19. August 2016

Zahl der Unfälle steigt Sicherheitsrisiko Stauende: Darauf sollten Sie achten

Ein Lkw ist in ein Stauende gerast.
Ein Lkw ist in ein Stauende gerast. © dpa

Am Donnerstag ist wieder ein Lkw in ein Stauende gerast. Ein Mensch kam dabei ums Leben, zwei wurden schwer verletzt. Ein Grund dafür ist ein zu geringer Abstand und die Übermüdung des Fahrers.




Gerade in den zurückliegenden Wochen ist es auf Deutschlands Autobahnen vermehrt zu tödlichen Unfällen gekommen, weil Lastwagen in ein Stauende gerast sind. Zuletzt ereignete sich ein Unfall am gestrigen Donnerstag auf der A61 in der Nähe von Koblenz ein tödlicher Unfall: ein Autofahrer kam ums Leben, zwei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Ein Lastwagen war am Ende eines Staus ungebremst in ein Wohnwagen-Gespann hineingerast, wie die Autobahnpolizei in Emmelshausen mitteilte.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Camping-Wagen samt Auto auf einen bereits stehenden Lastwagen geschoben. Dabei wurde der 58 Jahre alte Fahrer in dem völlig zerstörten Wrack eingeklemmt und so schwer verletzt, dass er kurz darauf im Krankenhaus starb. Seine 54 Jahre alte Frau erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Der 45 Jahre alte Lastwagenfahrer wurde leicht verletzt.


Ablenkung und Übermüdung als Ursache

Wie der ADAC mitteilte, seien diese Unfälle keine Seltenheit, wie der Blick auf die amtliche Statistik des Jahres 2014 zeige. So waren rund 60 Prozent der tödlichen Unfälle mit Lkw-Fahrern als Hauptverursachern Zusammenstöße mit vorausfahrenden oder stehenden Fahrzeugen. Eine der häufigsten Ursachen für Lkw-Unfälle ist nach Angaben des ADAC zu geringer Abstand zum Vordermann. Auch Ablenkung und Übermüdung spielen bei der Unfallentstehung eine Rolle. Wie der Automobilclub mitteilte, sei der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand auf Autobahnen ür Lkw, wenn sie schneller als 50 km/h fahren, 50 Meter. Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h bleiben dem Fahrer also nur zwei Sekunden Zeit zu reagieren. „Doch in der Realität beträgt der Abstand oft nur wenige Meter – Auffahrunfälle mit schwerwiegenden Folgen sind damit praktisch unausweichlich. Ist ein Brummi-Fahrer zudem abgelenkt oder übermüdet, verlängert sich die Reaktionszeit entsprechend“, so der ADAC.

Zwar müssen seit November des vergangenen Jahres alle in der EU neu zugelassenen Lkw mit mehr als acht Tonnen Gewicht mit einem Notbremsassistenten ausgestattet sein. Doch bis alle Fahrzeuge über ein solches System verfügen, werden Jahre vergehen. Ab 2018 werden Notbremsassistenten auch bei Nutzfahrzeugen ab 3,5 Tonnen Pflicht.

Kein Garant für Sicherheit

Doch auch der Notbremsassistent ist kein Garant für mehr Sicherheit: So wird er von Lkw-Fahrern teils dauerhaft ausgeschaltete, weil sie ansonsten nicht so nah an den vorausfahrenden Lkw heranfahren können. Dies ist auf Autobahnen gängige Praxis, insbesondere vor Überholvorgängen. Deshalb fordert der ADAC von der Polizei eine Ausweitung der Verkehrskontrollen, bei der die geltenden Lkw-Abstandsregelungen konsequenter überwacht und geahndet werden sollten. Auch auf die Einhaltung der Lenk-und Ruhezeiten ist zu achten. Daneben sollte der Notbremsassistent nicht dauerhaft ausgeschaltet werden können. Zugleich sollte der Bremsassistent das Tempo um mindestens 40 km/h bei einem stehenden Hindernis reduzieren. „Selbst dann hat der 40-Tonner noch die gleiche zerstörende Energie wie ein Mittelklasse-Fahrzeug, das mit 200 km/h ungebremst ins Stauende einschlägt.“

Aber auch Autofahrer können etwas tun. Bei Erkennen eines Staus sollten sie sofort das Warnblinklicht anschalten und den nachfolgenden Verkehr im Rückspiegel beobachten. Wer einen ausreichenden Abstand zum Vordermann einhält, kann im Notfall auf den Standstreifen ausweichen und Schlimmeres verhindern helfen. (AG)



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