27. Mai 2011

Fahrbericht Emissionsfreie Ausfahrt Masini Sportivo S: Elektroroller aus China

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Masini ist in China einer der bekanntesten Hersteller von Elektro-Rollern. Nun versucht sich der chinesische Hersteller in Deutschland und schickt den Masini Sportivo ins Rennen. Was der Roller kann, zeigt unser Fahrbericht.




Von Heiko P. Wacker

In China gilt Masini als einer der bekannteren Hersteller elektrischer Roller - und auch hierzulande könnte sich die Marke aus dem Reich der Mitte künftig einen Namen machen. Rund 25 Händler bieten unter anderem den Sportivo an, der ein zügiges sowie leises Vorankommen erlaubt. Der lokal emissionsfreie Ritt startet bei 4 690 Euro.

Erhältlich ist der Sportivo in zwei Varianten, die sich äußerlich sehr ähneln, jedoch mit unterschiedlicher Leistung antreten. Der 4 690 Euro teure Masini Sportivo sorgt mit 4 000 Watt für Schub, der größere Sportivo S hingegen liegt mit 5 000 Watt ein gutes Stück höher - was sich aber auch im Preis von immerhin 5 590 Euro niederschlägt.


Radnabenmotor mit 19 bis 24 Akkus

Beide setzen auf einen bürstenlosen Radnabenmotor sowie Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus, die zwischen 55 Kilometer und 110 Kilometer Reichweite erlauben. Die je 1,42 Kilogramm wiegenden Speicher sind zu einem Energieblock verkabelt: Die 19 beziehungsweise 24 Akkus im Falle der S-Variante kommunizieren stets mit dem Nachbarpack, um eine gleichmäßige Be- und Entladung zu ermöglichen, die vom "Battery Management System" geregelt wird. Bereits hier sind die Qualitätsunterschiede auf dem Markt erheblich: Einfach nur Batterien und einen E-Motor zusammenzubauen, das führt noch lange nicht zu einem ordentlichen E-Roller.

Die Batterie reicht bis zu einer Reichweite von 110 Kilomneter
Die Batterie reicht bis zu einer Reichweite von 110 Kilomneter © mid

Berührungsängste freilich muss man keine haben. Völlig unspektakulär wird per Zündschlüssel gestartet, was man zunächst nicht hört. Erst der Dreh am "Gas" sorgt für eine durchaus nachhaltige Beschleunigung. In typischer Elektromotorenmanier rauscht der Roller los: E-Motoren brauchen eben keine Drehzahlen, um Drehmoment liefern zu können.

Zudem wechselt der Radnabenmotor beim Verzögern den Charakter: Eine leicht angelegte Bremse aktiviert die Energierückgewinnung, mit der sich bis zu zehn Prozent mehr Reichweite realisieren lassen. Erst wenn man die beiden auf gelochte Scheibenbremsen wirkenden Bremshebel ganz durchzieht, wird mechanisch verzögert. Weil das Bremsverhalten durch diesen "doppelten Druckpunkt" jedoch schwammig wirkt, lassen sich manche Kunden einen separaten "Retarderknopf" installieren.

Schnelle Eingewöhnung gewährleistet

Da alle Bedienelemente rollertypisch sind, fällt die Eingewöhnung recht kurz aus: draufsitzen und losfahren. Nur sollte man sich auf neue Eindrücke gefasst machen, nimmt man doch plötzlich banale Dinge wie das klackende Blinkerrelais oder die akustischen Äußerungen der Federung wahr. Der leise Antrieb sorgt natürlich auch für erstaunte Passantengesichter: An die geräuscharme Elektromobilität muss man sich erst noch gewöhnen. Im Gegenzug sollte der Hersteller sich an den Ansprüchen der hiesigen Kunden in Sachen Verarbeitungsqualität orientieren: Dafür wären Details wie nach unten offene Lenkkopflager oder der erhöhte Motorenverschleiss in staubigen Einsatzgebieten dringend zu verbessern.

Trotz seines Spitzentempos von bis 100 km/h ist der Sportivo S - der Basis-Sportivo schafft maximal Tempo 85 km/h - ganz klar ein Fahrzeug für den urbanen Raum. Lange Überlandstrecken sind nicht nur wegen der Reichweite von 55 bis 100 Kilometern und des "Nachtankens" problematisch, sondern auch aufgrund der etwas knappen Abmessungen. Durchschnittliche Mitteleuropäer jenseits von 1,85 Metern wünschen sich etwas mehr Beinfreiheit auf dem "vollgetankt" 133 Kilogramm wiegenden Gefährt.

Leichte Ladung

Das Cockpit am Elektroroller
Das Cockpit am Elektroroller © mid

Das Laden selbst ist unkompliziert: In der Helmablage - in der höchstens ein Jet-Helm Platz hat - findet sich ein Kabel für die Steckdose, aus der in rund drei Stunden eine 90-prozentige Füllung bezogen wird. Die maximale Ladekapazität wird nach bis zu fünf Stunden erreicht: Die Elektronik sorgt auf der Zielgeraden für eine ausgewogene Ladung der Zellen, für die 36 Monate Garantie gewährt werden, und damit ein Jahr mehr als auf das Fahrzeug. Die Lebensdauer der Akkus wird mit acht bis 15 Jahren angegeben - in Abhängigkeit von der Fahrleistung. Indes kann man die Akkus schonen, indem man den Roller im beheizten Raum und nicht bei klirrendem Frost lädt. Laternenparker haben hier schlechte Karten und je nach Entfernung zur nächsten Steckdose dürfte mehr als ein Verlängerungskabel erforderlich sein. Über den Ladezustand selbst informieren Leuchtdioden: Für eine Ladung muss man etwa zwei Kilowattstunden rechnen, was je nach Anbieter auf rund 50 Cent kommt.

Dennoch rechnet sich der Einsatz des steuerfreien Sportivo wegen des Einstandpreises erst bei rund 4 000 Kilometern im Jahr. Allerdings geht es vielen Kunden - rund 200 bis 300 Fahrzeuge sollen 2011 verkauft werden - weniger um die Kosten als vielmehr ums Image, das der lokal emissionsfreie Antrieb bietet. Zudem locken inzwischen manche Firmen mit dem Ladevorgang am Arbeitsplatz. Das dürfte ein zusätzliches Argument sein, das für den Sportivo spricht, der gänzlich neue Fahrerlebnisse bietet, und zwar nicht nur wegen des Blinkerrelais. (mid)






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