24. November 2006

Saab forciert Einsatz von Bioethanol

Der Saab 9-5 2.3t
Der Saab 9-5 2.3t © Foto: Werk

Der schwedische Autobauer Saab setzt verstärkt auf den Einsatz von Bioethanol bei seinen Fahrzeugen. Das Treibhausgas CO2 kann durch den Einsatz dieses alternativen Kraftstoffes deutlich reduziert werden.




Von Frank Mertens

Schweden hat die Konsequenzen aus der kommenden Energieknappheit bereits gezogen. So wollen sich die Skandinavier bis zum Jahr 2020 unabhängig von fossilen Brennstoffen machen. Die schwedische Regierung setzt zur Erhaltung der Mobilität zukünftig auf erneuerbare Energien.


Erwartungen an die Politik

Dabei kommt dem Bioethanol, einem aus Biomasse erzeugten Kraftstoff, große Bedeutung zu. Allein in Schweden waren im zurückliegenden Jahr mehr als 22.000 sogenannte Flexible Fuel Vehicles (FFVs), also Fahrzeuge, die mit Benzin als auch Bioethanol betankt werden können, unterwegs. Damit der Trend auch in Deutschland zu Bioethanol als alternativen Kraftstoff geht, versucht der schwedische Autobauer Saab das Thema voranzubringen.

Dabei hofft Willi Fey, Geschäftsführer von Saab Deutschland, auf die Unterstützung der Politik. So plant die Bundesregierung die Einführung eines Biokraftstoffquotengesetzes, das die Quote der Mindestbeimischung von Biokraftstoffen zu Benzin und Diesel regelt. Daneben sollen Biogas und Bioethanol bis 2015 steuerbegünstigt bleiben. Hierzu soll im Bundesrat noch an diesem Freitag eine Entscheidung fallen. «Wenn es hierzu grünes Licht seitens der Politik gibt, steht einem Ausbau der Infrastruktur nichts im Weg», sagte Fey.

Lückenhaftes Tankstellennetz

Die Rückansicht des Saab 9-5 2.3t
Die Rückansicht des Saab 9-5 2.3t © Foto: Werk

Das Tankstellennetz mit Bioethanoltankstellen ist bundesweit noch lückenhaft. So gibt es derzeit nur insgesamt 73 Bioethanoltankstellen, darunter sind 39, bei denen Bioethanol E85 getankt werden kann. Im Vergleich: In Schweden gibt es bislang 500 E85-Tankstellen, bis zum Jahr 2008 sollen es 800 werden.

Mit Blick auf die Tankstellensituation in Deutschland stellt Fey fest, dass die bundesweit 200 Tankstellen von Oil sukzessive umgerüstet werden sollen. Die Abkürzung E85 bedeutet übrigens, dass der Kraftstoff hier zu 85 Prozent aus Bioethanol und zu 15 Prozent aus Benzin besteht. Der Vorteil der Bioethanolfahrzeuge liegt unter anderem darin, dass sie neben Bioethanol auch zu 100 Prozent mit Benzin betankt werden können. Darüber hinaus erhöht sich das Leistungsspektrum der Motoren durch die Betankung mit E85 deutlich. So ist der Saab 9-5 2.0t dank der Betankung mit E85 mit 180 PS statt mit 150 PS und der 9-5 2.3t mit 210 statt mit 185 PS unterwegs. Zugleich bedeutet dies aber auch eine 30-prozentige Erhöhung des Verbrauchs.

Aus Kostengründen spielt das für den Kunden derzeit nur eine nachgeordnete Rolle, da der Liter E85 derzeit rund 82 bis 89 Cent kostet. Mit Blick auf die weiter steigenden Benzinpreise dürfte die Differenz noch größer werden. Mit Blick auf den CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer liegt ein Bioethanol-Fahrzeug ebenfalls höher als ein Benziner. Ausweislich der technischen Daten liegt er beim 2.0t Benziner bei 218 CO2 g/km, beim Bioethanol angetriebenen 2.0t BioPower bei 251 CO2 g/km. Bedenkt man, dass sich die europäischen Autobauer bis zum Jahr 2008 verpflichtet haben, für ihre gesamte Modellpalette den Ausstoß auf 140 CO2 g/km zu reduzieren, ein hoher Wert.

