28. März 2017

Kapitän, Admiral, Diplomat Opel und seine berühmten «KAD»-Modelle

Opels große Drei. Fotos ▶
Opels große Drei. © Opel

Der Opel Kapitän ist für die Fans der Marke der beste Opel aller Zeiten. Doch was war das Geheimnis dieses Modells? Es bot Premiumambiente zu einem erschwinglichen Preis – und noch viel mehr.




Natürlich erreichte der Kapitän nie den Nimbus eines Mercedes oder das dynamische Image eines BMW, aber das Opel-Flaggschiff fuhr als allererster Oberklassetyp auf Platz drei der bundesdeutschen Zulassungsstatistik - direkt hinter VW Käfer und Olympia Rekord. Was war das Geheimnis des nach Ansicht seiner Fans besten Opels aller Zeiten? Ganz einfach: Der Kapitän ließ kaum eine Komfort-Annehmlichkeit vermissen und kostete dennoch keinen Premiummarken-Aufpreis.

Geizen in der Geschäftswagenklasse, das war schon im Wirtschaftswunder-Deutschland geil, zumindest wenn es nicht mit dem Verzicht auf große Chrom-Karossen und Sechszylinder einherging. Für Feinschmecker offerierte Opel ab 1964 sogar die Noblesse eines kostengünstigen Achtzylinders in der „KAD“-Flotte aus Kapitän, Admiral und Diplomat.


Mutige Gegenentwürfe wie der Signum

Als der Glanz des Blitzes an den KAD-Spitzentypen verblasste, setzte Opel 1977 den Senator in Szene. Ein bezahlbarer Sechszylinder, den die Fachwelt feierte als „das beste Auto, das Opel je gebaut hat“. Technische Klasse allein genügte allerdings bald nicht mehr, gefragt waren in der feinen Businessclass plötzlich Premiummarken. Opel konterte mit mutigen Gegenentwürfen wie dem Signum, einem Mittelklasse-Fünftürer mit fürstlichem Platzangebot im Fond. Ein Konzept, das kaum ein Opel Kunde honorierte. Besser klappte es mit dem ersten Insignia, der nun als neuer Insignia Grand Sport zurück zu alter Größe finden soll. Wie bereits beim Kapitän bietet er Premiumambiente zum Preis der Mittelklasse.

Schließlich waren die Opel der größten Klasse einst die besten Kassenfüller und schwarze Zahlen sind für die vom PSA-Konzern gekaufte Marke heute überlebenswichtiger denn je. Tatsächlich erinnert sogar der Insignia-Werbeslogan „Zeit für ein Statement“ an die Ära des von Opel-Händlern liebevoll „Goldesel“ genannten Flaggschiffs Kapitän. Erklärte doch das Marketing zum Start des ersten Nachkriegs-Kapitän vor 70 Jahren: „Wer nicht das Alltägliche, sondern das 'Mehr' sucht, nennt einen Namen: Opel Kapitän“.

Ein Statement durch „Mehr“ setzten die Käufer des 1947 angekündigten und ein Jahr später gebauten Kapitän in der Tat. Stand der erste deutsche Nachkriegs-Sechszylinder doch für die hohe Schule amerikanischer Fahrkultur und ein glamouröses Fahrzeugformat, dem anfangs nicht einmal Mercedes etwas entgegen setzen konnte. Fast zehntausend Mark verlangte Opel bis 1950 für seinen Full-Size-Viertürer, mehr als drei Jahres-Einkommen des deutschen Durchschnittverdieners. Was Wirtschaftsführer, Vorstände, Kaufleute und selbstständige Handwerker nicht davon abhielt, den Kapitän unter den populärsten deutschen Autos zu platzieren. Mehr noch, der Rüsselsheimer Marinedienstgrad war über Jahrzehnte das automobile Wohlstandssymbol schlechthin. Ganz so wie es der Liedermacher Reinhard Mey in seinem Song vom „51er Kapitän“ erzählt. Eine schneeweiße Luxuslimousine mit Chromglanz und domartigen Dachhimmel, die sich Meys Vater im tristen Nachkriegsdeutschland erträumt.

