9. November 2017

Tipps für den Winter Winterkniffe für Selberschrauber

Auch die Felgen können beim Reifenwechsel gereinigt werden
Auch die Felgen können beim Reifenwechsel gereinigt werden © SP-X

In so manchen Regionen kratzen die Nachttemperaturen schon an der Gefrierpunktmarke und schmuddelig-herbstlich ist das Wetter sowieso seit Wochen. Zeit also, das Auto auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten.




Man kann einen brandneuen Polo-GTI fahren oder einen in die Jahre gekommenen 5er-BMW. Wenn der Winter in den Startlöchern steht, verwischen sich sämtliche Unterschiede, weil Straße und Wetter jedem Wagen gleich zusetzen.

Für den nächsten freien Samstag bieten sich deshalb einige schnelle Handgriffe an, die jeder Autofahrer selbst erledigen kann. Welche und wie, das verraten wir jetzt.


1. Winterreifen

Schlaue Autofahrer wissen, dass die „O bis O“-Regel (Ostern bis Oktober) keine juristische Gültigkeit hat. Es zählt nur die Witterung. Da sieht es so aus, dass normale Sommerreifen schon ab plus zehn Grad verhärten und unfallträchtig Grip verlieren können. Das Runde muss also ins Eckige oder in diesem Fall der Satz Winterreifen ans Automobil. Hält man sich an die Vorgehensweise der Profis, kann da auch zuhause im Hof nichts schiefgehen.

Zunächst sollte das Auto auf eine flache Oberfläche gestellt und die Handbremse angezogen werden. Anschließend werden die Winterreifen bereitgelegt. Vor dem Hochbocken des Autos müssen zunächst alle Schrauben/Muttern mit dem Radschraubenschlüssel um eine viertel bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn gelöst werden.

Nach dem Hochbocken dann alle Schrauben des in der Luft hängenden Rades herausdrehen und das Rad abnehmen. Falls das Rad festsitzt helfen leichte Schläge gegen den Reifen (nicht die Felge). Die Position des abgenommenen Reifens wird mit Kreide auf dem Reifen notiert. HR steht zum Beispiel für Hinten Rechts. Die Gewinde der Radschrauben des abgenommenen Reifens und auch die Nabe werden mit einer Drahtbürste gereinigt, um eventuellen Rost abzukratzen.

Anschließend wird das neue Rad auf die Nabe gesetzt und die Radbolzen nach dem Eindrehen kurz angezogen - und zwar über Kreuz. Nun kann per Wagenheber der Reifen wieder herabgelassen werden und die Schrauben werden mit einem Drehmomentschlüssel bis zumeist 120 Nm angezogen. Das Festziehen kann allerdings auch nach dem Anbringen aller Reifen erfolgen, ehe an der nächsten Tankstelle der korrekte Luftdruck in die Pneus gefüllt wird. Abschließend werden die Sommerräder frostfrei liegend eingelagert (vorher im Profil auf Steinchen u.Ä. achten und diese mit einem Schraubendreher entfernen). Nach 50 Kilometern Fahrt mit den Winterreifen werden die Schrauben noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel kontrolliert.

2. Lack

Auch der Lack muss gepflegt werden
Auch der Lack muss gepflegt werden © Aral

Herbst-Dreck, Regen, Streusalz sind nicht nur eine Kratzer-erzeugende Belastung für den Lack, sondern können gerade bei älteren Autos auch für üble Rostnester sorgen, die unschöne Optik bis hin zu handfesten TÜV-Problemen nach sich ziehen. Solange es also noch frostfrei ist, sollte man seinem Lack ein wenig Pflege zuteil werden lassen.

Dafür werden im Handel je eine Flasche Sprühwachs, Kunststoffpflege und ein Hand-Applikator, eine Art Schwamm, besorgt. Da auch die sanfte Wäsche daheim in den meisten Kommunen aus Grundwasserschutzgründen verboten, ist wird die nächstgelegene SB-Waschbox angesteuert. Nach dem Waschen entfernt ein weicher Gummirakel erst das überschüssige Wasser, per Lederlappen oder Mikrofasertuch wird auch noch der letzte Rest Feuchtigkeit trocken gewischt.

