26. Oktober 2015

Tricksern vorbeugen Datenbank soll Tacho-Betrug verhindern

Dem Tachobetrug soll vorgebeugt werden.
Dem Tachobetrug soll vorgebeugt werden. © dpa

Wenn es beim Gebrauchtwagenkauf zu Betrugsfällen kommt, geht es meist um Tricksereien beim Kilometerstand. Doch dieser Massenbetrug soll nun mit einer Datenbank gestoppt werden.




Nirgendwo wird beim Gebrauchtwagenkauf so oft betrogen wie beim Kilometerstand - und der Schaden ist gewaltig. Sechs Milliarden Euro zu viel zahlen laut Jürgen Brauckmann, Bereichsvorstand Mobilität beim TÜV Rheinland, die Käufer der Tacho-frisierten Altautos. Eine repräsentative Studie der Prüfer belegt, dass “mehr als 40 Prozent der Gebrauchtwageninteressenten die Wahrscheinlichkeit der Manipulation als groß bis sehr groß einschätzen“, so der Ingenieur.

Wer etwa einen ein Jahr alten VW Polo kauft, bei dem die Laufleistung um 36.000 Kilometer verringert wurde, zahlt fast 1.200 Euro zu viel. Bei einer Mercedes-Benz E-Klasse, Baujahr 2011, die statt 114.000 per Software-Veränderung nur noch 48.000 Kilometer auf der Uhr hat, sind es gar 5.400 Euro.


Datenbank wird aufgesetzt

Frank Schlein will diesen Massenbetrug ab dem kommenden Jahr stoppen. Der Geschäftsführer Risk Management bei arvato Financial Solutions lässt gerade eine Datenbank aufbauen, in die der Branchenspezialist alle bekannten Kilometerstände eines Fahrzeuges anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) bei Versicherungen, Prüfgesellschaften und weiteren Partnern ermittelt werden. Damit soll dem Tachobetrug vorgebeugt werden.

Dadurch soll künftig für jedes Kraftfahrzeug vom Verkäufer abfragbar sein, welchen Kilometerstand es zu einem bestimmten, gespeicherten Zeitpunkt hatte. „Da der Datenschutz oberste Priorität hat, wird eine solche Lösung nur mit der Einwilligung des Verkäufers möglich sein“, erklärt Schlein.

Wenn die E-Klasse aus dem Beispiel oben also bei 86.000 Kilometern noch beim Tüv oder in der Inspektion war, ist schnell klar, dass die Angaben auf dem Tacho beim Verkauf nicht stimmen können. Schlein geht davon aus, dass Käufer künftig beim Händler gezielt nach solchen sogenannten Kilometerzertifikaten fragen werden - und ohne Tacho-Check keinen wertvollen Gebrauchten mehr erwerben. In Belgien etwa gibt es mit dem sogenannten Car-Pass bereits ein solches Mittel gegen die Tacho-Trickser. Seit dessen Einführung sind neue Fälle von Tachomanipulation von jährlich 60.000 auf 1.239 im vergangenen Jahr zurückgegangen. (SP-X)



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