1. März 2017

Bestnoten für Topmodell Triumph Speed Triple RS: Vergebliche Suche nach Kritik

Die Speed Triple RS von Triumph leistet sich keine Schwächen.
Die Speed Triple RS von Triumph leistet sich keine Schwächen. © Triumph

Triumph hat bei der Speed Triple den Hubraum vergrößert. Das Bike der Briten ist nun mit 765 Kubik unterwegs. Bei der von uns getesteten RS, dem Spitzenmodell der Baureihe, verfügt der Dreizylindermotor über 123 PS Leistung.




Der britische Motorradhersteller Triumph hat vor Jahren aus der Not eine Tugend gemacht und sich auf die traditionell englischen Zwei- und Dreizylindermotoren konzentriert. Gerade die Dreizylindermodelle sind zum Synonym für die britische Marke geworden. Den Einstieg in diese britische Triple-Welt vermittelt die seit diesem Jahr dreiköpfige Street-Triple-Familie, allesamt sportliche Landstraßenmotorräder ohne Verkleidung: Das Allround-Basismodell Street Triple S mit 83 kW/113 PS starkem Motor gibt es schon für 8.900 Euro, die besser ausgestattete und 86,5 kW/118 PS starke Street Triple R richtet sich für 10.200 Euro an den ambitionierten Landstraßenfahrer und das Spitzenmodell, die RS mit 90 kW/123 PS starkem Antrieb, wechselt für 11.600 Euro den Besitzer.

Alle drei sind mit einem neuen flüssigkeitsgekühlten Dreizylinder versehen, der aus einem größeren Hubraum von 765 Kubik schöpft – das Vorgängermodell wies 675 Kubik auf. Spezifische Abstimmungen sorgen für den jeweiligen Charakter, der bei der RS auch explizit die Rennstreckeneignung umfasst.


Aggressiver Look bei der RS

Dass die „Streety“ tatsächlich als neues Modell wahrgenommen wird, dafür sorgt ein aggressiverer Look mit zweigeteilter Sitzbank, bei der RS samt sportlicher Soziussitzabdeckung, kantigeren Kunststoffteilen sowie eine neue Bananenschwinge. An den hervorstechenden Doppelscheinwerfern im Stile des Kultmotorrades Speed Triple haben die Entwickler festgehalten, ihnen aber markante LED-Tagfahrleuchten für bessere Sichtbarkeit verpasst.

Vom erstaunlich geräumigen Arbeitsplatz, auf dem sogar lange Kerls gut untergebracht sind, fällt der Blick bei auf ein neues farbiges TFT-Display. Bedient über einen Joystick am linken Lenkerende sind verschiedene Bildschirmdarstellungen bis hin zu einem Laptimer für den Rennstreckenbetrieb verfügbar. Im Display wird auch der jeweilige Fahrmodus angezeigt, der über einen Knopf am linken Lenker gewählt wird. Zur Verfügung stehen Regen, Straße, Rennstrecke und ein frei vom Fahrer konfigurierbarer Modus, die allesamt die volle Leistung bieten und das Ansprechverhalten des Motors, die Abstimmung des ABS und der Traktionskontrolle entsprechend beeinflussen.

Der Dreizylinder in der RS bietet eine gute Leistungsentfaltung
Der Dreizylinder in der RS bietet eine gute Leistungsentfaltung © Triumph

Bei der morgendlichen Fahrt durch das feuchte, neblige Hinterland Barcelonas kann die neue Street Triple zuerst mit ihrer gelungenen Ergonomie und der übersichtlichen Anzeige punkten, später kommt ein geradezu erfrischendes Fahrverhalten hinzu. Leichtfüßig biegt die Britin in enge wie weite Kurven und folgt gedankenschnell den eingeleiteten Lenkimpulsen. Sauber dosierbar hält die Bremse den Vortrieb im Zaum, den der durchzugsfreudige Dreizylinder im Straßen-Modus über ein breites Drehzahlband anbietet. Dabei macht sich die gekürzte Übersetzung der ersten und zweiten Gangstufe positiv bemerkbar, nur der serienmäßig verbaute Quickshifter agiert recht hart und verlangt nach einem energischen Krafteinsatz.

