«Mit dem Opel Karl werden wir unsere Freude haben»

Deutschland-Vertriebschef Jürgen Keller

Jürgen Keller verantwortet den deutschen Vertrieb von Opel.
Jürgen Keller verantwortet den deutschen Vertrieb von Opel. © AG/Mertens

Opel hat das neue Jahr mit einem satten Plus begonnen. Im Interview mit der Autogazette spricht Deutschland-Vertriebschef Jürgen Keller über neue Motoren, die Bedeutung des Kleinstwagens Karl für die Marke und das wichtige Flottengeschäft.

Opel sieht sich nach einem gelungenen Start ins neue Jahr mit einem Absatzplus von 9,2 Prozent im Januar im Aufwind. «Ich gehe fest davon aus, dass wir beim Absatz als auch beim Marktanteil zulegen werden und Ende des Jahres wieder besser abschneiden werden als 2014. Wir befinden uns mit unserer Produktoffensive voll im Plan», sagte Opel-Vertriebschef Jürgen Keller im Interview mit der Autogazette. Opel hatte im Vorjahr auf seinem Heimatmarkt 219.000 Einheiten abgesetzt und ein Plus von 5,6 Prozent erzielt.

Absatzwachstum durch Opel Karl

Seine Zuversicht für 2015 zieht Keller unter anderem aus dem erfolgreichen Start des neuen Corsa mit mittlerweile europaweit 120.000 Bestellungen und den bevorstehenden Premieren des Kleinstwagens Karl, des im Herbst auf den Markt kommenden Astra und der verbesserten Konjunkturaussichten in Deutschland. «Die verbesserten wirtschaftlichen Rahmendaten in Deutschland werden wir auch bei unserem Absatz in diesem Jahr spüren.»

Vor diesem Hintergrund und sinkender Energie- und Spritkosten geht Keller auch von einem sinkenden Rabattniveau im Neuwagengeschäft aus. Mit dem Kleinstwagen Karl hofft Opel auf neue Kunden für die Marke. «Wir versprechen uns absatzmäßig dann auch eine Menge vom Karl, da er in einem Segment unterwegs ist, das nach dem der SUVs das am stärksten wachsende ist. Mit dem Opel Karl werden wir unsere Freude haben.»

Dass Opel sich den Erfolg des Vorjahrs mit einem hohen Anteil von Eigenzulassungen erkauft hat, wurde von Keller zurückgewiesen. «Die Händlerzulassungen waren am Ende des Jahres nicht höher als zu Beginn des Jahres. Doch ich finde diese Eigenzulassungen auch nicht kritisch, da die Kunden nach Tageszulassungen verlangen. Wir als Unternehmen passen uns mit unserer Handelsorganisation diesen Marktgegebenheiten nur an.» Für dieses Jahr erwartet Keller mit Blick auf den neuen Corsa indes weit weniger Eigenzulassungen, «da wir den Abverkauf des vorherigen Corsa entsprechend durch Tageszulassungen mit attraktiven Preisen unterstützt haben. Der Blick auf den Vorjahresabsatz belegt: das war die richtige Entscheidung.»

«Positive Januar-Zahlen haben mich nicht überrascht»

Der Karl wird in Genf gezeigt Opel

Autogazette: Herr Keller, Opel hat mit rund 13.600 Fahrzeugen und einem Absatzplus von 9,2 Prozent einen erfolgreichen Jahresauftakt erwischt. Hat Sie dieses satte Plus angesichts der weiter kritischen Marktsituation überrascht?

Jürgen Keller: Nein, die positiven Januar-Zahlen haben mich nicht überrascht. Wir haben die Zahlen erzielt, die wir erwartet haben. So konnten wir schließlich auch schon vom Anlauf des neuen Corsa profitieren. Der Start ins neue Jahr stimmt mich mit einem Zuwachs von 9,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat mit Blick auf dieses Jahr sehr zuversichtlich. Nicht zu vergessen: Neben dem Wachstum im Pkw-Bereich sind wir auch im Nutzfahrzeugbereich um 0,4 Prozent gewachsen.

Autogazette: Im vergangenen Jahr kam Opel in Deutschland auf einen Gesamtabsatz von etwas mehr als 219.000 Fahrzeugen, ein Plus von 5,6 Prozent und zugleich ein Marktanteil von 7,2 Prozent. Welche Erwartungen haben Sie für 2015?

Keller: Konkrete Zahlen kann ich Ihnen heute nicht nennen. Doch ich gehe fest davon aus, dass wir beim Absatz als auch beim Marktanteil zulegen werden und Ende des Jahres wieder besser abschneiden werden als 2014. Wir befinden uns mit unserer Produktoffensive voll im Plan.

«Erwarte einen leichten Zuwachs im Gesamtmarkt»

Opel präsentiert sich nicht nur mit dem Insignia gut gerüstet für das neue Jahr.
Der Insignia bei Testfahrten in Irland Opel

Autogazette: Wie schätzen Sie den Gesamtmarkt in Deutschland nach den 3,03 Millionen Einheiten des Vorjahres ein?

Keller: Ich bin da zuversichtlich. Ich erwarte einen leichten Zuwachs im Gesamtmarkt .

Autogazette: Schaut man sich den Anteil der Eigenzulassungsquote von Opel im Dezember von über 50 Prozent an, kann man den Eindruck gewinnen, Sie hätten sich den Erfolg erkauft.

