Opel Astra ST: Der Kombi mit dem Ausrufezeichen

1.3 CDTI ecoFlex mit Stopp-Start-System

Der Opel Astra gewann die Einzelwertung © AG/Mertens

Der Opel Astra ST bietet mit als 1.3 CDTI glänzende Verbrauchswerte. Allzu viel Dynamik sollte man von dem Kombi nicht erwarten. Doch das lässt sich verschmerzen.

Von Frank Mertens

Wer über Spritsparmodelle redet, denkt unweigerlich auch an ein Start-Stopp-System. Schließlich kann diese Technologie den Verbrauch eines Fahrzeuges nochmals senken. Hersteller, die ihren an einem Spritsparmodell interessierten Kunden dieses System nicht bieten können, geraten schnell in Erklärungsnot.

Bei Opel hat es zwar etwas gedauert, doch nun können die Rüsselsheimer für das ecoFlex-Modell des Astra Sports Tourer mit einem solchen System aufwarten. In der Summe aller spritsparenden Maßnahmen wie Leichtlaufreifen, einer verlängerten Getriebeabstufung, einem tiefer gelegten Fahrwerk und eben dem Start-Stopp-System wird so ein Durchschnittsverbrauch von gerade einmal 4,1 Litern in Aussicht gestellt. 4,1 Liter – das ist eine Ansage für einen Kombi im Kompaktsegment. Vorausgesetzt natürlich, das Versprechen kann gehalten werden.

4,2 Liter auf 100 Kilometer

Doch keine Sorge, Opel nimmt hier den Mund nicht zu voll. Okay, 4,1 Liter standen am Ende der Testfahrten im Mixedverbrauch nicht auf dem Bordcomputer, aber fast. Mit 4,2 Litern kam der von uns gefahrene Opel Astra ST 1.3 CDTI ecoFlex mit 95 PS der Herstellerangabe verdammt nah. Damit setzt der Astra ein Ausrufezeichen.

Doch fährt sich der Opel Astra ST auch anständig? Das kommt darauf an, was man erwartet. Wer ein Auto sucht, mit dem er auch mal recht sportlich unterwegs sein kann, sollte die Hände von diesem Astra lassen und sich lieber dem 1.7 CDTI mit 110 beziehungsweise 130 PS zuwenden.

Der Opel Astra 1.3 CDTI kam auf einen Verbrauch von 4,2 Litern AG/Mertens

Doch die Klientel, die sich für ein Auto mit einem geringen Verbrauch interessiert und mit ein wenig Behäbigkeit leben kann, ist bei diesem Modell bestens aufgehoben. Ja, dieser Astra nimmt sich etwas Zeit, um auf Touren zu kommen. Wer im zweiten Gang zu wenig Gas gibt, würgt diesen Astra dann auch mal ab. Dieser Astra und sein Fahrer müssen sich erst ein wenig aneinander gewöhnen.

Wer sparen will muss es halt in Kauf nehmen, dass er eben nicht mal unter zehn Sekunden
Tempo 100 erreicht, sondern dafür wie in diesem Astra halt 14,6 Sekunden benötigt. Für den Zwischensprint von 80 auf 120 km/h benötigt der Astra 18,5 Sekunden – gefühlt ist das eine Ewigkeit. Seinem Fahrer stellt der Opel Astra ein maximales Drehmoment von 190 Nm zur Verfügung, das zwischen 1750 und 3250 Touren anliegt.

Sportsgeist entfaltet sich

Das Cockpit des Opel Astra AG/Mertens

Wie gesagt, der Astra und sein Fahrer müssen sich aneinander gewöhnen – auch beim Schalten. Denn wenn der Fahrer noch der Meinung ist, etwas mit dem Gangwechsel warten zu können, fordert die Schaltempfehlung ihn längst dazu auf. Wer effizient korrekt unterwegs sein will, muss halt auch so fahren wie es dieser Astra seinem Fahrer schnell mit auf den Weg gibt.

Der Innenraum ist anständig, gibt mit Blick auf die verwendeten Materialien wenig Anlässe zu Beanstandungen. Das Einzige, was nervt, ist die überfrachtete Mittelkonsole. Das Finden des richtigen Schalters für die Navigation, die Klimaanlage oder das Radio wird zum Geduldsspiel. Was sich die Innenraumdesigner dabei gedacht haben, bleibt deren Geheimnis. Weniger ist halt manchmal doch mehr. Der Platz im Innenraum des stattlichen 4,69 Meter langen Astra ist okay, aber nicht üppig.

Ab 20.930 Euro

Der Opel Astra ST macht eine gute Figur AG/Mertens

Zwei Erwachsene finden im Fond indes ohne große Verrenkungen Platz. Dafür bietet der Kofferraum ausreichend Zuladungsmöglichkeiten, je nach Stellung der Rücklehne sind es zwischen 500 und 1550 Liter Kofferraumvolumen. Das reicht für den Familienurlaub.

Wer auf Sparen steht und ungern häufig an der Tankstelle vorfahren will, muss für diesen Opel Astra 1.3 CDTI mindestens 20.930 Euro in der Ausstattungsvariante Selection auf den Tisch des Händlers legen. Doch damit ist es noch nicht getan. Denn ein Feature sei neben der Klimaanlage für 1140 Euro dringend empfohlen: Die Einparkhilfe. Sie ist Bestandteil des 550 Euro teuren Komfortpakets, das zusätzlich noch ein beheizbares Lederlenkrad, beheizbare Sitze und das Infotainment-System CD400 beinhaltet. Die Investition lohnt sich, ansonsten lässt sich das Einparken aufgrund der schlechten Sicht auf Dauer nicht ohne teure Kratzer oder Beulen überstehen. Hier sollte man also nicht am falschen Ende sparen.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).