Stimmiges Gesamtpaket

Wie gut das Gesamtpaket aus Fahrwerk und Motor aber wirklich funktioniert, offenbaren erst die Runden auf der weitläufigen MotoGP-Rennstrecke von Barcelona. Hier kann der Dreizylinder seine ganze Drehfreude ausleben, die im Track-Modus ab 8.000 Touren sogar richtig bissig wird. Bis zur Nenndrehzahl von 11.200 U/min prescht der Triple wie der Teufel vorwärts und zeigt damit vierzylinderähnliche Charakterzüge, ohne den typischen Dreizylinder-Druck in der Mitte abgelegt zu haben.

Am Ende der ewig langen Start-Zielgeraden des Circuit de Catalunya stehen unter Gänsehaut verursachendem Ansaugröhren gute 235 km/h auf dem Digitaltacho, bevor die Brembo-Festsattelzangen die Triumph gnadenlos effektiv und exakt dosierbar einbremsen. Fürs perfekte Bremsgefühl haben die Briten eine Radialpumpe mit in der Griffweite und in der Übersetzung einstellbarem Handbremshebel montiert. Die Racetrack-Abstimmung von ABS und Traktionskontrolle ist außergewöhnlich gut gelungen, selbst bei ambitionierten Schnellfahrern wird der Wunsch kaum aufkommen, diese Helferlein abzuschalten.

Bestnoten für Fahrwerk

Bietet dem Fahrer ein gutes Gefühl, die Speed Triple RS
Bietet dem Fahrer ein gutes Gefühl, die Speed Triple RS © Triumph

Nicht minder gut funktioniert das Fahrwerk mit komplett einstellbarer Showa-Gabel und Öhlins-Federbein, die die mit 186 Kilo rund zwei Kilo leichter gewordene Street Triple trotz des teilweise unebenen Asphalts sauber führen. Mit den vorgeschlagenen Einstellungen für die Rennstrecke aus dem Handbuch liegt die Britin satt und sicher auf der Bahn, fährt sich agil und präzise und bleibt selbst bei heftigem Bremsen und Herausbeschleunigen auf Kurs, was auch den griffigen Pirelli-Pneus vom Typ Supercorsa SP zuzuschreiben ist. Doch über allen Einzelaspekten ist es das souveräne Gefühl von Vertrauen, das diese Triumph ihrem Treiber selbst noch beim härtesten Angasen vermittelt – dieses Motorrad überfordert seinen Fahrer nicht, es hilft ihm, Runde für Runde ohne Risiko schneller zu werden.

Echte Kritikpunkte sucht man vergebens, sieht man von dem etwas unglücklich angebrachten Seitenständer und dem rutschigen Sitzbankbezug ab. Denn selbst die für die Street Triple RS verlangten 11.600 Euro gehen da noch als im Wortsinne preiswert durch. (SP-X)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Test



Mehr aus dem Ressort

Die BMW R 1200 RT lässt keine Wünsche offen
Reisetourer mit 125 PSBMW R 1200 RT: Wahre Wonne

BMW hat die R 1200 RT weiter der Perfektion zugeführt. Das seit 39 Jahren existierende Tourenmodell erfüllt dabei jeden Wunsch und verschafft Fahrer und Sozia wahre Wonnen.


Die Energica Eva kostet mindestens 30.000 Euro
E-Motorrad mit 180 NewtonmeternEnergica Eva: Elektrischer Streetfighter

Auch vor den Zweirädern machen die Stärken und Schwächen der Elektromobilität nicht halt. Die Energica Eva fährt den Verbrennern davon, benötigt aber auch viel Ladezeit zu einem extrem hohen Einstiegspreis.


Der Niu schafft rund 50 Kilometer mit einer Ladung
Elektroroller aus ChinaNiu N1S: Emissionsfrei durch die Stadt

Niu hat sich als noch junges Startup gleich an die Spitze der Elektroroller gesetzt. Der N1S sorgt nicht nur für ein reines Gewissen, sondern zudem auch noch für eine Portion Fahrfreude – wenn die Distanz nicht zu lang ist.