20. März 2017

Skoda-Deutschland-Chef Frank Jürgens «Für uns steht die Rendite im Vordergrund, nicht die Absatzzahl»

Frank Jürgens verantwortet das Deutschlandgeschäft von Skoda.
Frank Jürgens verantwortet das Deutschlandgeschäft von Skoda. © Skoda

Skoda erwartet in diesem Jahr in Deutschland erneut Bestwerte beim Absatz. Im Interview mit der Autogazette spricht Geschäftsführer Frank Jürgens über neue Modelle, Kundenzufriedenheit und darüber, was er unter gesundem Wachstum versteht.




Skoda befindet sich nach den ersten zwei Monaten des Jahres in Deutschland auf Wachstumskurs. Dabei sind der neue Kodiaq und die Modellüberarbeitung des Bestsellers Octavia noch nicht einmal auf dem Markt. Entsprechend zuversichtlich zeigte sich Deutschlandchef Frank Jürgens mit Blick auf das Jahr 2017, für das er erneut Rekorde erwarte, wie der Manager im Interview mit der Autogazette sagte.


Unberechenbarer Markt

Ob es in diesem Jahr indes bereits mit dem mittelfristig angepeilten Ziel von 200.000 Einheiten klappt, wollte Jürgens nicht sagen. «Wir halten uns mit solchen Aussagen zurück, um nicht in die Situation zu kommen, einer Zahl hinterher zu laufen und dann irgendeinen wirtschaftlichen Unsinn zu machen», sagte Jürgens. Um konkrete Absatzzahlen zu nennen, sei der Markt einfach zu unberechenbar «Wir setzen auf nachhaltiges Wachstum und auf eine sehr gute Rendite.»

«Setzen auf nachhaltiges Wachstum»

Autogazette: Herr Jürgens, Skoda liegt nach zwei Monaten mit fast 27.000 neu zugelassenen Fahrzeugen bereits bei einem Plus von neun Prozent. Dabei sind der Kodiaq und der Octavia erst in diesen Tagen auf den Markt gekommen. Wird es erneut ein Rekordjahr für die Marke nach den 186.000 Einheiten des Vorjahres?

Frank Jürgens: Zunächst freuen wir uns darüber, dass die ersten zwei Monate so gut gelaufen sind. Zugleich haben wir bei der Vorstellung der beiden neuen Produkte bei unseren Händlern gerade eine tolle Resonanz mit über 200.000 Besuchern an einem Wochenende gehabt. Das bestätigt uns in der Annahme, dass wir die Ergebnisse des Vorjahres erneut übertreffen können.

Autogazette: Das bedeutet in Stückzahlen was?

Jürgens: Das kann ich Ihnen heute leider noch nicht sagen. Ich erwarte für Skoda in Deutschland jedoch ein Jahr der Rekorde. Gemeinsam mit unseren Händlern arbeiten wir intensiv daran, den Erfolg der Marke Skoda fortzuführen. Das sind nicht nur harte Absatzzahlen, dazu zählen auch viele andere Faktoren wie zum Beispiel die Kundenzufriedenheit.

Autogazette: Im Dezember nannten Sie als mittelfristiges Ziel für die Marke einen Absatz von 200.000 Fahrzeugen. Warum trauen Sie sich nicht zu sagen, dass dieses Ziel bereits in diesem Jahr erreicht werden kann?

Jürgens: Wir halten uns mit solchen Aussagen zurück, um nicht in die Situation zu kommen, einer Zahl hinterher zu laufen und dann irgendeinen wirtschaftlichen Unsinn zu machen. Der Markt ist so unberechenbar, dass man guten Gewissens keine konkrete Absatzzahl nennen kann. Wir setzen auf nachhaltiges Wachstum und auf eine sehr gute Rendite.

«Schlicht zu früh, etwas zum Kodiaq zu sagen»

Der Skoda Kodiaq Sportline in Genf
Der Skoda Kodiaq Sportline in Genf © AG/Mertens

Autogazette: Skoda bringt in diesem Jahr elf Neuheiten bzw. Modellüberarbeitungen auf den Markt, darunter Volumenbringer wie Kodiaq und Octavia. Wäre alles andere als ein Wachstum von weniger als 7,5 Prozent nicht eine Enttäuschung, nachdem es im Vorjahr 3,5 Prozent waren?

Jürgens: Nein, wäre es nicht. Für uns steht die Rendite im Vordergrund, nicht die Absatzzahl, die man auch durch Tageszulassungen künstlich in die Höhe treiben kann. Bei der Rendite war im Vorjahr nicht nur die Marke erfolgreich, sondern auch der Handel.

