Triumph Bonneville Bobber: Tradition verpflichtet

Bonneville T120 als Gen-Spender

Die Triumph Bonneville Bobber verströmt nur äußerlich Retro-Atmosphäre
Die Triumph Bonneville Bobber verströmt nur äußerlich Retro-Atmosphäre © Triumph

Retro ist gerade in der Motorradszene sehr trendig. Triumph taucht die Bonneville Bobber optisch in die Nachkriegsjahre versehen mit zahlreichen Komponenten der technischen Gegenwart.

Triumph zählt zu den ältesten Motorradherstellern der Welt, und Tradition lässt sich heutzutage besonders gut verkaufen – die vielköpfige Retromotorrad-Baureihe Bonneville geht weg wie warme Semmeln. Neben den Klassikern markiert das Customizing, also der Umbau von Serienmotorrädern in weitgehend individualisierte Bikes, den aktuell stärksten Trend.

Das ist beileibe keine neue Entwicklung: Schon im Amerika der Nachkriegsjahre montierten die coolsten Jungs alle unwichtigen Teile ihrer Serienbikes ab und kappten die Kotflügel, als „bobbed Fenders“ bezeichnet, was dieser Motorradgattung den Namen gab. Durch die Gewichtsersparnis hofften sie auf Vorteile bei den beliebten Beschleunigungsrennen. Einer der damaligen Hauptdarsteller: Triumph, da die englischen Bikes leichter und kostengünstiger als die Ami-Eisen waren.

Ungewohnte Luftigkeit durch Einzelsitz

An diese Zeit erinnerten sich die Macher bei Triumph und bieten mit der neuen Bonneville Bobber ein Modell auf, das beide Trends bedient: Der geduckt-kraftvolle Stil gilt seit damals als Fixpunkt in der Custombike-Szene, die authentische Old-School-Optik rührt von der Bonneville-Basis her.

Zahlreiche neue Ideen heben die Bobber aber aus der Retro-Masse hervor und machen aus ihr ein wirklich ungewöhnliches Motorrad. Allem voran verleihen der Einzelsitz im Zusammenspiel mit dem markanten Hardtail-Look der Silhouette eine ungewohnte Luftigkeit, die vorne bullige Triumph wirkt wie nach hinten wie kupiert. Unterstützung kommt von den Speichenrädern, vorne schlank, hinten dagegen dick und fett, dazwischen wird die Optik von einem klassisch-britischen Paralleltwin mit Kühlrippen und zwei knackig-kurzen Schalldämpfern dominiert.

Triumph Bonneville T120 als Gen-Spender

Die Triumph Bonneville Bobber verströmt nur äußerlich Retro-Atmosphäre
Die Bobber drückt kräftig voran Triumph

So originalgetreu der Anblick, so modern die Technik: Der 1200er-Twin mit Flüssigkeitskühlung stammt aus der T120, eine drehmomentorientierte Abstimmung nimmt ihm bei 57 kW/77 PS ein wenig Maximalleistung zugunsten eines fülligeren Drehmomentverlaufs. Zwischen 3000 und 5000 U/min stehen stets über 100 Newtonmeter zur Verfügung, mit denen der Bobber schon ab Standgas und im unteren Drehzahlbereich richtig kräftig voran drückt.

Auch das maximale Drehmoment von 106 Newtonmetern liegt schon bei niedrigen 4000 Touren an und legt eine schaltfaule, durchzugsorientierte Fahrweise nahe. So beschert das Hochdrehen des Aggregats keinen zusätzlichen Schub, auch der akustische Genuss wird nicht erhöht: Die „Slash-Cut“-Peashooter-Doppeltöpfe aus gebürstetem Edelstahl begeistern vor allem in der Drehzahlmitte mit überraschend volltönendem Bobber-Sound.

Triumph Bonneville Bobber mit unkomplizierter Alltagstauglichkeit

Die Triumph Bonneville Bobber verströmt nur äußerlich Retro-Atmosphäre
Übersichtlich ist das Cockpit der Bobber ausgefallen Triumph

Für unkomplizierte Alltagstauglichkeit sorgen ein langer erster Gang und die äußerst leichtgängige Kupplung. Außerdem stehen als moderne Errungenschaft zwei Fahrmodi zur Verfügung, die beide die volle Leistung, aber ein unterschiedliches Ansprechverhalten bieten: Bei Rain geht der Twin zurückhaltender zu Werke, der selbst unter schlechten Bedingungen gut dosierbare Road-Modus dürfte jedoch die erste Wahl sein.

Auch wenn der Augenschein etwas anderes verheißt: Der Fahrkomfort fällt dank gut abgestimmter Federelemente sehr angenehm aus, dazu sitzt es sich durchaus bequem. Die über eine Schiene in Höhe und Neigung verschiebbare Aluminium-Sitzschale lässt dem Piloten die Wahl: Lässig in niedrigen knapp 70 Zentimeter cruisen oder drei Zentimeter näher am Lenker und ein Zentimeter höher aktiver agieren, die Einstellung ist mit einem Schraubenschlüssel in wenigen Sekunden vollzogen.

Letzteres bietet sich für kurvige Strecken an, auf denen die Triumph mit ihrem fahraktiven Charakter punkten kann. Denn anders als viele Custombikes benimmt sich die Bobber handlich und weckt Vertrauen. Trotz des langen Radstands und der hecklastigen Gewichtsverteilung fährt die Britin flott und erstaunlich neutral durch die Ecken – die vom britischen Reifenhersteller Avon speziell für dieses Motorrad entwickelten Cobra-Reifen fördern mit ihrem geringen Eigengewicht die Agilität; außerdem warten sie mit einem überragenden Nassgrip auf.

Bobber bremst amerikanisch

Dem klassischen Konzept angepasst zeigt sich die Bremsanlage mit eher zurückhaltender Wirkung vorn. Wer ordentlich verzögern will, muss den Fußbremshebel aktivieren – der Bobber bremst amerikanisch hinten.

Im Gegensatz zur puristischen Erscheinung fällt die Ausstattung der Britin alles andere als spartanisch aus. Neben der abschaltbaren Traktionskontrolle und einem ABS lässt sich die Neigung des Rundinstruments über einen Schnellverschluss variieren, eine Taste am linken Lenkerende steuert viele Anzeigen im integrierten LC-Display bis hin zur Drehzahl. Getreu dem Customizing-Gedanken offeriert Triumph jede Menge Zubehörteile, die den Bobber-Stil weiter verfeinern. Doch auch die „normale“ Triumph Bonneville Bobber ist schon ein ganz besonderes Motorrad, das den nicht gerade günstigen Preis von 12.500 Euro mit individueller Optik, feinen Detaillösungen, einem durchzugsstarken Antrieb und gelungenem Fahrverhalten zurückzahlt. (SP-X)