«Wir wollen eine starke Volumenmarke werden»

Skoda-Deutschland-Chefin Imelda Labbé

Imelda Labbé wird neue Skoda-Deutschland-Chefin.
Imelda Labbé möchte mit Skoda weiter wachsen. © Skoda

Skoda wird in diesem Jahr erneut erfolgreichste Importmarke werden. Im Interview mit der Autogazette spricht Skoda-Deutschland-Chefin Imelda Labbé über Marktanteile, Carsharing, neue Modelle und Zukunftsziele.

Die VW-Tochter Skoda setzt in Deutschland auf weiteres Wachstum und hat sich zum Ziel gesetzt, zu den Volumenherstellern aufzuschließen. «Wir sind bereits mit Abstand die stärkste Importmarke in Deutschland. Jetzt ist unser Ziel ganz klar: Wir wollen eine starke Volumenmarke werden, und wenn man sich die Zahlen anschaut, dann sind wir da von einigen bekannten Mitbewerbern nicht mehr so weit entfernt», sagte Skoda-Deutschland-Chefin Imelda Labbé im Interview mit der Autogazette. Schon jetzt würde man mit seinen Modellen alle wichtigen Fahrzeugsegmente besetzen, fügte die Managerin hinzu.

«Sehe keine Trendwende für 2014»

Wie Labbé sagte, peile Skoda in diesem Jahr einen Absatz von mindestens 150.000 Fahrzeugen an. «Mit Blick auf unsere frische Modellpalette und die Marktentwicklung könnten es am Ende aber auch etwas mehr werden.» Nach zehn Monaten hat die VW-Tochter etwas mehr als 131.000 Fahrzeuge abgesetzt und kommt damit auf einen Marktanteil von 5,3 Prozent. Labbé rechnet auch für die verbleibenden zwei Monate mit weiterem Wachstum.

Die VW-Tochter macht sich derzeit zugleich Gedanken über einen Einstieg ins Carsharing-Geschäft. «Wir machen uns immer Gedanken, wie wir unsere Marke einer breiten Käuferschicht noch näher bringen können. In diesem Zusammenhang ist sicher auch das Thema Carsharing interessant. Ein zusätzlicher positiver Aspekt von Carsharing ist, dass wir den Kunden mit unseren Automobilen bekannt machen und er die Vorteile im Alltagsgebrauch kennenlernt.»

Mit Blick auf das Jahr 2014 rechnet die Managerin mit keiner deutlichen Besserung der Absatzsituation. «Eine Trendwende sehe ich auch für das Jahr 2014 nicht. Wir planen für das kommende Jahr mit einem Gesamtmarkt, der knapp über drei Millionen Fahrzeugen liegen wird.»

«Liegen 0,5 Prozent über Vorjahr»

Das Heck des Skoda Yeti.
Das Heck des Skoda Yeti Skoda

Autogazette: Frau Labbé, welcher Hersteller wird in diesem Jahr in Deutschland erfolgreichster Importeur.

Imelda Labbé: Die Marke, die es schon seit vier Jahren ist: Skoda.

Autogazette: Sie gehen also davon aus, dass Sie auch in den verbleibenden zwei Monaten noch weiter zulegen können?

Labbé: Wir haben für das vierte Quartal noch einmal deutliche Steigerungsraten zum Vorjahr geplant. Dass wir mit dieser Planung richtig liegen, hat zuletzt der Oktober gezeigt. Nach zehn Monaten liegen wir 0,5 Prozent über dem Marktanteil des Vorjahres (2012 lag der Marktanteil bei 4,8 Prozent, Anm. der Red.).

Autogazette: Nach zehn Monaten hat Skoda etwas mehr als 131.000 Fahrzeuge abgesetzt. Bei dieser Ausgangslage erscheint es realistisch, dass das Jahr mit etwas mehr als 155.000 Autos beendet wird, oder?

