18. März 2016

Fahrbericht Britischer Neoklassiker Triumph Bonneville T 120: Smiley inklusive

Die Triumph Bonneville T 120 kostet unter 12.000 Euro.
Die Triumph Bonneville T 120 kostet unter 12.000 Euro. © Triumph

Die Triumph Bonneville T 120 wiegt satte 243 Kilo und hat nur 80 PS. Kann das gutgehen? Es kann, wie unser Fahrbericht mit dem Neoklassiker der Briten zeigt.




Klassischen Stil und zeitgemäße Motorleistung unter einen Hut zu bekommen, das will erst mal geschafft sein. Denn viele Leute, die einen Neoklassiker mögen, sind keineswegs leistungsfeindlich. Zudem wollen sie auch teilhaben am technischen Fortschritt.

Bei der neuen Triumph Bonneville T 120 haben die Engländer ein stimmiges Verhältnis erzielt: Zwar sind 59 kW/80 PS auf dem Papier angesichts von 243 Kilogramm fahrfertigen Gewichts nicht die Welt, doch die verfügbaren 105 Newtonmeter Drehmoment beflügeln Fahrer und Fahrzeug durchaus freudvoll. Und auch technisch ist die Bonneville auf der Höhe: Traktionskontrolle, Antihopping-Kupplung und ein bei Bedarf sauber regelndes ABS zeigen, dass die Engländer ihre neuen Bikes kundenorientiert entwickeln.


An Hubraum zugelegt

33 Prozent mehr Hubraum hat Triumph bei der Bonneville T 120 gegenüber dem vor zwei Monaten präsentierten Einstiegsmodell in die Klassik-Baureihe draufpackt; die Street Twin hat 900, die T 120 deren fette 1200. 80 PS (+ 45 Prozent) beträgt die höchste Leistung, 105 Nm (+ 31 Prozent) gibt Triumph als Drehmomentgipfel an. Dank dieser „Kraft-aus-dem-Keller“-Triebwerksauslegung steht – egal in welchem Gang – praktisch immer reichlich Power zur Verfügung; meist bewegt sich dabei Nadel des dezent gestylten Drehzahlmessers zwischen 2.000 und 4.000 Umdrehungen.

Das Cockpit der Bonnie
Das Cockpit der Bonnie © Triumph

Hohe Drehzahlen bringen trotz des durchaus vorhandenen Drehvermögens nichts außer erhöhtem Verbrauch. Der ist recht niedrig: Trotz häufig flotter Fahrt endete die erste Testfahrt laut Bordcomputer mit einem Verbrauchs-Schnitt von 4,8 Litern pro 100 Kilometer. Angesichts des Tankvolumens von 15 Litern sind an die 300 Kilometer Reichweite gegeben.

Exzellente Arbeit haben die englischen Entwickler nicht nur beim Motor, sondern auch beim leicht und präzise schaltbaren Getriebe, der extrem leichtgängigen Kupplung mit Antihopping-Effekt sowie dem Instrumentarium geleistet: Optisch dezent gestaltet, wie es zu einem modernen Klassiker gehört, sind dennoch sämtliche aktuell wichtigen Funktionen bestens integriert. Dazu gehört auch, dass zwei Fahrmodi (Road, Rain) zur Verfügung stehen, die sich im Ansprechverhalten merkbar unterscheiden und auch die serienmäßige Traktionskontrolle beeinflussen.

Stählerne Schwinge

Stärker auf der klassischen als auf der modernen Seite zu verorten ist das Fahrwerk: Die stählerne Schwinge kostet deutlich Gewicht und die Feder- und Dämpfungselemente sind nicht gerade dazu angetan, die Bonneville T120 „um die Ecken werfen“ zu wollen. Wer die gediegene, souveräne Fahrt auf angenehm gekrümmten Straßen schätzt, ist bestens bedient. Verschärfte Kurvenhatz ist die Sache der Bonnie nicht: Dafür ist auch die Schräglagenfreiheit zu gering. Die sauber verzögernde Dreischeibenbremsanlage mit gut regelndem ABS passt zur Fahrwerksauslegung.
Gut gelungen ist die sehr entspannte Sitzposition, auch die Bedienung (Spiegel, Haupt- und Seitenständer, Lenkerschalter, Bordcomputer etc.) ist absolut auf der Höhe der Zeit.

Wichtig war den Entwicklern aber auch, die neue T 120 in ihrer optischen Wirkung dichter an den Bonneville-Erstling von 1959 heranzubringen, als das beim Vormodell T 100 der Fall war. Das ist gelungen: Tankform, Soziushaltegriff, Scheinwerfer und Details wie die Speichenräder oder auch die Formgebung der Auspuffanlage können absolut überzeugen. Der Wasserkühler, ein Novum für die zuvor luftgekühlte Bonnie, ist so schmal, dass er kaum auffällt. Die polierten Kühlrippen sind nicht nur Show, sondern tragen zur Abführung der Motorabwärme bei.

Preis unter 12.000 Euro

Bietet ein gutes Handling
Bietet ein gutes Handling © Triumph

Ab 11.900 Euro kostet die Bonnie – das ist ein Preissprung von gut 2200 Euro zum Vormodell T 100. Zusätzlich zur Black-Version (in zwei Farbtönen lieferbar) gibt es die metalliclackierte Basisversion sowie zwei wahrhaft klassisch wirkende Zweifarb-Ausführungen. Um den Freunden des klassischen Auftritts genügend Raum zur Individualisierung zu geben, hat Triumph 160 Zubehöroptionen entwickelt. Einige davon sind kombiniert als „Prestige Inspiration Kit“ für 1590 Euro zu haben. Damit lassen sich u.a. Schalldämpfer Tank und Blinker aufwerten. Bereits in wenigen Tagen können sich die Freunde neoklassischer Zweiräder Inspirationen holen: Ab 19. März ist die neue Bonneville T 120 bei den deutschen Händlern.

Dann kann jeder Tester ausprobieren, ob er auch zu jenen gehört, die die Integration des topmodernen LED-Tagfahrlichts in den anmutig geformten Rundscheinwerfer für äußerst gelungen halten und in der halbkreisförmigen Auslegung mit zwei angewinkelten Geraden einen Smiley sehen – eine Interpretation, die unseres Erachtens mit dem vorherrschenden Gesichtsausdruck des Bonneville-Fahrers durchaus konform geht. (SP-X)






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