6. November 2006

Schöpfer des BMW 507 ist tot

Designer und Schöpfung: Albrecht Graf Goertz mit BMW 507
Designer und Schöpfung: Albrecht Graf Goertz mit BMW 507 © Foto: BMW

Unter seinen automobilen Entwürfen sind Legenden. Albrecht Graf Goertz, Designer unter anderem von Datsun 240Z und BMW 507, ist im Alter von 92 Jahren gestorben.




Er sieht aus wie der Urvater aller Sportwagen: Endlos lange Haube, kurvige Formen, die lange vor der Corvette leicht an eine Coca-Cola-Flasche erinnern, dazu ein kurzes Stummelheck für den markanten Abgang. Nicht umsonst gilt der BMW 507 als eins der schönsten Automobile aller Zeiten.


«Traum von der Isar»

Albrecht Graf Goertz, der Mann, der in den Fünfziger Jahren die atemberaubende Form erfand, ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der Designer schon am 27. Oktober in Kitzbühel. Goertz wurde 92 Jahre alt.

In den Dreißigern hatte der Spross eines hannoverschen Adelsgeschlechts Deutschland den Rücken gekehrt und war in die USA ausgewandert. Seinen Schliff erhielt Goertz nach fünf Jahren in der US-Armee und einem Design-Studium von Raymond Loewy, dem herausragenden Vertreter des Industriedesigns der damaligen Zeit. Eins von Goertz' ersten Projekten war das Facelift, das dem Studebaker Champion seine markante, kugelförmig hervorgewölbte «Bullet Nose» verschaffte. Für den Grafen die zweite Arbeit im Automobilbereich, nachdem er schon 1939 autodidaktisch ein Einzelstück auf der Basis eines Ford Mercury geschaffen hatte, den «Paragon».

Zu BMW brachte Goertz der US-Importeur Max Hoffmann. Als dieser mit den Designentwürfen eines angedachten zweisitzigen Sportwagens nicht zufrieden war, brachte er den inzwischen selbstständigen Grafen ins Spiel. Goertz kam - und zeichnete den Klassiker 507. Noch für die gleiche Internationale Automobilausstellung entstand der 503, ein ebenfalls mit Blick auf den US-Markt konzipierter Luxusreisewagen, der als Coupé und Cabrio erhältlich war - die Presse sprach vom «Traum von der Isar».

Rallye-Star made in Japan

Goertz hielt es allerdings nicht mehr bei BMW. Er wendete sich anderen Bereichen des Industriedesigns zu, entwarf unter anderem Kameras für Agfa, Bügeleisen für Rowenta, Schreibgeräte für Mont Blanc - und kehrte in den Sechzigern mit einem ebenfalls Aufsehen erregenden Entwurf in die Automobil-Szene zurück: Der Datsun 240Z war eins der ersten ernst zu nehmenden Sportcoupés made in Japan - und ein wunderschönes noch dazu.

Auch der 240Z zeigte mit langer Haube und kurzem Heckstummel die klassischen Sportwagen-Formen und half zusammen mit seinen Auftritten vor allem bei der afrikanischen Safari-Rallye, die Expansion der Japaner auf den europäischen und amerikanischen Markt emotional aufzuladen. Datsun führte das Design noch bis weit in die Achtziger fort, Goertz wiederum zeichnete für Datsun noch die Silvia, die aber stets im Schatten des 240Z blieb. Auch nach seinem Tod sind die Spuren der gräflichen Arbeit im Automobildesign noch deutlich sichtbar. Nicht zuletzt bei BMW selbst - der von 2000 bis 2003 produzierte Supersportler Z8 orientiert sich deutlich sichtbar an Goertz' 507 aus den Fünfzigern.



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