Labbé: Wir haben bereits früher kommuniziert, dass wir 150.000 Fahrzeuge erreichen wollen. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt eine sichere Bank. Mit Blick auf unsere frische Modellpalette und die Marktentwicklung könnten es am Ende aber auch etwas mehr werden.

Autogazette: Das Thema Carsharing wird immer beliebter. Welche Rolle spielt das Thema für Skoda?

Labbé: Wir machen uns immer Gedanken, wie wir unsere Marke einer breiten Käuferschicht noch näher bringen können. In diesem Zusammenhang ist sicher auch das Thema Carsharing interessant. Ein zusätzlicher positiver Aspekt von Carsharing ist, dass wir den Kunden mit unseren Automobilen bekannt machen und er die Vorteile im Alltagsgebrauch kennenlernt. Es ist etwas anderes, ob man dem Kunden erzählt, wie viel Platz es in einem Skoda gibt und welche pfiffigen Ideen er dort findet, als wenn er es selbst durch eine Fahrt erlebt.

«Würde keine Prognose über drei Millionen abgegeben»

Der Skoda Rapid Spaceback wird stark aufgewertet.
Der Skoda Rapid Spaceback Skoda

Autogazette: Per Oktober liegt der Gesamtmarkt in Deutschland bei 2,48 Millionen Fahrzeugen. Läuft in diesem Jahr alles auf drei Millionen Fahrzeuge hinaus?

Labbé: Wir planen derzeit mit einem Gesamtmarkt von knapp 2,950 Millionen. Der Optimismus, der sich noch im September auf der IAA gezeigt hat, spiegelt sich leider noch nicht in den Zahlen wider. Ich persönlich würde keine Prognose über drei Millionen Fahrzeugen abgeben wollen.

Autogazette: Wo sehen Sie angesichts der aktuellen Konjunkturdaten den Automarkt im kommenden Jahr?

Labbé: Eine Trendwende sehe ich auch für das Jahr 2014 nicht. Wir planen für das kommende Jahr mit einem Gesamtmarkt, der knapp über drei Millionen Fahrzeugen liegen wird.

«Hersteller kämpfen intensiv um Aufträge»

Autogazette: Sie sehen also weiter eine große Verunsicherung beim Kunden?

Labbé: Wir sehen für das nächste Jahr schlicht keine Belebung. Wenn es die geben würde, müsste man bereits jetzt entsprechende Tendenzen wahrnehmen. Doch die gibt es nicht. Darüber hinaus sehen wir im Markt eine weitere Steigerung der aggressiven Angebote. Sprich: Es gibt eine Vielzahl von Rabattaktionen; die Hersteller kämpfen intensiv um Aufträge.

Autogazette: Wenn Sie von Aggressivität sprechen, dann trifft das auch auf Skoda zu. So bieten auch sie eine Null-Prozent-Finanzierung an.

Labbé: Diese Null-Prozent-Finanzierung ist ein Angebot des Herstellers und des Handels. Im Vergleich zu anderen Angeboten im Markt ist unsere Null-Prozent-Finanzierung ein sehr verhaltenes Angebot.

Autogazette: Wie sehr leidet denn derzeit der Handel unter der zurückhaltenden Nachfrage und welche Auswirkungen hat das auf die Umsatzrendite?

Labbé: Natürlich ist das Geschäft für unsere Händler den Umständen entsprechend schwieriger geworden. In diesem Jahr wird unsere Händlerrendite voraussichtlich bei rund 1,5 Prozent liegen. Damit sind unsere Händler im Wettbewerbsvergleich gut unterwegs.

«Unser neue Octavia ist ein Volltreffer»

Der Skoda Octavia RS als Limousine.
Der Skoda Octavia RS Skoda

Autogazette: Werden sich Autos im kommenden Jahr auch wieder nur mit hohen Rabatten absetzen lassen?

