3. Juni 2015

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann «Nur wer an sich glaubt, hat Erfolg»

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann gibt sich optimistisch.
Opel-Chef Karl-Thomas Neumann gibt sich optimistisch. © dpa

Karl-Thomas Neumann geht unverändert davon aus, bis 2016 mit Opel zur Profitabilität zurückzukehren. Dabei lässt sich der Opel-Chef auch nicht vom Markteinbruch in Russland beeindrucken, wie er der Autogazette sagte.




Opel-Chef Karl-Thomas Neumann geht ungeachtet des Markteinbruchs in Russland davon aus, dass der Autobauer wie geplant bis 2016 wieder schwarze Zahlen schreiben wird. «Natürlich haben wir in unserem Plan 2016 mit Wachstum in Russland gerechnet. Doch wir kompensieren den Verlust in Russland nicht nur, wir wachsen in vielen Märkten Europas stärker als erwartet. Das trifft beispielsweise auf Südeuropa, die Türkei, Niederlande oder auch Großbritannien zu», sagte Neumann im Interview mit der Autogazette.


«Bin sicher, dass wir unser Ziel erreichen»

Natürlich sei der Markteinbruch in Russland nicht kalkulierbar gewesen, «aber wir haben im Vorfeld das richtige getan, um unser Geschäft auf eine gute Grundlage zu stellen. Damit konnten wir auf Unwägbarkeiten besser reagieren», fügte der Opel-Chef hinzu. «Deshalb bin ich sicher, dass wir unser Ziel erreichen, bis 2016 mit Opel wieder schwarze Zahlen zu schreiben.»

«Haben im Vorfeld das richtige getan»

Karl-Thomas Neumann (l.) vor dem London Marathon
Karl-Thomas Neumann (l.) vor dem London Marathon © Opel

Autogazette: Herr Neumann, während Sie gerade den London Marathon erfolgreich absolviert haben, scheint Opel auf dem Weg zur angepeilten Profitabilität im Jahr 2016 auch aufgrund des Markteinbruchs in Russland einzubrechen.

Karl-Thomas Neumann: Wie kommen Sie darauf? Ich selbst habe unser Ziel, das Erreichen der Profitabilität im Jahr 2016, immer mit einem Marathonlauf verglichen. Auch beim Marathon kommt es darauf an, nicht naiv ins Rennen zu gehen. Man muss gut vorbereitet sein. Aber es gibt Abschnitte, wo es gut läuft, aber auch Zeiten, wo es härter wird. Dazu gehört vergleichsweise der Markteinbruch in Russland, in dessen Folge wir uns entschlossen haben, uns Ende des Jahres von diesem Markt zurückzuziehen.

Autogazette: Der Markteinbruch in Russland dürfte aber kaum kalkulierbar gewesen sein.

Neumann: Das nicht, aber wir haben im Vorfeld das richtige getan, um unser Geschäft auf eine gute Grundlage zu stellen. Damit konnten wir auf Unwägbarkeiten besser reagieren. So haben wir in neue Produkte investiert und unser Markenimage verbessert. Deshalb bin ich sicher, dass wir unser Ziel erreichen, bis 2016 mit Opel wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Dass das gelingen wird, sieht man daran, dass wir Marktanteile hinzugewonnen haben – und das auch in schwierigen Märkten. Das Volumen, das wir in Russland verloren haben, haben wir in anderen Ländern kompensieren können.

«Natürlich haben wir mit Wachstum in Russland gerechnet»

Mit dem Adam bedient Opel das Lifestyle-Klientel
Mit dem Adam bedient Opel das Lifestyle-Klientel © Opel

Autogazette: Zeichnen Sie nicht ein zu blumiges Bild von der Zukunft? Russland war ein Stützpfeiler Ihrer Strategie für das Ziel 2016?

Neumann: Natürlich haben wir in unserem Plan 2016 mit Wachstum in Russland gerechnet. Doch wir kompensieren den Verlust in Russland nicht nur, wir wachsen in vielen Märkten Europas stärker als erwartet. Das trifft beispielsweise auf Südeuropa, die Türkei, Niederlande oder auch Großbritannien zu.

Autogazette: In Europa ist Opel/Vauxhall in den ersten vier Monaten mit 314.000 Einheiten um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Schaut man sich den Anteil der Eigenzulassungen hat, kann man auch sagen, Sie erkaufen sich Ihren Erfolg.