Autogazette: Der Handel kam auf eine Rendite von 1,8 Prozent...

Jürgens: ...ja. Wir waren von einer Händlerrendite von 1,6 Prozent ausgegangen, geworden sind es dann sogar 1,8 Prozent. Das sind 0,1 Prozent mehr als noch in 2015 – und das, obwohl die Händler in das neue Showroom-Konzept investiert haben. Das verstehen wir unter gesundem und nachhaltigem Wachstum.

Autogazette: Vom Yeti setzten Sie im Vorjahr 20.500 Einheiten ab. Wird sich der Kodiaq auf diesem Niveau bewegen?

Jürgens: Ich bin davon überzeugt, dass der Kodiaq eine relevante Rolle in seinem Segment spielen wird. Es ist schlicht zu früh etwas zum Kodiaq zu sagen, da er soeben erst startet und damit in diesem Jahr nur zehn Monate in der Verkaufsstatistik sein wird.

Autogazette: Sie sprachen ja davon, dass der Kodiaq für Sie zu den Volumenmodellen gehört. Ab wann fängt bei Ihnen denn ein Volumenmodell an?

Jürgens: Immer dann, wenn ein Auto im Segment signifikant erkennbar ist. Es gibt aktuell eine extreme Dynamik im Geländewagen-Segment.

«Digitalisierung hat hohen Stellenwert»

Der Skoda Octavia RS 245 wurde ebenso in Genf gezeigt
Der Skoda Octavia RS 245 wurde ebenso in Genf gezeigt © Skoda

Autogazette: Im Vorjahr haben Sie 139 Großkundenleistungszentren geschaffen. Erwarten Sie im Flottengeschäft das größte Wachstum für die Marke in diesem Jahr?

Jürgens: Ich denke, dass wir in diesem Jahr eher gleichmäßig wachsen werden. Wir sind nun mit der Verfügbarkeit des Kodiaq und dem überarbeiteten Octavia auch im Privatkundenmarkt wieder bestens aufgestellt. Vieles, was wir durch den Wegfall des Roomster im Vorjahr verloren haben, haben wir im Großkundengeschäft ausgleichen können. Jetzt besitzen wir mit dem Kodiaq ein Fahrzeug, das beide Gruppen anspricht. Das wird sehr spannend sein, wie sich die Zielgruppen entscheiden.

Autogazette: Sie wollen mittelfristig auf einen Fahrzeugbestand von zwei Millionen kommen, derzeit sind es 1,8 Millionen. Also erreichen Sie dieses Ziel schon dieses Jahr.

Jürgens: (lacht) Netter Versuch. Sie dürfen beim Fahrzeugbestand nicht vergessen, dass es auch Fahrzeuge gibt, die aus Altersgründen wieder vom Markt genommen werden. Wir berichten über das Erreichen dieses Zieles, wenn es soweit ist.

Autogazette: Welche Rolle spielt für Skoda die Digitalisierung? Serienmäßig bieten Sie neuerdings in ihren neuen Modellen Skoda Connect an, mit dem man Dienste rund um das Fahrzeug und weitere Infotainment-Angebote nutzen kann.

Jürgens: Das Thema Digitalisierung und Konnektivität hat für Skoda einen sehr hohen Stellenwert. Wir haben uns bewusst entschieden, bei unseren neuen Modellen Octavia und Kodiaq serienmäßig Skoda Connect anzubieten. Es gibt mittlerweile ja nicht nur eine hohe Affinität von jüngeren, sondern auch von älteren Kunden zu diesem Thema. Es ist altersübergreifend interessant, seine mobilen Endgeräte mit dem Fahrzeug zu vernetzen und Dienste rund um das Fahrzeug und die Klaviatur der Infotainmentangebote zu nutzen. Wir können dem Kunden hier einen zusätzlichen Service anbieten – und das serienmäßig. Es könnte sein, dass das eine markenprägende Eigenschaft bei uns wird.

«Skoda Connect ist Simply clever»

eCall ist ab allen neuen Modellen serienmäßig
eCall ist ab allen neuen Modellen serienmäßig © Skoda

Autogazette: Warum markenprägend? Bislang steht Skoda vor allem für Simply clever und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Jürgens: Skoda Connect ist Simply clever. Es passt für mich sehr gut zu diesem Aspekt. Wenn ich vom heimischen Sofa aus über meine App auf dem Handy mein nächstes Navigationsziel in das Fahrzeug übertragen kann, ist das Simply clever.