Labbé: Das hängt stark von der Attraktivität der Fahrzeuge und den Segmenten ab, in denen die Hersteller unterwegs sind. Da hat Skoda mit einer frischen Modellpalette einen Vorteil. Unser neuer Octavia ist ein Volltreffer und hat in seinem Segment eine besonders starke Position. Da sind solche Mechanismen dann nicht notwendig.

Autogazette: Kann auch Skoda nur dann in dem Maße wie jetzt wachsen, wenn auch Sie sich an Rabattaktionen anpassen?

Labbé: Wir stellen fest, dass der Kunde nicht nur auf den Kaufpreis eines Autos schaut, sondern mehr und mehr die gesamten Haltekosten im Blick hat. Vor diesem Hintergrund sind der Preis und mögliche Rabatte nur ein Teilbereich. Der Kunde prüft den Verbrauch, die Service- und Versicherungskosten, den Restwert und vieles mehr. Der Restwert ist dabei ein besonders wichtiges Thema. Deshalb werden wir den Restwert unserer Fahrzeuge auch nicht durch unsinnige Rabatte kaputt machen. Laut einer Studie von EurotaxGlass zeigt Skoda die beste Restwertentwicklung unter den zehn beliebtesten Automarken in Deutschland und lässt damit auch Premiumhersteller hinter sich. Wer dem Kunden am Ende das beste Angebot machen kann, liegt vorn – und da strengen wir uns an.

«Besetzen alle wichtigen Segmente»

Der Skoda Citigo Skoda

Autogazette: Wie problematisch ist der Umstand für den Absatz im kommenden Jahr, dass Sie das Gros der Neuheiten in diesem Jahr gelauncht haben?

Labbé: Ich sehe darin einen großen Vorteil: Wir treten mit einer rundum erneuerten Modellpalette an, die in den kommenden Jahren ihre ganze Kraft entfalten wird. Zum Beispiel sind der Rapid Spaceback oder der Yeti gerade erst auf den Markt gekommen oder stehen kurz vor der Markteinführung. Beim Octavia verzeichnen wir einen Auftragseingang über unseren Erwartungen. Und – auch im nächsten Jahr wird Skoda mit neuen Automobilen an den Start gehen.

Autogazette: Sie sind engagiert worden, um die Marke Skoda in Deutschland zu weiterem Wachstum zu bringen. Wie sehen Ihre Ziele für das kommende Jahr und auch mittelfristig aus?

Labbé: Wir sind bereits mit Abstand die stärkste Importmarke in Deutschland. Jetzt ist unser Ziel ganz klar: Wir wollen eine starke Volumenmarke werden, und wenn man sich die Zahlen anschaut, dann sind wir da von einigen bekannten Mitbewerbern nicht mehr so weit entfernt. Schon jetzt besetzen wir mit unseren Modellen alle wichtigen Fahrzeugsegmente.

Autogazette: Muss für das angepeilte Wachstum auch das Händlernetz wachsen?

Labbé: Wir verfügen derzeit über 575 Händler. Damit sind wir gut aufgestellt. Wir sehen aktuell etwa 25 Open Points. Aber wir haben die kritische Größe im Großen und Ganzen erreicht. Die Zahl unserer Vertragspartner wird also konstant bleiben, aber die Partner selbst werden wachsen. Das gilt zum Beispiel für qualifiziertes Personal, Ausstellungsflächen und Werkstattkapazitäten. Darüber haben wir mit unseren Händlern in den zurückliegenden Monaten gesprochen und gemeinsam Geschäftspläne entwickelt. Darin hat jeder einzelne Händler seine Wachstumspläne definiert. Unser Handel steht außerdem vor der Aufgabe, unser neues Markendesign in den kommenden zwei bis drei Jahre in seinen Betrieben umzusetzen. Die ersten Partner haben dies bereits getan, und wir freuen uns über die positive Resonanz, die unser neues Corporate Design erfährt.

Das Interview mit Imelda Labbé führte Frank Mertens