6. Juli 2016

Fahrbericht Briten-Bike in zwei Varianten Triumph Speed Triple: Auf der Überholspur

Die Triumph Speed Triple wird wieder in zwei Varianten angeboten, hier die R.
Die Triumph Speed Triple wird wieder in zwei Varianten angeboten, hier die R. © Triumph

Die Modellüberarbeitung hat der Triumph Speed Triple gut getan. Damit befindet sich das Briten-Bike mindestens auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Wie gehabt werden auch von der neuen Speedy zwei Varianten angeboten.




Die Blicke der Passanten streifen anerkennend über die silbrige Flanke, die Augenbrauen gehen nach oben, nicht selten schließt sich daran ein Gespräch an. Keine Frage, die neue Speed Triple von Triumph ist ein Hingucker und zudem ein stimmiges sowie charakterstarkes Motorrad. Das war die Vorgängerin zwar auch, doch die nun vorgenommenen Modernisierungsarbeiten hieven sie mindestens auf Augenhöhe zur Konkurrenz.

Triumph behält seine Politik bei und bietet die Speedy in zwei Varianten an: eine Basisversion namens S für 12.500 Euro und die aufgepeppte mit dem Kürzel R für 14.200 Euro. . Diese unterscheidet sich von der S-Schwester unter anderem durch ein hochwertiges Öhlins-Fahrwerk, einen roten Heckrahmen, Bugspoiler, Karbonkotflügel, aber auch durch einen Aufpreis von 1700 Euro.


Leichte optische Retuschen

Die Modernisierung fällt zwar nicht sofort ins Auge, doch die Engländer haben fast überall Hand angelegt. Dass die beiden Scheinwerfer wieder neu geformt wurden und sicherlich einige Kritiker auf den Plan rufen – geschenkt. Es wurde aber auch der Motor gründlich überarbeitet und auf 140 PS gebracht, was sich vor allem in mehr Dampf bei niedrigen Drehzahlen äußert. Er erreicht nun mehr als 10.000 Touren (Vorgänger 9.500) und geht feinfühlig und punktgenau ans Gas; man fühlt sich quasi direkt ans Gasgriffkabel angedockt. Die Laufkultur ist dabei extrem geschmeidig, kein Ruckeln, kein Lastwechsel, in jeder Lage steht satter Vortrieb bereit, es gibt keine unkontrollierten Leistungssprünge. Mit einem Testverbrauch von 5,5 Liter auf 100 Kilometer hielt er sich beim Verbrauch zudem vornehm zurück.

Der Sound des Dreizylinders kann sich trotz der Euro-4-Auflagen hören lassen. Er klingt aggressiv, individuell und schont dennoch das Gehör. Streetfighter-Puristen werden sich dennoch im Zubehörhandel mit Kernigerem versorgen. Wir finden es schön, dass Triumph den Mut aufbrachte und entgegen dem allgemeinen Trend – und im Gegensatz zur kleinen Schwester Street Triple – die (etwas leichteren) Auspufftöpfe weiterhin unter der Sitzbank enden lässt.

Hochwertiges Federbein

Das Fahrwerk bietet nicht nur ein hochwertiges und voll einstellbares Öhlins-TTX36-Federbein, sondern auch fünf Fahrprogramme: Rain, Road, Sport, Track und ein frei konfigurierbarer Modus namens Rider. In allen Modi steht die volle Leistung zur Verfügung; es wird „nur“ das Ansprechverhalten verändert. Dies geschieht direkt spürbar, auch während der Fahrt, über den gut erreichbaren Bedienknopf: einfach durchschalten, Gas wegnehmen und Kupplung ziehen. Schlau ist, dass die Modi Track und Rider, bei denen unter Umständen die Helferlein deaktiviert sein können, nach einem erneuten Start wieder zurückspringen auf Sport. Für die flotte Landstraßenhatz ist dieser übrigens voll ausreichend. Die Traktionskontrolle wird jeweils im Rahmen des gewählten Fahrprogramms mehr oder weniger ausgeprägt tätig.

Unterstützt wird das Fahrwerk von Pirelli-Supercorsa-SP-Schlappen, die auch für die Rennstrecke taugen. Das Federbein lässt sich dank zweier gut erreichbarer Drehräder schnell justieren; an der Gabel wird es schon fummeliger, da direkt über den Schrauben der Lenker angebracht ist. Die formidablen Bremsen aus dem Hause Brembo tragen das ihre zu der sportlichen Performance bei, ein wenig gewöhnen muss man sich daran, dass sich der Druckpunkt beim zweiten Zufassen während eines Bremsmanövers leicht verschiebt. Das ABS regelt feinfühliger als noch im Vorgänger; man mag an ihm kritisieren, dass eine Kurvenvariante fehlt. Das gesamte Package vermittelt von Beginn an großes Vertrauen in tiefe Schräglagen.

Mehr Infos auf Display

Seitenansicht der Speed Triple R
Seitenansicht der Speed Triple R © SPX/May

Das übersichtliche und schon bekannte Layout der Armaturen kann nun mit noch mehr Informationen dienen; dazu muss man nur den zweiten neuen Knopf an der linken Armatur drücken. Und ganz außen sorgen Lenkerenden-Spiegel für eine fast uneingeschränkte Sicht nach hinten – die sehen nicht nur stylisch aus, sie taugen auch was. Sehr stylisch kommt auch die kurze Sitzbank mit farblich abgesetzten Nähten daher, die dem Fahrer zwar einen komfortablen Platz offeriert, der Sozia aber weniger. Zudem spritzt im Falle nasser Straßen Regenwasser in nicht geringen Mengen von hinten auf den Rücken des oder der hinten Sitzenden.

Vor allem die exzellente Dosierbarkeit der Gasannahme, der kräftige Motor und das erstklassige Fahrwerk machen die Speed Triple R zur ernstzunehmenden Konkurrenz in dieser Liga – auch wenn andere mehr PS bieten. Auf jeden Fall sollte man sich für die R entscheiden, denn die darin mitverbauten Features lohnen sich nicht nur, sie dürfte auch wesentlich wertstabiler sein, falls man sie irgendwann verkaufen möchte. Und preislich bliebt sie auch noch in einem erträglichen Rahmen. (SP-X)






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