Keller: Nein, wir haben uns hier kein Volumen erkauft. Die Händlerzulassungen waren am Ende des Jahres nicht höher als zu Beginn des Jahres. Doch ich finde diese Eigenzulassungen auch nicht kritisch, da die Kunden nach Tageszulassungen verlangen. Wir als Unternehmen passen uns mit unserer Handelsorganisation diesen Marktgegebenheiten nur an.

Autogazette: Gehen Sie davon aus, dass Sie auch in diesem Jahr einen derart hohen Anteil an Eigenzulassungen haben werden?

Keller: Nein, davon gehe ich nicht aus. Mit dem neuen Corsa erwarten wir einen Rückgang dieser Eigenzulassungen, da wir den Abverkauf des vorherigen Corsa entsprechend durch Tageszulassungen mit attraktiven Preisen unterstützt haben. Der Blick auf den Vorjahresabsatz belegt: das war die richtige Entscheidung. Das Rabattniveau wird angesichts der besseren Konjunkturdaten, niedriger Energie- und Spritkosten auch weiter zurückgehen. Die verbesserten wirtschaftlichen Rahmendaten in Deutschland werden wir auch bei unserem Absatz in diesem Jahr spüren.

«Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt»

Opel bringt vom neuen Corsa auch wieder eine OPC-Variante.
Der neue Opel Corsa OPC Opel

Autogazette: Neben dem Astra ist der Corsa das für Opel wichtigste Auto. Was erwarten Sie von ihm in diesem Jahr?

Keller: Auch hier gilt: Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt. Doch der neue Corsa stimmt mich sehr zuversichtlich, wie auch die bisherigen Vorbestellungen von bislang europaweit 120.000 Einheiten zeigen. Das Fahrzeug kommt beim Kunden hervorragend an. Sicherlich ist dies neben dem guten Produkt auch auf unsere neue Oh-Kampagne zurückzuführen. Dass wir im Corsa Technologien anbieten, die man sonst nur aus der Oberklasse kennt, weiß der Kunde zu schätzen.

Autogazette: Opel setzt gerade seine Motoren-Offensive fort und bietet für den Insignia und Mokka neue Dieselmotoren mit geringeren Verbrauchswerten an. Wird das auch das Flottengeschäft beeinflussen?

Keller: Ich denke schon. Heute liegt der Anteil der Flottenkunden beim Insignia bei 75 Prozent und ich gehe davon aus, dass dieser Anteil noch etwas steigen wird, da unsere neuen Dieselmotoren durch ihre niedrigen Verbrauchswerte noch interessanter für Gewerbetreibende werden. Entsprechend werden die neuen Motoren positiven n Einfluss auf unsere Verkäufe nehmen.

Autogazette: Im März stellen Sie den Kleinstwagen Karl in Genf vor. Ist es das Auto, das Ihnen am meisten Absatz bringen wird?

Keller: Eines ist klar: Der Karl wird neue Kunden zur Marke bringen, dessen bin ich mir sicher. So wie wir den Kunden mit einem Einstiegspreis von 9500 Euro überrascht haben - die meisten dachten, wir preisen ihn bei 9990 Euro ein - wird er auch durch sein Design und seine Fahreigenschaften die Kunden überzeugen. Wir versprechen uns absatzmäßig dann auch eine Menge vom Karl, da er in einem Segment unterwegs ist, das nach dem der SUVs das am stärksten wachsende ist. Mit dem Opel Karl werden wir unsere Freude haben, weil das Segment steigt. Es ist sensationell, dass es uns gelungen ist, ein solches Auto zu einem solchen Preis anzubieten.

«Wir profitieren also gleich zweimal vom neuen Astra»

Der Opel Astra 1.6 CDTI begnügt sich mit 100 PS und 3,7 Litern Verbrauch.
Der Nachfolger des Opel Astra kommt im Herbst Opel

Autogazette: Im Herbst werden Sie auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zudem den neuen Astra vorstellen. Wird er in diesem Jahr noch nachhaltig Einfluss auf den Absatz nehmen können?

Keller: Wir werden den Astra im Herbst auf den Markt bringen und er wird unseren Absatz auch noch in diesem Jahr nachhaltig beeinflussen. Zugleich erwarten wir auch noch einmal hohe Absatzzahlen im Auslauf dieses Modells. Wir profitieren also gleich zweimal vom neuen Astra.

Autogazette: Wenn Sie auf den Vertrieb schauen: Reicht die Händlerzahl aus, um das angepeilte Wachstum zu erreichen?

Keller: Mit Blick auf die Anzahl der Händler ja, aber wir werden auch noch Vertriebskanäle erschließen. So haben wir gerade erst im Herbst mit der Initiative des kommunalen Behörden-Leasings begonnen. Über diesen Weg werden wir weiteren Absatz generieren. Zugleich haben wir ohne Frage noch Nachholbedarf im Kleinflottenbereich - hier gibt es für uns weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Ferner werden wir in Zukunft in unseren Händlerbetrieben auch verstärkt Nutzfahrzeuge präsentieren, um auch hier den Kunden noch stärker als bisher unsere Produkte nahe zu bringen. Nach dem Rückzug von Chevrolet vom europäischen Markt bieten 75 Prozent unserer Händler mittlerweile ausschließlich nur noch Opel-Modelle an - Streuverluste fallen damit also weg. Sie sehen: Wir sind sehr zuversichtlich, auch 2015 mit einem neuerlichen Absatzerfolg abzuschließen.

Das Interview mit Jürgen Keller führte Frank Mertens