12. Juni 2017

Finanzchef rückt auf Opel-Chef Neumann tritt zurück, Lohscheller übernimmt

Michael Lohscheller wird neuer Opel-Chef
Michael Lohscheller wird neuer Opel-Chef © Opel

Karl-Thomas Neumann ist von seinem Amt als Opel-Chef zurückgetreten. Der Nachfolger ist mit dem Finanzchef Michael Lohscheller auch schon gefunden.




Karl-Thomas Neumann hat den erwarteten Abgang als Opel-Chef am Montag vollzogen und ist von seinem Amt als Sprecher der Geschäftsführung bei der Adam Opel GmbH zurückgetreten. Bis zum Verkauf von Opel/Vauxhall an die PSA-Gruppe wird Neumann weiterhin Mitglied der Geschäftsführung bleiben, wie der Autobauer aus Rüsselsheim mitteilte.

Zum Nachfolger bestimmte der Opel-Aufsichtsrat einstimmig Michael Lohscheller, der seit September 2012 als Chief Financial Officer und Geschäftsführer Finanzen von Opel agierte. Mit der schnellen Besetzung soll die Kontinuität für das Geschäft und alle Stakeholder des Automobilherstellers gewahrt werden.

PSA-Chef Carlos Tavares begrüßte den Wechsel. „Wir unterstützen die Ernennung von Michael Lohscheller zum neuen CEO von Opel/Vauxhall. Mit Lohscheller und seinem Team hat Opel/Vauxhall beste Perspektiven für Mitarbeiter, Kunden und Partner. Meine persönliche Zusammenarbeit mit Michael Lohscheller ist sehr positiv und vertrauensvoll, er besitzt ein umfangreiches Wissen über die Marken Opel/Vauxhall und verfügt zudem über ausgezeichnete Marktkenntnisse. Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit ihm an der Neuausrichtung von Opel als eine werthaltige Marke mit deutschen Wurzeln innerhalb der Groupe PSA zu arbeiten."


Neumann bleibt bis Vertragsabschluss mit PSA

Neumann selbst sprach von einer „schwierigen, persönlichen Entscheidung, Opel/Vauxhall mit dem Übergang an die PSA-Gruppe zu verlassen. Ich bin stolz auf das Team und darauf, was wir gemeinsam erreicht haben. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Opel/Vauxhall mit dem Wechsel zur PSA-Gruppe noch erfolgreicher und stärker aufgestellt sein wird.“

Neumann war vor vier Jahren zum neuen Chef bestellt worden und wollte das Unternehmen ab 2016 wieder in der Gewinnzone platzieren. Doch das gelang ihm nicht: Der Brexit und der Rückzug aus Russland verhinderten das Erreichen dieses Ziels. Neumann will sich jetzt noch auf den Verkaufsabschluss an PSA konzentrieren, ehe er über seine weitere Zukunft entscheidet. In den zurückliegenden Wochen wurde viel darüber spekuliert, ob Neumann zum VW-Konzern zurückkehrt und das Amt von Audi-Chef Rupert Stadler übernimmt. Stadler steht wegen der Dieselaffäre seit geraumer Zeit unter Druck.

Lohscheller will eingeschlagenen Weg fortsetzen

Karl-Thomas Neumann
Karl-Thomas Neumann © dpa

Opel-Aufsichstratschef Dan Amman dankte Neumann für die geleistete Arbeit. „Unter der Führung von Karl-Thomas Neumann haben wir enorme Fortschritte beim Turnaround von Opel/Vauxhall erzielt." Auch Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug lobte Neumanns Arbeit. „Karl-Thomas Neumann hat für Opel wieder Anerkennung, ein verbessertes Markenimage und ein gestärktes Selbstbewusstsein erreicht. Hinzu kommt die Entwicklung wettbewerbsfähiger und aufregender, neuer Fahrzeuge.“ Zugleich begrüßte Schäfer-Klug die Entscheidung, Michael Lohscheller zum neuen Opel-Chef zu bestellen.

Lohscheller selbst will den von Neumann eingeschlagenen Weg auch unter der französischen Mutter fortführen. „Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und als Teil der PSA-Gruppe weiter an Schlagkraft gewinnen, denn hier entsteht nach dem erwarteten Closing des Vertrags ein neuer europäischer Champion“, so Lohscheller, der wie Neumann ambitionierter Maratonläufer ist. "Ich freue mich auf die neue Aufgabe und darauf, gemeinsam mit der Führungsmannschaft für die rund 38.000 Opel-Mitarbeiter und alle Stakeholder an einer erfolgreichen Zukunft für Opel/Vauxhall zu arbeiten.“ Ob perspektivisch indes alle 38.000 Mitarbeiter an Bord bleiben, ist fraglich. PSA-Chef Carlos Tavares hatte personelle Einschnitte nach dem 2018 endenden Kündigungsschutz nicht ausgeschlossen.

Am Wochenende hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" über den bevorstehenden Rücktritt Neumanns berichtet. So wolle Neumann den Aufsichtsrat am 22. Juni über seine Pläne informieren, hatte das Blatt geschrieben. Nun ging es doch schneller als erwartet. (AG/TF)



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