8. Juli 2015

Angriff auf VW Golf Neuer Opel Astra in Borussia Dortmund-Rolle

Der neue Opel Astra feiert Weltpremiere auf der IAA. Fotos ▶
Der neue Opel Astra feiert Weltpremiere auf der IAA. © Opel

Noch verkleidet konnte Autogazette bereits den neuen Opel Astra fahren. Nun haben die Rüsselsheimer das Leinentuch gezogen und das äußere und innere Design gezeigt.




Von Thomas Flehmer

Dass Defizite bestanden, weiß man in Rüsselsheim. Schließlich können die Verantwortlichen die Verkaufszahlen lesen wie Bundesliga-Trainer die Tabelle. So lag der Opel Astra in der Kompaktsegment-Saison 2014 auf dem vierten Platz in Europa, auf dem Heimatmarkt sogar einen Rang schlechter. Zurück auf das Podium heißt deshalb die Devise. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann geht sogar noch weiter. „Niemand hat verboten, den VW Golf anzugreifen“, sagte Horst Bormann im Gespräch mit der Autogazette, der Projektleiter für den neuen Astra, zu seinem Auftrag.


Gewicht als Schlüsselbaustein

Sicher, es ist nicht verboten, doch der Klassiker aus Wolfsburg nimmt zumindest in Deutschland die Rolle des FC Bayern München ein, währenddessen die Rüsselsheimer den VfL Wolfsburg darstellen wollen, sich aber noch mit der Rolle von Partner Borussia Dortmund begnügen müssen. Doch wie mit dem Trainerwechsel beim Bundesligisten aus der Bierstadt nimmt auch in Rüsselsheim ab Oktober nach der Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt ein Neuer die Rolle des Leaders ein. Und neue Besen sollten dann auch besser kehren, schließlich trägt der Astra gemeinsam mit dem Corsa über 50 Prozent des gesamten Verkaufsergebnisses bei. Doch die Ansätze sind gut gelegt.

„Wir mussten Defizite tilgen. Das alte Fahrzeug war zu schwer, verbrauchte zu viel und auch bei der Aerodynamik musste nachgelegt werden“, so Bormann. Der um knapp fünf Zentimeter auf nunmehr 4,37 Meter Länge geschrumpfte Astra erhielt eine komplett neue Architektur und nahm beim laut Bormann „Kernthema“ um mindestens 120 Kilogramm ab. „Bei der Rohkarosserie sind es 70 Kilogramm, beim Chassis 50 Kilos“, so Bormann. Je nach Motorkonfiguration bringt der neue Astra bis zu 200 Kilogramm weniger auf die Waage. „Das ist unser Schlüsselbaustein.“

Auch Design des Opel Astra erfährt Effizienz

Auf den ersten Blick fallen Unterschiede kaum auf
Auf den ersten Blick fallen Unterschiede kaum auf © Opel

Dass der Gewichtsverlust und die ebenfalls neu eingesetzte Motorengeneration dem Astra der mittlerweile elften Kompaktklassen-Generation aus Rüsselsheim erheblich mehr Agilität verleihen als dem Vorgängermodell, konnte die Autogazette bereits auf Validierungsfahrten mit dem verklebten Erlkönig gewissermaßen erfahren. Nun hat Opel schon mal den Vorhang gehoben und einen Blick auf das neue Design innen wie außen erlaubt.

Auf den ersten Blick fallen dabei die Unterschiede gar nicht so sehr auf, da der „neue Astra ein paar Elemente vom alten Astra übernommen hat“, wie Assistant Chief Designer Florian Mockenhaupt erklärt. „Auch für das Design war Effizienz das Hauptmerkmal. Das Design muss deshalb sitzen wie ein maßgeschneiderter Anzug.“

Kleine Kniffe für mehr Sportlichkeit

Der Heckspoiler des neuen Opel Astra fällt länger aus
Der Heckspoiler des neuen Opel Astra fällt länger aus © Opel

So wurden Kühlergrill und Leuchten miteinander verbunden, um eine flachere Ästhetik zu vermitteln, die durch eine mittig durchzogene Chromspange laut Mockenhaupt verstärkt werde. Viele Kanten wurden den Blechen zugefügt, wie die beiden Falten in der Motorhaube, die eine gewisse Ähnlichkeit zu den so genannten Powerdomes herstellen. Auch die Seite des flacher ausgefallenen Astra K durchzieht eine Chromspange bis hinter die C-Säule und verbindet Bug und Heck sozusagen miteinander. Auch beim Heck spielt die C-Säule eine Rolle, denn das Heckfenster wird bis dorthin gezogen. Zudem sorgt ein weiter nach hinten gezogener Heckspoiler für eine bessere Aerodynamik.

Während außen kleine Kniffe mehr Sportlichkeit verleihen, hat sich das Cockpit enorm verändert. „Das Auto wird von links nach rechts gezogen“, sagt Mockenhaupt über die einheitliche Linie des Armaturenbrettes. Ein Touchscreen darf dabei nicht fehlen, auch hier wurde „viel Arbeit investiert.“ Denn während die Monitore viereckig sind, haben die Designer den Touchscreen in die seitlich angebrachten Lüftungsdüsen fließen lassen, um auch im Innenraum eine gewisse Dynamik zu erzeugen.

Opel Astra ab 17.260 Euro

Das Cockpit des Opel Astra wurde entrümpelt
Das Cockpit des Opel Astra wurde entrümpelt © Opel

Erfrischend wirkt aber vor allem die Entrümplung der Mittelkonsolen. Thronten dort vorher zahlreiche Knöpfe und Schalter, so gibt es jetzt drei klar definierte Bereiche, über die gesteuert werden kann. Unter dem Touchscreen liegen die Knöpfe der Klimatisierung, darunter befindet sich die Bedienung der Fahrmodi, die allerdings erst in den höheren Ausstattungslinien zum Einsatz kommt.

Mit dem Telematiksystem OnStar, mit dem Concierge-Dienste ebenso abgerufen wie Hilfe im Notfall geholt oder per Hotspot ins Internet gegangen werden kann, ist auch die Konnektivität gegeben, im ersten Jahr entfällt sogar die monatliche Rate. Und mit dem LED Matrix-Licht setzt Opel im Kompaktsegment Maßstäbe, wie bereits auf der Validierungsfahrt eindrucksvoll bewiesen wurde. So kann der Astra bei einem Aufpreis von 1150 Euro dauerhaft Fernlicht erzeugen und die Bereiche des Gegenverkehrs dabei ausblenden. Bis zu 1,5 Sekunden mehr Reaktionszeit erhält dadurch der Fahrer bei Tempo 80 km/h, umgerechnet zwischen 30 und 40 Meter – genug um ein Menschen- oder Tierleben zu retten oder Unfälle zu vermeiden.

Bei 17.260 Euro beginnen die Preise für den Astra in der Basisvariante Selection, ein Diesel kostet mindestens 3000 Euro mehr. Natürlich kann der Astra je nach Geldbeutel neben dem Matrix-Licht auch mit weiteren Sicherheits- und Komfortfeatures und Paketen hochgepimpt werden. Dass der Astra sich nun wieder im Kreis der Erlauchten um den VW Golf bewegt, wird der Astra ab Oktober unter Beweis stellen. Bei Borussia Dortmund geht die Saison länger, ehe das Endergebnis feststeht.



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