Neumann: Keineswegs. Im Auslauf des alten Corsa haben unsere Händler das Instrument der Eigenzulassung zwar zur Verkaufsförderung eingesetzt. Doch was viele übersehen ist, dass wir ein immer stärkeres Augenmerk auf Firmenwagen und das Geschäft mit dem Mitarbeiter-Leasing legen.

Autogazette: Das Vorjahr haben Sie mit einer Eigenzulassungsquote von 43 Prozent beendet. Verträgt sich das mit profitablem Wachstum?

Neumann: Da muss man sich die Zahlen schon genau anschauen: Mitarbeiterzulassungen sind etwas anderes als Tageszulassungen, entsprechend sind wir gut unterwegs. Unsere neuen Produkte kommen bei den Kunden an, entsprechend müssen wir nicht künstlich Absatz in den Markt schieben.

«Mit dem Mitarbeiterleasing können wir mehr Geld verdienen»

Der Opel Karl soll budgeorientierte Kunden ansprechen
Der Opel Karl soll budgeorientierte Kunden ansprechen © Opel

Autogazette: Ihr erklärtes Ziel ist es also, die Eigenzulassungsquote weiter zurück zu drehen?

Neumann: Schaut man sich das Wettbewerbsumfeld an, dann gibt es Mitbewerber, die mehr als ein Drittel ihrer Fahrzeuge in Deutschland an Mitarbeiter verkaufen. Wir liegen deutlich darunter. Wie ich bereits sagte: Eine Tageszulassung ist qualitativ etwas anderes als ein Mitarbeiterleasing, mit dem sie Geld verdienen können. Dieses Geschäft wollen wir weiter ausbauen.

Autogazette: Sie betonen mehrfach das Mitarbeiter-Leasing: Ist dieser Kanal für die Absatzgenerierung so wichtig?

Neumann: Natürlich, auch hier wollen wir wachsen. Und hier gibt es Marktsegmente, in denen man qualitativ höherwertig wachsen kann und andere, in denen man nicht so viel Geld erwirtschaftet. Mit dem Mitarbeiterleasing können wir mehr Geld verdienen als beispielsweise im Flotten- oder im Eigenzulassungsgeschäft. Wir wachsen nicht um jeden Preis.

Autogazette: Sie bringen am 20. Juni den neuen Opel Karl auf den Markt. Wie wichtig ist dieses Einstiegsmodell für die Marke?

Neumann: Der Karl ist wichtig, weil er für uns neue Zielgruppen erobern wird. Er hilft unseren Händlern, neue Kunden in die Showrooms zu bekommen. Dieses Auto war auch wichtig dafür, unsere Händler nach der Einstellung der Marke Chevrolet davon zu überzeugen, ihre Flächen für Opel und nicht für andere Marken zu nutzen.

«Es herrscht jetzt eine Klarheit für den Kunden»

Autogazette: Haben Sie von der Einstellung der Marke Chevrolet in Europa so profitiert, wie Sie sich das erhofft haben?

Neumann: Ja, es herrscht jetzt eine Klarheit für den Kunden. Wir konzentrieren all unsere Ressourcen auf eine Marke. Und mit dem Karl haben wir nun ein Modell im Angebot, mit dem wir gerade die budgetorientierten Kunden ansprechen können.

Autogazette: Würden Sie sagen, dass Sie mit dem Karl erstmals auch die Kunden von Chevrolet erreichen, die sie bislang nicht erreicht haben und die sich deshalb bei Fremdmarken orientiert haben?

Neumann: Ja. Opel war immer preislich höher als Chevrolet positioniert, doch mit dem Karl zeigen wir, dass wir auch ein günstiges Auto anbieten können, das immer noch ein vollwertiger Opel ist.

Autogazette: Ärgert es Sie, wenn man sagt, dass der Karl eigentlich ein Chevrolet Spark ist?

Neumann: Nein, nur solche Gerüchte ärgern mich. Unsere Autos basieren schlicht auf Konzernarchitektur. Wer im Karl sitzt, erkennt, dass es sich dabei um einen Opel handelt. Übrigens verhalten sich unsere Wettbewerber auch nicht anders – auch Sie bieten für die verschiedenen Marken Modelle an, die auf der gleichen Plattform basieren.

