19. Mai 2017

Weltpremiere in Stockholm Skoda Karoq: Weiter aufwärts mit der Kraft der SUVs

Skoda-Chef Bernhard Maier bei der Vorstellung des neuen Karoq. Fotos ▶
Skoda-Chef Bernhard Maier bei der Vorstellung des neuen Karoq. © Skoda

Erst Kodiaq, nun Karoq: Skoda setzt auf seinem Wachstumskurs auf die Kraft der SUVs. Sie boomen - und davon will die VW-Tochter weiter profitieren und bringt im Herbst einen kompakten Geländewagen auf den Markt. Die Weltpremiere feierte der Yeti-Nachfolger nun in Stockholm.




Von Frank Mertens

Skoda ist seit Jahren vom Erfolg verwöhnt. Im Vorjahr konnte die VW-Tochter erneut einen Rekordabsatz erzielen. Weltweit wurden die Verkäufe 2016 um 6,8 Prozent auf 1,12 Millioenn Fahrzeuge gesteigert. Doch im ersten Quartal diesen Jahres hat sich der Absatz der Marke aus Mlada Boleslav ein wenig abgeschwächt. Im April beispielsweise lag man mit 97.300 Einheiten nur knapp über dem Vorjahreszeitraum (97.200). Nach den ersten vier Monaten des Jahres konnte Skoda mit 380.800 Einheiten um 1,8 Prozent zulegen.


Kein Grund zur Beunruhigung

Ein Grund zur Beunruhigung? Nein, sagt man bei den Verantwortlichen in Mlada Boleslaw. Hier geht man nach wie vor auch von neuen Bestwerten in diesem Jahr aus, verweist beispielsweise auf den Modellwechsel beim Octavia oder auch dem Rapid samt Spaceback. Zudem wird der gerade erst auf den Markt gekommene Mittelklasse-SUV Kodiaq den Absatz im weiteren Jahresverlauf noch beflügeln. Entsprechend herrscht Gelassenheit im Vorstandsteam um Skoda-Chef Bernhard Maier.

Der Grund dafür ist offensichtlich: Skoda vertraut auf die Kraft seiner SUVs. Sie spielen beim Rahmen der Strategie 2025 eine wesentliche Rolle. “Der Fokus in unserer Modellpalette liegt ganz klar auf den SUVs”, sagt Maier. Erst kam der Kodiaq, Ende Oktober kommt der Karoq. Danach wird mindestens noch ein dritter SUV folgen, der unterhalb des Karoq positioniert sein wird. Damit wird noch nicht Schluss sein. “Wir haben weitere Pfeile im Köcher”, so Maier. Doch jetzt kommt als zweiter SUV im Portfolio erst einmal der Karoq, der am gestrigen Donnerstag seine Weltpremiere in Stockholm feierte. Was die SUVs für den Absatz bedeuten, zeigt der Kodiaq. Für ihn liegen zwei Monate nach Markteinführung bereits 37.000 Bestellungen vor, wie Vertriebsvorstand Werner Eichhorn zufrieden berichtet.

Unterwegs im Boom-Segment

Auftritt des neuen Karoq in Stockholm
Auftritt des neuen Karoq in Stockholm © AG/Mertens

Der vollkommen neu entwickelte Karoq soll an diesen Erfolg des Kodiaq anschließen, dem Absatz der Tschechen weitere Impulse verleihen, auch wenn er in diesem Jahr die Verkaufszahlen aufgrund des späten Marktstartes nur noch gering beeinflussen dürfte. Die Chancen für eine Erfolgsgeschichte des Karoq stehen gut. So verweist Eichhorn auf das weltweite Volumen der Kompakt-SUV von 7,3 Millionen. “Und dieses Wachstum setzt sich fort.”

Damit die Kunden auch ebenso positiv auf den Karoq reagieren wie auf den Kodiaq, hat Skoda beim Design auf Experimente verzichtet. Der Karoq setzt mit seinem Aussehen im Vergleich zum Vorgänger Yeti auf Mainstream. Dort, wo der Yeti mit seiner Kastenform noch polarisierte, aber auch in der Masse weichgespülter SUVs optisch auffiel, reiht sich der Karoq ein in die Reihe von Konzernmodellen wie beispielsweise dem Seat Ateca. Dessen Design weist nun augenscheinlich Ähnlichkeiten mit dem Geländegänger aus Mlada Boleslav auf, auch wenn man davon bei Skoda nichts wissen will. Karl Neuhold, der das Exterieur Design verantwortet, spricht von “einem typischen Skoda”, der “klar, präzise, kristallin” mit einem “modernen Design aufwartet”. Natürlich, so Neuhold, sei der Ateca ein Schwestermodell, doch der Karoq sei “unique”, sein Auftritt ein Statement.

