wir stellen sie im Überblick vor.




Einige Autoabgase schädigen die Gesundheit, andere das Klima oder die Natur. Nachdem der VW-Skandal zunächst lungenschädliche Stickoxide in die Schlagzeilen gerückt hat, musste der Autobauer nun auch Unregelmäßigkeiten bei den CO2-Werten einräumen. Doch was bedeuten die verschiedenen Schadstoffe genau. Wir listen sie auf.


Stickoxide (NOx):

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Besonders gefährdet sind Asthmatiker. Sie können aber auch Herz- und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter und führen zur Überdüngung sowie Versauerung der Böden.

Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahen Ozon bei. Technisch lassen sich NOx mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer noch Reste an NOx übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger - er gelingt etwa durch Einspritzung einer Harnstofflösung in den Abgasstrom.

Unter den NOx ist nur das Lachgas (Distickstoffmonoxid/N2O) bedeutend für den Treibhauseffekt. Es schadet in den vorliegenden Konzentrationen der Gesundheit nicht. Lachgas stammt vor allem von Feldern mit viel künstlichem Stickstoffdünger. Das derzeit bedeutendste NOx ist das Stickstoffdioxid (NO2).

NO2-Grenzwerte Luft:

«Stickstoffdioxid (NO2), das vor allem aus KFZ-Abgasen stammt, entwickelt sich zum Schadstoff Nummer eins», schreibt das Umweltbundesamt (UBA). 2014 überschritt demnach die NO2-Konzentration an mehr als der Hälfte der Messstationen an stark befahrenen Straßen den Jahresmittel-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dann müssen Behörden mit Luftreinhalte-Plänen für eine NO2-Verminderung sorgen. Zudem kann die EU-Kommission ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren einleiten, das zu Strafzahlungen führen kann. Derzeit läuft laut UBA gegen Deutschland ein solches Verfahren wegen Überschreitung des Jahresgrenzwertes. Auch Bürger können Behörden auf Einhaltung der Grenzwerte verklagen.

NOx-Grenzwerte Auto:

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro Kilometer (mg/km) für Diesel- und 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich und die Vorschriften können je nach US-Staat abweichen.

Ozon (O3):

NOx bilden bei Sonnenlicht zusammen mit organischen Substanzen und Sauerstoff Ozon. Da der Autokatalysator und entsprechende Techniken in Kraftwerken zur Reduktion von NOx in der Luft führten, haben auch die Ozonspitzenwerte abgenommen. Die durchschnittliche O3-Belastung nahm jedoch zu - vor allem weil Autos weniger Stickstoffmonoxid (NO) ausstoßen und dies nachts Ozon abbaut. Ozon reizt Schleimhäute, Augen und Lungen. Es kann zu Atemwegsbeschwerden führen. Besonders gefährdet sind wie bei NO2 Asthmatiker, aber auch Arbeiter sowie Sportler im Freien und Kinder mit ihrem hohen Stoffumsatz.

O3-Grenzwerte Luft:

Erreicht die Ozon-Konzentration eine Stunde lang 180 Mikrogramm oder mehr pro Kubikmeter Luft, müssen Landesbehörden etwa über Radiosender die Menschen darüber informieren und angeben, was zu tun ist. So sollten Menschen, die empfindlich auf Ozon reagieren, auf anstrengende Tätigkeiten im Freien zu verzichten. Ab der Alarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter gilt dies für die gesamte Bevölkerung.

Feinstaub

Diese winzigen Partikel entstehen entweder direkt in Automotoren, Kraftwerken, der Industrie oder beim Zigarettenrauchen oder indirekt durch Stickoxide und andere Gase. Die feinen Partikel gelangen in die Lunge und dringen sogar in den Blutkreislauf ein. Sie können zu Entzündungen der Atemwege führen, aber auch zu Thrombosen und Herzstörungen. Der Feinstaub-Ausstoß war insbesondere in der DDR sehr hoch und ist in Deutschland seit 1985 deutlich gesunken.