«Das ist schon für alle Hersteller ein Klimmzug»

Der Corsa OPC
Der Corsa OPC © Opel

Autogazette: Welche Rolle spielt der Karl für die Erreichung des CO2-Grenzwertes von 95 g/km bis 2021?

Neumann: Das ist schon für alle Hersteller ein Klimmzug. Der Karl hilft uns ganz maßgeblich, die strengen CO2-Grenzwerte der EU zu erreichen. So stößt der Karl gerade einmal 99 g/km CO2 aus. Niemand weiß schon jetzt, wie unser Dieselmix nach 2021 aussehen wird, wie hoch der Allradantrieb bei unseren SUVs sein wird. Wir sehen Trends im Markt, die alle für die Erreichung des CO2-Grenzwertes nicht hilfreich sind.

Autogazette: Mit Blick auf die alternativen Antriebe setzen sie auf LPG und CNG. Wird es perspektivisch den Karl auch mit einem dieser Kraftstoffe geben oder sogar mit Elektroantrieb?

Neumann: Das steht noch nicht fest, da wir den Karl als ein Modell mit wenigen Optionen einführen wollen. Nur so lässt sich ein Preis von 9500 Euro überhaupt darstellen. LPG und CNG wollen wir eher bei Adam und Corsa anbieten. Doch wenn wir sehen, dass wir für unser Flottenziel im Karl noch andere Motoren brauchen, könnten wir das ohne weiteres tun.

Autogazette: Welche Rolle spielt für Sie der Plug-in-Hybrid?

Neumann: Perspektivisch können wir uns das für unsere teureren Fahrzeuge vorstellen. Aber derzeit gehen wir davon aus, dass wir die CO2-Ziele ohne Elektrifizierung erreichen können. Jeder Art von Elektrifizierung ist immer der teuerste Weg, deshalb versuchen wir bei Opel den Weg über hocheffiziente Motoren und Getriebe zu gehen.

Autogazette: Für den Karl gibt es europaweit bereits 25.000 Vorbestellungen, obwohl das Auto noch nicht bei den Händlern steht. Deckt sich diese Zahl mit Ihren Vorstellungen?

Neumann: Es überrascht mich nicht mehr, nachdem ich den Karl selber erstmals gefahren bin. Er fährt sich richtig gut und stellt mit seinem Preis einen super Deal dar. Ich bin mir sicher, dass der Karl ein voller Erfolg wird.

Autogazette: Welche Erwartungshaltung haben Sie denn im ersten vollen Jahr an den Karl?

Neumann: Ich gehe davon aus, dass wir aufgrund der Produktionskapazitäten und der Verteilung der Autos auf die verschiedenen weltweiten Märkte gar nicht so viele Autos bekommen, wie wir verkaufen könnten. Der Karl wird eher ausverkauft sein als dass wir zu viele von ihm auf dem Hof stehen haben.

«Wir sind schon in der harten Phase»

Der neue Astra kommt im September
Der neue Astra kommt im September © Opel

Autogazette: Ab wann wird es eigentlich das erste Auto geben, das ihre Handschrift trägt?

Neumann: Bereits beim Karl sehen Sie mit Blick auf das Infotainment meine Handschrift, sie werden sie im neuen Astra und sie werden sie ganz deutlich im kommenden Insignia sehen.

Autogazette: Sie sind jetzt seit zwei Jahren Opel-Chef. Was war in dieser Zeit im Rückblick Ihre wichtigste Aufgabe?

Neumann: Dass ich der Mannschaft wieder das Vertrauen, das Selbstbewusstsein in die Marke zurückgegeben habe. Opel gehört zu den Siegern. Es herrscht bei uns wieder Aufbruchsstimmung. Nur wer an sich glaubt, hat Erfolg.

Autogazette: Wenn Sie sich die 42,195 Kilometer lange Strecke des Marathons anschauen. Auf welchem Kilometer befindet sich Opel derzeit mit Blick auf 2016?

Neumann: Wir sind schon in der harten Phase, befinden uns auf dem letzten Drittel. Viele unserer Mitarbeiter waren selbst überrascht, wie gut es voran geht. Opel kann Marktanteile gewinnen, wie die vergangenen Monate immer wieder gezeigt haben.

Autogazette: Sie sind aber zuversichtlich, dass Opel nicht auf den letzten Kilometern noch die Luft ausgeht?

Neumann: Ich verschwende keine Sekunde an einen solchen Gedanken.

Das Interview mit Karl-Thomas Neumann führte Frank Mertens



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