Mainstream als Stärke

Nein, schlecht muss das Setzen auf die Karte Mainstream (Neuhold möchte diesen Ausdruck neutral verstanden wissen) nicht sein, ganz im Gegenteil. Aus Sicht des Herstellers macht das hochgradig Sinn. Denn der Yeti kam im Vorjahr weltweit nur noch auf 95.600 Verkäufe, davon entfielen auf den deutschen Markt allein rund 20.500 Einheiten. Das ist nicht schlecht, vor allem in Anbetracht des in den Startlöchern stehenden Nachfolgers, aber in einem Boomsegment wie dem der kompakten SUVs geht noch mehr, viel mehr. Der Yeti war ein starkes Auto. Doch mit seinem polarisierenden Aufritt sprach er nur die Hälfte unserer Kunden an”, so Neuhold. Der Karoq wird es zeigen, dass da Potenzial nach oben ist. Nach dem ersten Quartal 2018 wird man schon Tendenzen ablesen können, wie der Karoq weltweit performt. Skoda geht natürlich davon aus, dass er im Vergleich zum Yeti deutlich zulegen wird.“

Zahlen nennt man weder in Mlada Boleslav nicht, noch in Weiterstadt, dem Deutschlandsitz der Marke. Doch Deutschlandchef Frank Jürgens gibt sich optimistisch, dass der Karoq den Erfolg des Yeti noch deutlich übertreffen wird. “Der Karoq bietet den Kunden noch mehr Raum als der Yeti – und das für einen attraktiven Preis. Das ist genau das, was der Kunde wünscht”; ist sich Jürgens sicher, der die Marke nach den 186.000 Einheiten des Vorjahres mittelfristig zu einem Absatz von 200.000 Einheiten führen will. Mittelfristig heißt was? Da gibt sich Jürgens zugeknöpft. Doch mit etwas Glück gelingt dies bereits in diesem Jahr, spätestens im kommenden Jahr. Man wird sehen. Doch bei allem, so sagt Jürgens, gehe es nicht ums quantitave, sondern ums profitable Wachstum – und auch da sieht er die Marke auf einem guten Weg.

Unterwegs mit Digitaldisplay

Gruppenbild mit Vorstand, der neue Karoq
Gruppenbild mit Vorstand, der neue Karoq © Skoda

Damit der Neue auch ein Verkaufshit wird, wurde ihm nicht nur ein mehrheitsfähiges Design verpasst, sondern er hat auch alles mit auf den Weg bekommen, was der Konzern an Technologien zu bieten hat. So bekommt er nicht nur insgesamt fünf effiziente Motoren mit einer Leistung von 115 bis 190 PS samt Allrad mit auf den Weg, sondern Skoda setzt wie bereits beim Kodiaq und allen neuen Modellen auf die Konnektivität.

Natürlich verfügt auch der Karoq über das Notrufsystem eCall als Bestandteil von Skoda Care; auch Skoda Connect ist mit seinen Services wie Parkplatzsuche, einem News-Feed oder Verkehrsinformationen in Echtzeit verfügbar. Doch im Karoq findet sich auch ein frei programmierbares Instrumentenpanel. Ein solches Digitaldisplay kennt man bereits von Audi und auch von VW.

Da die Tschechen für sich neben der Vernetzung auch die Sicherheit als Kernkompetenz sehen, verfügt der Karoq auch über eine Vielzahl von Fahrassistenzsystemen wie beispielsweise einer adaptiven Geschwindigkeitskontrolle, die bis Tempo 210 funktioniert, einem Spurwechselassistenten, einer City-Notbremsfunktion oder einem Emergency Assit, wie Entwicklungschef Christian Strube aufzählt. So unterwegs bringt das jüngste Kind der Skoda-Modellpalette alles mit, um die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen - auch, oder gerade weil er nicht mehr so polarisiert wie der von vielen Kunden so liebgewonnene Yeti.



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