Feinstaub-Grenzwerte Auto:

Viele Städte haben Umweltzonen eingerichtet, um ihre Feinstaubwerte zu senken. In diese dürfen nur Autos mit grüner (selten auch gelber) Plakette fahren. Die Plaketten gibt es nur für Autos, die gewisse Abgasstandards einhalten - was aber nahezu alle Neuwagen der vergangenen Jahre tun. Die Umweltzonen seien ein wichtiges Instrument gewesen, um Feinstaub in großen Städten zu verringern, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger vor einiger Zeit. Nun sei eine Verkehrspolitik erforderlich, die weg vom Kraftfahrzeug führe und hin zu Bussen, Bahnen oder Fahrrädern.

Grüne Plakette

Die Grünen Plaketten zielten vor allem darauf ab, die Feinstaubemissionen zu senken. Momentan bereitet nach UBA-Angaben aber besonders der NO2-Ausstoß Probleme. Hier helfen die bisherigen Plaketten laut UBA wenig, da Diesel-Pkw auch mit einer grünen Plakette noch erhebliche Mengen an Stickoxiden emittierten.

Kohlendioxid (CO2):

Es ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach UBA-Angaben rund 17 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland - hier spielt Kohlendioxid die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und einen stark zunehmenden Transport per LKW. So sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen.

CO2-Grenzwerte Auto:

Im Jahr 2015 müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer erreichen. Im Jahr 2021 sind dann nur noch 95 Gramm erlaubt. In den USA liegen die CO2-Grenzwerte geringfügig höher. Die Vorgabe der US-Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 Gramm pro Kilometer vor. Bis 2025 sinkt dieser Grenzwert sukzessive auf rund 89 Gramm pro Kilometer. Einzelne Staaten können aber strenger sein. (dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Unternehmen



Mehr zur Marke VW

Richter billigt Milliarden-VergleichVW nimmt nächste Hürde im Dieselskandal

Der Autobauer VW hat bei der Aufarbeitung des Dieselskandals die nächste Hürde genommen. Ein US-Bundesrichter billigte einen Milliarden-Vergleich mit dem US-Justizministerium zur Beilegung strafrechtlicher Ermittlungen.


Abnahmefahrten in SüdafrikaNeuer VW Polo: Der Kleine probt den Aufstand

Der Golf ist der Bestseller bei Volkswagen. Daran wird sich auch nichts ändern. Obwohl: der neue Polo rückt jetzt ein Stück näher an seinen größeren Bruder heran. Das liegt besonders an einer Gemeinsamkeit.


Aktien schnellen nach obenVW-Kernmarke beschert Gesamtkonzern hohen Quartalsgewinn

Ausgerechnet die von der Diesel-Affäre belastete Kernmarke hat dem Volkswagen-Gesamtkonzern einen unerwartet hohen operativen Gewinn nach dem ersten Quartal beschert. Der erfolgreiche Marktstart des Tiguan gilt dabei als einer der Gründe für den Anstieg.



Mehr aus dem Ressort

Dieter Trzaska, Chef von Lada-Deutschland
Beschwerlicher Weg zum neuen Image«Lada wird immer Lada bleiben»

Lada will mit einem neuen Image nicht nur Förster und Gewerbetreibende in Deutschland erreichen. Im Gegensatz zur Stiefschwester Dacia bemüht sich die russische Marke dabei um Eigenständigkeit gegenüber den Anteilseignern der Renault-Nissan-Allianz.


Das Tesla Model S soll bis zu 550 Kilometer rein elektrisch zurücklegen.
Defekt an StandbremseTesla ruft weltweit 53.000 Autos zurück

Tesla ruft weltweit 53.000 Fahrzeuge in die Werkstätten zzurück. Der Grund: Bei der Standbremse kann es möglicherweise zu einem Defekt kommen. Ein Sicherheitsrisiko soll das aber nicht darstellen.


Produktion in ChinaVolvo kündigt erstes Elektroauto für 2019 an

Der schwedische Autobauer Volvo hat die Markteinführung seines ersten Elektroautos für 2019 angekündigt. Produziert werden soll das Fahrzeug in China, wie der Hersteller auf der Automesse in Shanghai bekannt gab.