CO2 wird absorbiert

Die Seitenansicht des Saab 9-5 2.3t
Die Seitenansicht des Saab 9-5 2.3t © Foto: Werk

Doch bei dem Vergleich ist zu bedenken, dass durch den Anbau der für die Produktion von Bioethanol erforderlichen Biomasse CO2 absorbiert wird. Zwar entsteht letztlich keine ausgeglichene CO2-Bilanz, dafür aber eine deutliche Reduktion. Legt man beispielsweise in einem Mittelklassefahrzeug mit Benzinantrieb 100 km zurück, dann fallen während der kompletten Produktion für den Kraftstoff rund 26 kg CO2 an. «Bei einem Fahrzeug, das mit E85 betankt wird, sind es nur noch rund 8 kg», sagte Boris Hinz von der CropEnergies AG, die in Zeitz die größte Bioethanol-Anlage Europas betreibt.

Unter Klimagesichtspunkten ist der Einsatz von Bioethanol ohne Frage ein Schritt in die richtige Richtung, wie Sven Gärtner vom Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg der Autogazette sagte. «CO2 trägt maßgeblich zur Klimaerwärmung bei. Entsprechend ist jede Reduktion dieses Treibhausgases zunächst einmal zu begrüßen», sagte Gärtner. Einschränkend fügte er jedoch hinzu, dass die Erzeugung von Bioethanol beispielsweise durch Zuckerrüben problematisch sei, da «der Anbau nicht verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien entspricht.»

Lachgas wird freigesetzt

Darüber hinaus müsse man beim Anbau auch immer bedenken, dass durch den Einsatz von so genanntem Stickstoffdüngemittel Lachgas (N2O) freigesetzt werde, was wiederum klimaschädigende Einflüsse nach sich ziehe. «Je größer die Anbaufläche, umso größer ist folglich die Freisetzung an Lachgas.»

Gärtner weist zudem darauf hin, dass es weitaus sinnvoller wäre, Bioenergieträger zur Erzeugung von Strom als für alternativen Kraftstoff einzusetzen. «Hier wären die ökologischen Vorteile noch weitaus höher.» Dass die Autohersteller Modelle mit 180 PS und mehr für den Einsatz mit Bioethanol anbieten und dann auf die positiven Umweltaspekte hinweisen, ist für Gärtner nur schwer zu verstehen. «Wenn man wirklich der Umwelt etwas Gutes tun will, dann müssten Kleinwagen angeboten werden, die mit Bioethanol betankt werden dürfen. Hier wäre der Ausstoß der CO2-Emissionen pro gefahrenem Kilometer dann auch deutlich geringer.»



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Politik



Mehr aus dem Ressort

Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt.
Zugeständnis bei KoalititonsverhandlungenGrüne verabschieden sich vom Aus für Verbrennungsmotor 2030

Die Grünen haben sich vom Aus für den Verbrennungsmotor im Jahr 2030 verabschiedet. Parteichef Özdemir sagte, dass man dieses Enddatum allein nicht durchsetzen könne. Kritik kommt von Greenpeace.


Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt
Jamaika-VerhandlungenCSU lehnt nicht nur Diesel-Fahrverbote ab

Die Verhandlungen für eine Jamaika-Koalition gehen in die nächste Runde. Die CSU lehnt dabei nicht nur ein Dieselfahrverbot ab, sondern auch einen Zulassungsstopp für Verbrenner.


Am 1. Oktober war Paris autofrei
Keine Fahrverbote geplantFrankreich terminiert Ende der Verbrennungsmotoren

Dass in Frankreich im Jahr 2040 kein Verbrennungsmotor mehr über die Straßen knattern soll, ist bekannt. In Paris wurden nun die Daten für die Vorlaufzeit terminiert.