27. Januar 2016

Vierzylinder mit 300 PS Porsche Boxster: Downsizing ohne Verzicht

Der Porsche Boxster.
Der Porsche Boxster. © Porsche

Das Downsizing bei Porsche geht weiter. Nach der Ikone 911 bekommt auch der Boxster einen neuen, kleinen Motor. Leistungseinbußen gibt es dabei nicht.




Das Downsizing bei Porsche geht weiter: Nach dem 911 erhält im April auch der Einstiegs-Roadster Boxster im Zuge seines Facelifts kleine Turbomotoren. Während die Markenikone jedoch immerhin dem Sechszylinder treu bleibt, mutiert sein kleiner Verwandter zum Vierzylinder-Sportler. Leistungseinbußen gibt es durch das Downsizing jedoch nicht – im Gegenteil, der erstmals eingesetzte Turbolader macht bereits die 53.646 Euro teure Basisvariante 220 kW/300 PS stark.

Dafür reichen dem Mittelmotor in Boxerbauweise zwei Liter Hubraum. Das alte Modell ohne Turbo benötigte für 195 kW/265 PS noch 2,7 Liter, verteilt auf sechs Brennkammern. Auch der stärkere Boxster S speckt ab: der Hubraum schrumpft von 3,4 auf 2,5 Litern, die Leistung steigt von 232 kW/315 PS auf 257 kW/350 PS. In beiden Fällen wächst auch das Drehmoment, nun stehen 380 Nm beziehungsweise 420 Nm zur Verfügung, jeweils bereits bei knapp unter 2.000 Touren.


In 4,2 Sekunden auf 100

Entsprechend schnell sprinten beide Modelle von null auf 100 km/h: Wer anstelle der manuellen Sechsgangschaltung das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wählt, erreicht den dreistelligen Tachobereich im Idealfall in 4,2 Sekunden. Das schwächere Modell benötigt ähnlich flotte 4,5 Sekunden – beide sind damit deutlich spurtstärker als ihre Vorgänger. Die – zumindest für das Unternehmen Porsche – wichtigste Änderung ist aber der gesunkene Normverbrauch: Theoretisch benötigt der Roadster nun nur noch 6,9 beziehungsweise 7,3 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern. Beim alten Sechszylinder-Modell lagen die Werte noch bei 8,4 und 9,0 Litern.

Der CO2-Ausstoß des offenen Zweisitzers sinkt somit erstmals unter die 160-Gramm-Marke. Und damit nimmt auch für den Hersteller die Gefahr hoher Strafzahlungen ab 2020 ab, wenn die strengen EU-Grenzwerte greifen. Letztlich dürfte das der mit Abstand wichtigste Grund für das Downsizing sein, auch wenn Leistungsplus und Gewichtsreduzierung für die Fahrleistung des Boxster und seines Coupébruders Cayman nicht von Nachteil sein werden. Kritische Kunden und Skeptiker der Motoraufladung dürften zudem seit dem weithin als gelungen betrachteten 911-Downsizing beruhigt sein – der Verzicht auf Saugmotoren muss kein Verzicht auf Charakter sein.

Neuer Namen

Um das Gefühl von Verzicht gar nicht erst aufkommen zu lassen, hat Porsche dem Boxster zudem einen Namenszusatz verpasst. Die Ziffer „718“ wird künftig dem Namen der beiden Modelle der Baureihe vorangestellt. Sie soll an den gleichnamigen Rennwagen aus den späten 50er-Jahren erinnern. Dazu gibt es einen saftigen Preisaufschlag: 53.646 Euro kostet der 718 Boxster zur Markteinführung, knapp 3.000 Euro mehr als das alte Modell. Den 718 Boxster S gibt es ab 66.141 Euro.

Zuletzt gab es Anfang der 90er-Jahre einen Porsche mit Vierzylindermotor. Beim 968 waren die Brennräume aber konventionell in Reihe geschaltet. Den letzten Vierzylinderboxermotor hatte in den 70er-Jahren der „Volksporsche“ 914 an Bord; das Triebwerk stammte damals aus dem VW-Regal. Der Rückgriff auf den Vierzylinder ist vor allem eine Reaktion auf die strenger werdenden Verbrauchsvorgaben, vor allem in Europa und den USA. Die neuen, hubraumkleineren Motoren dürften deutlich sparsamer ausfallen als die aktuellen Sechszylinder, die selbst in der genügsamsten Version laut Normwert 8,4 Liter schlucken (195 Gramm CO2/km). (SP-X)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Neuwagen



Mehr zur Marke Porsche

911er in AetnablauPorsche Targa fährt in die Sixties

Porsche fährt mit 911 Targa in die Vergangenheit. Dabei präsentiert sich das in Aetnablau gehaltene Sondermodell mit Allradantrieb nicht nur bei der Farbe heiß wie ein Vulkan.


Wegen MarktmanipulationStaatsanwaltschaft zieht Revisionsantrag gegen Wiedeking zurück

Der ehemalige Porsche-Manager Wendelin Wiedeking ist ein freier Mann. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart zog ihren Antrag auf Revision des Freispruchs vom März wegen geringer Aussichten zurück.


Aufgeladene Vierzylinder-MotorenPorsche 718 Cayman: Mehr Sportlichkeit trotz Downsizing

Erst der Boxster, nun der Cayman: Porsche setzt sein Downsizing fort. Doch Leistungsverzicht geht damit nicht einher, ganz im Gegenteil. Dem Kunden werden noch sportlichere Fahrleistungen geboten.



Mehr aus dem Ressort

Suzuki hat den SX4 S-Cross deutlich schärfer gemacht
Zwei neue OttomotorenMehr als nur ein Facelift für den Suzuki SX4 S-Cross

Dezente optische Retuschen zeichnen zumeist ein Facelift in der Mitte des Lebenszyklus. Beim Suzuki SX4 S-Cross viel die Auffrischung sehr viel umfangreicher aus.


Infiniti setzt auf eine neue Motorentechnologie
Emanzipation vom DieselInfiniti setzt auf variable Verdichtung

Infiniti will die Verdichtung im Benzinmotor variabel einsetzen. Der VC-T könnte dann für jede Fahrsituation entweder Leistung oder Sparsamkeit abrufen und den Selbstzünder mittelfristig damit aus dem Programm werfen.


Kia stellt dem Optima eine Kombivariante zur Seite
Neue GT-Variante für MittelklassemodellKia erweitert Optima-Baureihe um Kombi-Variante

Kia ist auf den Kombi-Geschmack gekommen. Die zumindest in Europa sehr attraktive Karosserie-Variante wird die Erfolgschancen des koreanischen Vertreters in der Mittelklasse nicht schmälern.