Autogazette: Glauben Sie, dass Sie damit auch jüngere Kunden zur Marke bringen können?

Jürgens: Das ist für alle Altersgruppen relevant. Wir glauben fest an die Technik, sie passt einfach zur Marke.

Autogazette: Sie sind jetzt seit dem 1. September im Amt. Wo sehen Sie mit Blick auf die Markenpositionierung noch Verbesserungsbedarf?

Jürgens: Wir haben die Entscheidung getroffen, auf die Konnektivität zu setzen, und es gilt nun, die Vorteile daraus dem Kunden klar zu kommunizieren. Das ist eine sehr große Chance. Zusätzlich werden wir unser Produktangebot im Bereich der SUV weiter stärken. Einen Ausblick dazu haben wir mit den Modellen Kodiaq Scout und Kodiaq Sportline bereits auf dem Genfer Automobilsalon gegeben. Und da kommt mehr.

Autogazette: Wie wichtig ist das Garantiethema für den Kunden?

Jürgens: Es gibt Kunden, die sind affin für eine Finanzierung, andere für Leasing, andere wollen interessante Versicherungsangebote, andere eine gute Garantieabsicherung. Wir wollen dem Kunden möglichst alles bieten, was seine Kaufentscheidung positiv beeinflusst. Bei unseren aktuellen Sondermodellen Drive bieten wir zum Beispiel fünf Jahre Garantie.

Autogazette: Skoda ist bisher nicht in der Lage, seinen Kunden einen Elektroantrieb anzubieten. Erst für 2019 ist ein Superb Plug-in-Hybrid angekündigt. Ist das nicht arg spät?

Jürgens: Keineswegs, das kann man an den aktuellen Zulassungszahlen sehen. Skoda kommt in 2019, also bereits in zwei Jahren, mit dieser Technologie zum passenden Zeitpunkt. Weitere elektrifizierte Modelle werden danach zeitnah folgen. Der Kundenwunsch wird sich in den kommenden Jahren bei diesem Thema stärken, da die Technologie zu günstigeren Preisen angeboten werden kann. Da Skoda auch immer für ein sehr gutes Preis-/Wertverhältnis steht, ist dies für uns und unsere Kunden ein sehr wichtiger Aspekt. Wir werden zur richtigen Zeit das richtige Angebot für unsere Kunden bereitstellen.

Das Interview mit Frank Jürgens führte Frank Mertens



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Interviews



Mehr zur Marke Skoda

Big Data und Cyber SecuritySkoda DigiLab gründet Joint Venture mit Champion Motors

Das Skoda DigiLab wird zukünftig auch in Tel Aviv vertreten sein. Dazu wurde ein Joint Venture mit Champion Motors gegründet.


SUV und China als WachstumstreiberSkoda mit bestem Monat aller Zeiten

Skoda setzt mit Rekordzahlen zum Jahresendspurt an. Dank der neuen SUV und einem starken chinesischen Markt erzielte die VW-Tochter im elften Monat noch nie dagewesene Werte.


2019 kommt Plug-in-HybridSkoda baut ab 2020 erstes Elektroauto

Skoda wird ab 2019 mit dem Superb sein erstes Plug-in-Modell auf den Markt bringen. Ein Jahr später folgt das erste rein elektrische Modell.



Mehr aus dem Ressort

Christian Senger leitet bei VW den Bereich Elektromobilität.
Christian Senger, Leiter Elektromobilität VW«Mit so einem Auto gestalten wir Märkte»

Auf der IAA haben sich die Hersteller mit Ankündigungen zur Elektromobilität fast überschlagen. «Ich kann nicht für andere sprechen, aber was wir ankündigen, halten wir auch», sagte Christian Senger von VW im Interview mit der Autogazette.


Friedhelm Engler vor dem Opel Grandland X
Friedhelm Engler, Design-Vorausentwicklung Opel«Für junge Designer ist das wie Candy-Shop»

Der Wandel der Automobilindustrie in Richtung Elektromobilität verschafft den Designern einen enormen Freiraum. Im Interview mit der Autogazette spricht der Opel-Design-Direktor Friedhelm Engler über die Priorität des Innenraums und unspannende Leistungsgedanken.


Domagoj Dukec ist Chefdesigner von BMW i.
Domagoj Dukec, Chefdesigner BMW i«Nachhaltigkeit ist von Elektromobilität nicht zu trennen»

Führt die Elektromobilität auch zu einer neuen Designsprache? Nein, sagt Domagoj Dukec. Im Interview mit der Autogazette spricht der Chefdesigner von BMW i über Markenwerte, Nachhaltigkeit und über Limits.