8. Juli 2011

Fahrbericht Erstes alltagstaugliches Elektroauto Opel Ampera: Vorsprung durch Technik

Der Opel Ampera ist ein alltagstaugliches Elektroauto.
Der Opel Ampera ist ein alltagstaugliches Elektroauto. © Opel

Das Elektroauto Opel Ampera kann seit diesem Montag bestellt werden. Es ist ein Auto, das den Rüsselsheimer Autobauer in eine ungewohnte Rolle bringt, in die des Technologieführers bei Elektromobilität nämlich.




Von Frank Mertens

Es gibt Hersteller, die werben selbstbewusst mit dem Markenclaim "Vorsprung durch Technik". Doch das erste voll alltagstaugliche Elektroauto kommt nicht von Audi auf dem Markt, sondern von Opel. Dem Hersteller, der sich in den vergangenen Wochen wieder einmal mit von der Konzernmutter GM nur halbherzig dementierten Verkaufsgerüchten konfrontiert sah.

Für die Rüsselsheimer ist es dann in diesen Tagen eine Genugtuung, dass sie es sind, die sich im Zukunftsmarkt Elektromobilität mit dem Ende des Jahres auf den Markt kommenden Opel Ampera einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. "Vorsprung durch Technik" kommt diesmal aus Rüsselsheim. So verwundert es nicht, dass Opel-Vize Alain Visser bei der Präsentation des Ampera in der niederländischen Hauptstadt Den Haag fast schon etwas pathetisch von einer Neuerfindung der Marke spricht.


Visser: Ampera ist Markenkampagne auf Rädern

Natürlich, so sagt der bei Opel für das Marketing verantwortliche Visser, dass der Ampera sich mit Blick auf die Stückzahlen in einem überschaubaren Rahmen bewegen wird. Doch für das Image der Marke Opel ist der Ampera unbezahlbar. "Er ist eine Markenkampagne auf vier Rädern", sagt Alain Visser.

Und was heißt schon überschaubare Stückzahlen? Ursprünglich wollte Opel in 2012, dem ersten vollen Verkaufsjahr, 8000 Einheiten europaweit absetzen. Nun hat man die Absatzerwartung schon auf 10.000 Fahrzeuge gesteigert. Auch deshalb, weil sich vor dem offiziellen Verkaufsstart am Montag bereits 5000 Kunden einen Ampera für eine Gebühr von 150 Euro haben reservieren lassen. Für dieses Jahr sei man bereits ausverkauft, heißt es.

Im Display des Ampera wird der Stromverbrauch angezeigt
Im Display des Ampera wird der Stromverbrauch angezeigt © Opel

Diese 10.000 Einheiten könnten sich indes ab dem kommenden Jahr auch als Untertreibung darstellen, denn der Ampera ist das erste voll alltagstaugliche Elektroauto auf dem Markt. Während andere Elektroautos weiterhin mit Reichweitenproblemen zu kämpfen haben, kennt der Opel Ampera so etwas nicht.

Im Opel ist ein Reichweitenverlängerer, neudeutsch Range Extender genannt, für unbesorgte Ausfahrten verantwortlich. Rein elektrisch lassen sich so, je nach Fahrstil, 40 bis 80 Kilometer zurücklegen. Für den Antrieb sorgt dabei ein großer 150 PS starker Elektromotor, der von 16 kWh starken Lithium-Ionen-Batterien mit Energie versorgt wird. Ist diese erschöpft, greift ein 1.4 Liter Benzinmotor mit 86 PS ins Geschehen ein und versorgt den Generator mit Energie. So lassen sich bis zu 500 Kilometer erzielen.

Ein klassischer Erstwagen

Damit stellt der Ampera seine Konkurrenten klar in den Schatten - auch deshalb, weil die Fahrzeuge der Mitbewerber angesichts ihrer begrenzten Reichweiten von etwas mehr als 100 Kilometern nur als Zweitwagen taugen, die ihr Einsatzgebiet vor allem in Ballungsräumen finden. Der Ampera indes, das heben die Entwickler gerne hervor, ist ein Auto für jede Gelegenheiten, sei es nun für Stadtfahrten oder für die Reise in den Urlaub. Selbst der Kofferraum bietet mit 310 Litern Platz ein akzeptables Niveau.

