21. Juni 2017

Auf Druck von Anteilseignern Uber-Chef Kalanick gibt Amt nach massiver Kritik auf

Uber-Chef Travis Kalanick tritt von seinem Amt zurück.
Uber-Chef Travis Kalanick tritt von seinem Amt zurück. © dpa

Eigentlich wollte sich Uber-Chef Travis Kalanick nur eine Auszeit nehmen. Doch nun ist der Manager nach massiver Kritik von seinem Amt zurück getreten.




Uber-Chef Travis Kalanick hat nach einer Serie von Skandalen die Spitzenposition bei dem Fahrdienst-Vermittler aufgegeben. Der Mitgründer werde aber weiterhin Mitglied im Verwaltungsrat bleiben, teilte das Aufsichtsgremium am Mittwoch mit. Der Rücktritt gebe Uber Freiraum, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zuvor hatte die «New York Times» berichtet, fünf führende Anteilseigner von Uber hätten einen sofortigen Rückzug Kalanicks gefordert.

Kalanick hatte vergangene Woche eine unbefristete Auszeit genommen, nachdem im Zuge einer Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung bei Uber massive Veränderungen beschlossen wurden, die seine Vollmachten beschneiden sollten. Er trauert derzeit um seine bei einem Bootsunfall ums Leben gekommene Mutter.


Forderungen der Investoren akzeptiert

«Ich liebe Uber mehr als alles andere auf der Welt und in diesem schwierigen Moment in meinem persönlichen Leben habe ich die Forderung der Investoren akzeptiert, beiseite zu treten, damit Uber wieder zum Aufbauen zurückkehren kann, statt durch einen weiteren Kampf abgelenkt zu werden», zitierte die «New York Times» Kalanick. Der Verwaltungsrat bezeichnete den Rückzug als Zeichen von Kalanicks Hingabe für Uber.

Die Rücktrittsforderung an Kalanick kam der «New York Times» zufolge von den Investmentfirmen Benchmark, First Round Capital, Lowercase Capital, Menlo Ventures und Fidelity Investments. Uber nahm Milliarden bei Investoren ein und war bei diesen Geldspritzen laut Medienberichten mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet worden - ein Rekord für ein Start-up.

Der langjährige Firmenchef, der die umstrittene Unternehmenskultur und die aggressive internationale Expansion geprägt hat, hatte bislang betont, dass er die Führungsrolle behalten und als besserer Manager und Mensch aus der Auszeit zurückkehren wolle. Uber und Kalanick waren in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck geraten. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von Sexismus und sexueller Belästigung berichtete, die trotz Beschwerden folgenlos geblieben seien. In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen und Dutzende weitere in Schulungen geschickt worden. Jetzt sollen neue Strukturen und Kontrollmechanismen geschaffen werden, um solche Fälle zu verhindern.

Unter anderem sollen nach Empfehlungen einer Untersuchungskommission unter Führung des ehemaligen US-Justizministers Eric Holder Beschwerden von Mitarbeitern über das Arbeitsklima besser dokumentiert und mehr Frauen in der Auswahl für Führungspositionen berücksichtigt werden. Zudem wird der Konsum von Alkohol bei Firmenpartys eingeschränkt. Die 13 Seiten langen Empfehlungen offenbarten auch das Ausmaß der Mängel in Ubers Unternehmensführung. (dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Unternehmen



Mehr aus dem Ressort

Der Polestar 1 kommt 2019 auf den Markt
Erste Modelle ab 2019Volvo setzt Polestar unter Strom

Volvo elektrisiert seinen sportlichen Ableger Polestar. Mit dem Polestar 1 startet die Tuning-Tochter des schwedischen Autoherstellers in eine elektrische Zukunft. Zwei weitere Modelle stehen bereit.


Daniela Gerd tom Markotten übernimmt die Moovel-Führung von Jörg Lamparter
Lamparter rückt aufChefwechsel bei Daimler-Tochter Moovel

Daniela Gerd tom Markotten folgt im November Jörg Lamparter auf den Chefsessel von Moovel. Der langjährige Chef der Daimler-Tochter übernimmt die Mobility Services des Mutterkonzerns.


Defekte Kabel in der LenksäuleDaimler startet millionenfachen Rückruf

Daimler beordert mehr als eine Million Fahrzeuge verschiedener Baureihen in die Werkstätten. In Deutschland sind mehrere 100.000 Autos betroffen.