Gardemaß von fast fünf Metern

Kennzeichnend für die insgesamt neun Kapitän-Generationen war auch das Gardemaß von fast fünf Meter Länge, das genügte, um alle wichtigen Konkurrenten zu überragen. Ein Schelm, wer beim ebenso langen Insignia Grand Sport ähnliche Wachstumsmotive vermutet. Entgegen der Kapitän-Kampagne „Ein Star, der keine Launen kennt“, musste sich übrigens auch dieser Opel ob seiner Eigenwilligkeiten Kritik gefallen lassen. Kam der deutsche Straßenkreuzer doch immer wieder kurzzeitig vom Kurs ab. Zunächst durch sein amerikanisch-weiches Fahrwerk, das deshalb 1951 straffer abgestimmt wurde. Das damals bereits überlebte Vorkriegsdesign wurde jedoch erst 1953 durch eine zeitgeistige Pontonform ersetzt, die dann in übertriebener Hektik nach amerikanischem Vorbild jährlich aktualisiert wurde. Was 1958 im Kapitän P 2,5 kulminierte, dessen GM-Stil mit zu kleinen Einstiegsöffnungen die Stammkundschaft verprellte. Opel aber wusste, wie man Krisen managt und lancierte 1959 den Luxuscruiser Kapitän P 2,6 zu Schnäppchenpreisen, die Rekord-Verkaufszahlen in ganz Europa garantierten.

Der Opel Kapitän P 1 aus dem Jahr 1958
Der Opel Kapitän P 1 aus dem Jahr 1958 © Opel

Nach 145.000 Kapitän P 2,6 in nur drei Jahren positionierte sich 1964 eine erweiterte „KAD“-Flotte aus Kapitän, Admiral und Diplomat mit bis zu 169 kW/230 PS starken V8. Zum vorerst letzten Mal gab die Marke Gelegenheit zu Schlagzeilen wie „Blitz schlägt Benz“, denn der Diplomat V8 wurde noch einmal meistverkaufte deutsche Oberklasse vor dem Mercedes 300 SE.

Diese Überlegenheit war in den 1970er Jahren Vergangenheit. Die letzte bis 1977 gebaute KAD-Generation (zuletzt nur noch als Admiral und Diplomat), musste sich gegen viele neue Konkurrenten, etwa von BMW, Volvo oder Jaguar wehren, vor allem aber gegen die mittlerweile dominierende Mercedes S-Klasse. Trotzdem folgte 1977 in Form des Senator noch eine finale automobile Führungspersönlichkeit aus Rüsselsheim, die nach den Sternen griff. Abgeleitet zuerst vom Rekord bzw. 1987 als Senator B vom Omega bot das Topmodell alles an Luxus und moderner Fahrwerkstechnik, was das anspruchsvolle Premiumsegment verlangte. Die Fachpresse jubelte, auch ob der flotten Fahrleistungen der Sechszylinder, die es mit Mercedes E-Klasse und BMW 5er aufnehmen konnten und sogar mit Technikfeatures wie beim BMW 7er brillierten. Allein die Verkaufszahlen der Flaggschiffe mit Blitz konnten spätestens ab dem Senator B nicht mehr reüssieren. Zu sehr ähnelte dieser Senator dem Omega und zu sehr litt das Opel-Markenimage inzwischen durch Qualitätsprobleme.

Auf die Überholspur

Der Kapitän A
Der Kapitän A © AG/Mertens

Als dann auch noch 1999 der bereits als IAA-Premiere präsentierte Omega mit 5,7-Liter-V8 statt aufs Fließband ins Archiv gefahren wurde, war die Opel-Oberklasse endgültig Geschichte. Stattdessen blieb es dem 2003 eingeführten Signum überlassen, Zeichen zu setzen. Eine Flaggschiff-Funktion, die das fünftürige Mittelklassemodell überforderte – trotz eines um 13 Zentimeter vergrößerten Radstands gegenüber dem technisch eng verwandten Vectra und trotz neuer 2,8-Liter-V6-Benziner und 3,0-Liter-V6-Diesel. Die Kunden verstanden das „Flexspace“ genannte, Van-ähnlich variable Interieurkonzept des Signum nicht und kauften lieber den konventionellen Vectra. Ersetzt wurden beide Modelle 2008 durch den Insignia, der sich in seinen Abmessungen früheren Opel-Flaggschiffen wieder annäherte.

Immerhin basierte der Insignia auf der GM Plattform Epsilon 2, die in leicht vergrößerter Form sogar den US-Kreuzern Cadillac XTS und Buick LaCrosse Platz bot. Tatsächlich gelang es Opel, mit dem unaufgeregt gezeichneten Insignia in der Mittelklasse endlich wieder Führungsqualitäten zu zeigen, fuhr der größte Pkw mit Blitz doch vielen Wettbewerbern bei Fahrdynamik und feinen Ausstattungsdetails davon. Was noch fehlte, war das Sieger-Gen des Bestsellers. Dieses wollen die Opel-Ingenieure nun mit der Insignia-Neuauflage gefunden haben. Wie einst der Kapitän soll der neue Insignia Grand Sport mit starker Technik und großem Komfort zu kleinem Preis auf die Überholspur wechseln. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. (AG/SP-X)



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