Wie Testfahrten in Den Haag zeigten, bietet der Ampera dabei alles, was man auch von einem herkömmlichen Auto kennt, und noch mehr. Denn der Ampera stellt sein maximales Drehmoment von satten 370 Newtonmetern sofort zur Verfügung. Wer meint, dass man in dem lautlos dahingleitenden Ampera anderweitig Verzicht üben muss, irrt - auch was die Fahrleistungen betrifft. Wer will und auf den Stromverbrauch keinen gesteigerten Wert legt, kann den Ampera in rund neun Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen, die Spitzengeschwindigkeit endet bei ausreichenden 161 km/h.

Unterschiedliche Fahrmodi

Die Seitenlinie des Opel Ampera
Die Seitenlinie des Opel Ampera © Opel

Doch wer im Ampera unterwegs ist, entwickelt sich schnell zum Sparfuchs. Er möchte möglichst effizient unterwegs sein. Damit das gelingt, zeigt der Ampera im Display einen kleinen grünen Ball an. Bewegt er sich genau in der Mitte, ist man optimal unterwegs. Im linken Rand des Displays ist eine Ladesäule zu sehen, die dem Fahrer anzeigt, wie viele Kilometer er rein elektrisch fahren kann, ehe der Range Extender seine Arbeit aufnimmt. Der Übergang vom Batteriebetrieb zum Generatorbetrieb erfolgt unmerklich, sobald der Ladezustand der Batterie zur Neige geht. Außer durch die wechselnde Anzeige im Display spürt der Fahrer davon nichts.

Wie durchdacht das Konzept des Ampera ist, zeigen auch die vier Fahrmodi. Neben "Normal", "Sport" und "Gebirge" kann der Fahrer auch "Halten" anwählen. Dieser Modus ermöglicht es, die Fahrt im Ampera nach der nächtlichen Aufladung in der heimischen Garage mit dem Range Extender statt im Batteriebetrieb anzutreten. Das kann beispielsweise für Pendler hilfreich sein, die zwar in der Stadt arbeiten, aber im Umland wohnen. Sie können dann beim Erreichen der Stadt bequem in den Batteriezustand wechseln und von den Vorteilen profitieren, die Fahrer von Elektroautos in einigen Städten haben. In London beispielsweise sind sie befreit von der saftigen Congestion Charge.

Preis liegt bei 42.900 Euro

Für den Ampera ruft Opel selbstbewusste 42.900 Euro auf, wobei es zum Start Ende des Jahres nur ein exklusives Editionsmodell zum Preis von 48.200 Euro geben wird. Hier ist dann alles enthalten, was die Preisliste an Extras zu bieten hat. Dazu gehört ein Navigationssystem mit einem Bose-Sound-System, Ledersitze oder auch ein Parkpilot mit Rückfahrkamera.

Das Heck des Opel Ampera
Das Heck des Opel Ampera © Opel

Viel Geld, ohne Frage, womit wir bei den Betriebskosten für den Ampera sind. Sie sollen sich, so rechnen die Rüsselsheimer vor, bei 3,20 Euro pro 100 Kilometer liegen. Dem liegt eine Fahrleistung von jährlich 15.000 Kilometer und ein Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde zu Grunde. Aufs Jahr bezogen ergeben sich so Stromkosten von 480 Euro. Im Vergleich dazu, fallen bei einem Dieselfahrzeug bei der gleichen Fahrleistung mit einem Durchschnittsverbrauch von rund fünf Litern 7,25 Euro an Spritkosten pro 100 Kilometer an. Im Jahr sind das 1087,50 Euro.

Das sind Zahlen, mit denen Opel die Attraktivität des Ampera weiter zu untermauern versucht. Dabei ist das gar nicht nötig. Denn der Opel Ampera überzeugt mit seinem Range-Extender-Konzept auf der ganzen Linie. Die Rüsselsheimer präsentieren sich mit dem Ampera als Technologieführer bei der Elektromobilität. Vor diesem Hintergrund darf man dann auch schon mal etwas pathetisch sein.






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