4. August 2006

Die Vespa: Ein Kultobjekt wird 60

Eine Vespa im Museum in Pontedera
Eine Vespa im Museum in Pontedera © Foto: Werk

Die Vespa ist längst eine Legende. Vor 60 Jahren wurde mit ihr eine neue Fahrzeugkategorie geschaffen: die des Motorrollers. Bis heute wurden von ihr mehr als 17 Millionen Exemplare verkauft.




Von Heiko Haupt

Es ist wohl ein gutes Zeichen, wenn ein Fahrzeug mit einem Kosenamen aus der Tierwelt versehen wird. Ein rundliches Auto aus Wolfsburg wurde Käfer genannt - und schaffte es, das meistgebaute Auto zu werden. Ein kleiner Wagen aus Frankreich bekam den liebevollen Namen Ente und gilt heute als automobile Legende. Doch die Sache funktioniert nicht nur bei vier Rädern: In Italien wurde vor 60 Jahren ein Zweirad geschaffen, das schon vom Hersteller den Namen Vespa, also Wespe, mit auf den Weg bekam - und eine neuartige Fahrzeugkategorie zum Erfolg brachte: den Motorroller.


Mit Flugzeugen begonnen

Man nehme einen Konstrukteur, der eigentlich Hubschrauber entwickeln will, eine vom Krieg ramponierte Fabrik und einen Besitzer, der den Laden wieder in Schwung bringen möchte. Das ist das Rezept, aus dem die Vespa entstand. Im Werk des Enrico Piaggio im italienischen Pontedera wurden im Zweiten Weltkrieg noch Flugzeuge gebaut, doch nach dem Ende der Kämpfe musste etwas anderes her, um wieder Geld in die Kassen zu bringen - zum Beispiel ein einfaches und problemlos zu fahrendes Zweirad.

Den Auftrag zur Entwicklung gab Piaggio an Corradino D'Ascanio. Der war Luftfahrtkonstrukteur - und hatte für Motorräder nicht mehr als abfällige Blicke übrig. Wie es heißt, lässt sich D'Ascanios Meinung über die damals bekannten motorisierten Zweiräder schnell zusammenfassen: schmutzig, unhandlich und gefährlich.

Die Ur-Vespa mit 3,2 PS
Die Ur-Vespa mit 3,2 PS © Foto: Werk

An die Arbeit machte er sich trotzdem. Und im Grunde konnte von Anfang an klar sein, dass dabei nichts herauskam, das an gewöhnliche Motorräder erinnerte. Hinzu kam, dass es in der Nachkriegszeit ohnehin notwendig war, ausgetretene Pfade zu verlassen. So übernimmt bei Motorrädern bis heute die Kette die Aufgabe, Kraft vom Motor auf das Hinterrad zu übertragen. Nur ist so eine Kette aus Metall, das in der Nachkriegszeit teuer und nicht überall zu bekommen war. D'Ascaniao löste das Problem, indem er den Motor einfach am Hinterrad platzierte. Das hatte zusätzlich den Vorteil, dass niemand mit einer glitschigen Antriebskette in Kontakt kommen konnte. Auch bei der Befestigung des Vorderrades ging der Konstrukteur eigene Wege. Es steckte nicht in einer Gabel, sondern hatte eine einseitige Aufhängung, was Montage und Demontage erleichterte.

Sieht aus wie eine Wespe

Die Vespa GTS 250
Die Vespa GTS 250 © Foto: Werk

Seinen Namen erhielt das Gefährt, als Enrico Piaggio die Neuschöpfung zu Gesicht bekam. Mag sein, dass er zunächst auf die massige hintere Hälfte schaute, dann die schmutzabweisende Blechwand an der Front betrachtete und schließlich den schmalen mittleren Bereich in Augenschein nahm. Am Ende jedenfalls soll er den Satz gesagt haben: «Sembra una Vespa» - sieht aus wie eine Wespe.

Dabei blieb es - und im Jahr 1946 wurden die ersten Exemplare fertig. Für Leistungshungrige war die Ur-Vespa nicht die richtige Wahl - immerhin hatte man aus 98 Kubikzentimetern 3,2 PS geholt, was für 60 km/h reichte. Bei der Kundschaft kam die Vespa gut an. Im ersten Jahr wurden rund 2500 Exemplare verkauft, danach produzierte man jährlich fünfstellige Zahlen.

Trotz Karriereknicks verschwand die Vespa nicht von den Straßen. Sie erlebte Comebacks, wurde von Jugendlichen zum Kultobjekt erkoren und machte als pfiffiges Gefährt für überfüllte Städte von sich reden. Bis heute wurden mehr als 17 Millionen Exemplare gebaut - und die Wespentaille hat die Vespa auch im Alter nicht verloren. (dpa)



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