Anschließend kommt der Kunststoffpfleger zum Einsatz, mit dem nach Anleitung alle unlackierten Kunststoffteile an der Karosserie behandeln werden. Mit dem Applikator werden dann - auf dem Autodach beginnend - alle lackierten Oberflächen gleichmäßig eingewachst. Gerade im Front-, Heck- und dem Spritzbereich hinter den Rädern darf der Auftrag ruhig auch etwas dicker sein.

Die Wachsschicht ist dabei das A und O, denn sie sorgt dafür, dass nicht nur all die Wassermengen der kommenden Monate besser abperlen, sondern verhindern vor allem, dass Streusalz in direkten Kontakt mit dem Lack kommt und dort sein buchstäblich ätzendes Werk beginnt. Letzteres wird deshalb immer Lack-gefährlicher, weil kommunales Streusalz längst mehr ist als bloßes Natriumchlorid.

3. Türen und Fenster

Bis hierhin ist das Auto zwar schon gut vorbereitet, doch neben den Reifen ist verhärteter Gummi auch noch an anderer Stelle ein Problem - und zwar an den Dichtungen der Fenster, ferner zwischen Tür und Karosserie und natürlich auch der Heckklappe. Hier muss man gleich mehrere Strategien fahren:

So müssen die Dichtungsgummis der Türen und versenkbaren Fenster mit einem feuchten Lappen gereinigt und mit Küchenkrepp getrocknet werden. Anschließend die Dichtungen hauchdünn mit einem speziellen Silikon-Pflegestift oder aber etwas Vaseline (im Notfall funktioniert auch farbloser Lippenpflegestift) bestreichen. Hier ist weniger mehr, vor allem damit man sich beim Einsteigen nicht die Kleidung beschmiert.

Dann alle Scheiben auch von innen mit Glasreiniger und Küchenkrepp gründlich reinigen und dabei den Rückspiegel nicht vergessen und abschließend mit einem Pinsel hauchdünn etwas Multifunktionsfett (kein Öl) auf die Verriegelungsbolzen an den Türsäulen applizieren.

Bei Autos ohne Fernbedienung am Schlüsselbund empfiehlt es sich zudem, zumindest in das Schloss der Fahrertür und des Kofferraums ein wenig WD-40 (führt jeder Zubehör-Handel bzw. Baumarkt) zu sprühen. Dieses Mittel verdrängt Wasser und verhindert so, dass der empfindliche Mechanismus festfriert.

4. Flüssigkeiten

Auch der Scheibenreiniger muss sich dem Frost widersetzen
Auch der Scheibenreiniger muss sich dem Frost widersetzen © Aral

Wasser kann einfrieren. Das sorgt nicht nur auf den Straßen für widrige Verhältnisse, sondern kann auch bei den Flüssigkeiten des Fahrzeugs für Probleme bis hin zum kapitalen Motorschaden sorgen. Der finale Check gilt deshalb diesen liquiden Helfern.

Bei kaltem Motor (mindestens vier Stunden ausgeschaltet) vorsichtig den Deckel des Kühlmittelbehälters aufdrehen und mittels Frostschutzprüfer etwas Kühlflüssigkeit ansaugen. Der angezeigte Wert muss selbst im Flachland mindestens -25°C, besser -30°C anzeigen. Ist der Wert zu gering, muss ein halber Liter Kühlflüssigkeit abgesaugt (große Kunststoffspritze oder notfalls Frostschutzprüfer) und durch die gleiche Menge an für das Auto passendem Frostschutzmittel (Betriebsanleitung) ersetzt werden. Danach den Deckel wieder festschrauben. Den Wischwasserbehälter weitestgehend leeren und danach ein wintertaugliches Reinigungskonzentrat einfüllen. Mit Leitungswasser den Tank restlos auffüllen.

Öl, Kraftstoff und Bremsflüssigkeit sind von sich aus bereits wintertauglich und bedürfen keiner weiteren Kontrolle. Allerdings sollte man die obligatorische Flasche Leitungswasser aus dem Kofferraum entfernen, damit sie nicht in einer frostigen Nacht platzt. So vorbereitet kann einem der Winter nichts mehr anhaben.



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