20. Januar 2009

Fiat steigt bei Chrysler ein Partner gefunden

Der Fiat 500 soll kostengünstig in den USA angeboten werden können
Der Fiat 500 soll kostengünstig in den USA angeboten werden können © Foto: Fiat

Fiat sucht schon länger nach einem Partner, um gut gerüstet in die Zukunft zu gehen. Jetzt sind die Italiener eine Kooperation mit einem Hersteller eingegangen, der selber ums Überleben kämpft.


Der italienische Autobauer Fiat und der notleidende US-Hersteller Chrysler haben eine Kooperation vereinbart. Beide Hersteller unterzeichneten eine entsprechende vorläufige Vereinbarung, wie Chrysler am Dienstag am Sitz in Auburn Hills im US-Bundesstaat Michigan mitteilte. Beide Hersteller leiden gegenwärtig stark unter der Talfahrt am Automarkt und der Konjunkturkrise.

Fiat bezahlt den Anteil den Angaben zufolge nicht mit Bargeld. Stattdessen bekommt Chrysler Zugang zu Fiat-Technologie für den Bau vor allem von Kleinwagen. In einem ersten Schritt soll Fiat bis Mitte des Jahres 35 Prozent an Chrysler zu übernehmen.

Aufstockung auf 55 Prozent denkbar

Zusätzlich verhandelten die beiden Autobauer über eine spätere Aufstockung auf sogar 55 Prozent. Eine Ankündigung der Partnerschaft stehe unmittelbar bevor und könne noch an diesem Dienstag erfolgen. Im Zentrum der Kooperation stünden Klein- und Mittelklassewagen, hieß es übereinstimmend in mehreren Medien. Die beiden Konzerne äußerten sich zunächst nicht.

Beide Hersteller leiden derzeit massiv unter der Talfahrt am Automarkt und der Konjunkturkrise. Chrysler ist nach General Motors und Ford der kleinste der drei großen US-Autobauer. Der Hersteller ist derzeit nur mit Hilfe von Notkrediten der US-Regierung überlebensfähig und sucht dringend Partner. Zuletzt liefen Gespräche mit dem japanischen Hersteller Nissan.

Kostengünstige Expansion in die USA

Chrysler gehört zu gut 80 Prozent dem US-Finanzinvestor Cerberus, die restlichen knapp 20 Prozent hält noch der deutsche Daimler-Konzern. Daimler wollte den Anteil zuletzt schnellstmöglich verkaufen, konnte sich aber mit Cerberus beim Preis nicht einigen.

Fiat könnte sich über die Kooperation den US-Markt vor allem für seine Klein- und Mittelklassewagen erschließen, so die Berichte. Die Italiener suchen bereits seit längerem nach einer Möglichkeit zur kostengünstigen Expansion in den USA. Dabei gehe es unter anderem um den Fiat 500 sowie um die Traditionsmarke Alfa Romeo. Fiat wolle seine Autos über das Chrysler-Netz verkaufen.

Aktienhandel ausgesetzt

Chrysler würde den Plänen zufolge im Gegenzug die Plattformen und die Technik von Fiat nutzen und auf dieser Basis Autos unter dem eigenen Namen anbieten. Bei kleineren Autos hat der US-Autobauer kaum etwas zu bieten. Die Amerikaner setzten lange Zeit vor allem auf große und wenig sparsame Wagen. Die Verkaufszahlen brachen bei Chrysler im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent ein.

Nach den Berichten ist die Aktie des italienischen Autobauers an der Mailänder Börse am Dienstag vom Handel ausgesetzt worden. Der Schritt sei «in Erwartung einer Mitteilung» erfolgt, hieß es. Fiat habe auf die Frage nach dem Einstieg mit dem klassischen «Kein Kommentar» geantwortet, was aber als ein «Nicht-Dementi» gelesen werden müsse, meinte die römische «La Repubblica» am Dienstag.

Gespräche mit Peugeot dauern an

Allerdings sei gleichzeitig der Dialog zwischen Fiat und dem französischen Hersteller Peugeot über eine mögliche Fusion noch ganz und gar nicht abgeschlossen. Ob eine Fiat-Ankündigung noch am Dienstag kommen könnte, war nach italienischen Medienberichten zunächst offen, zumal sich der Verwaltungsrat des Unternehmens am Donnerstag trifft.

Beide Hersteller leiden gegenwärtig stark unter der Talfahrt am Automarkt und der Konjunkturkrise. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte unlängst erklärt, er stehe vor dem schwierigsten Jahr seines Lebens, es würden wohl nur sechs Autokonzerne die Krise überstehen können. (dpa)


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