8. November 2016

Elektroauto ab Frühjahr 2017 Opel Ampera-e fährt in neues Kapitel der Elektromobilität

Der Opel Ampera-e kommt im Frühjahr 2017 Fotos ▶
Der Opel Ampera-e kommt im Frühjahr 2017 © AG/Flehmer

Mit dem Ampera-e beginnt eine neue Zeitrechnung in der Elektromobilität. Das gemeinsam mit Chevrolet entwickelte Elektroauto überwindet mit das größte Hindernis auf dem Weg zum Durchbruch des alternativen Antriebs.




Von Thomas Flehmer

Die höchste Hürde der Elektromobilität scheint genommen. Mit dem Ampera-e überwindet Opel bestehende Reichweitenängste. Über 500 Kilometer sind laut dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) möglich, mehr als 380 Kilometer werden mit dem WLPT gemessen, der ab dem kommenden Jahr zum Richtwert wird.

„Wir schlagen ein neues Kapitel der Elektromobilität auf“, sagte Ralf Hannappel bei der statischen Präsentation des Elektroautos in Frankfurt am Main und kann dabei bereits auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Der Europa-Chef für Elektromobilität bei Opel legte mit einer Ladung 417 Kilometer von London nach Paris zurück.


Opel Ampera-e als voll einsetzbares Alltagsauto

Dabei betont Hannappel, dass der Ampera-e, der im Gegensatz zum mittlerweile eingestellten Ampera ein batterieelektrisches, also reines Elektroauto ist, „kein Ökomobil oder gar nur Zweitwagen“ sei, sondern ein voll einsetzbares Alltagsauto.

Mit 4,17 Metern reiht sich der Ampera-e am unteren Ende der Kompaktwagen ein, mit einem Kofferraum von 381 Litern und Platz für fünf Personen weist der Neue die Größe eines VW Golf auf. Und die erste Sitzprobe bestätigt den geräumigen Eindruck. Selbst auf der Rückbank bietet das Elektrofahrzeug viel Platz, sodass eine Kleinfamilie die Urlaubsreise auch vom Platzaspekt her antreten kann – da die Reichweite ja kein Problem darstellt.

Opel Ampera-e führt zu Wandel beim Tanken

Der Kofferraum des Opel Ampera-e fasst mehr als der VW Golf
Der Kofferraum des Opel Ampera-e fasst mehr als der VW Golf © AG/Flehmer

Sollte die Reise länger dauern und einen Zwischenstopp zum Laden erforderlich machen, ermöglichen 30 Minuten an einer Schnellladesäule neue 150 Kilometer. Bis zum Ende 2017 sollen 400 Schnellladesäulen an den Autobahnraststätten entstehen, passend für den Ampera-e, der im Frühjahr in den Markt eingeführt wird.

Auch in der Stadt nimmt die Zahl der Ladesäulen zu, in der der Ampera-e hauptsächlich bewegt werden wird. Da während der Arbeitswoche die meisten Arbeitnehmer höchstens zwischen 60 und 80 Kilometer zurücklegen, wird der Ampera-e höchstens zwei Mal in der Woche am Stecker angedockt. Hannappel prognostiziert dabei ein sich veränderndes Tankverhalten, das hauptsächlich an der heimischen Steckdose oder der eigenen Wallbox stattfinden wird.


Opel Ampera-e in OPC-Manier

Viel Platz bietet der Opel Ampera-e
Viel Platz bietet der Opel Ampera-e © AG/Flehmer

Von den reinen Leistungsdaten verspricht der Ampera-e sogar noch mehr als nur Alltag. In 3,2 Sekunden ist der Ampelstart in der Stadt bis Tempo 50 absolviert, in OPC-Manier erreicht der 150 kW/205 PS starke Elektriker auf der Landstraße oder Autobahn nach 7,3 Sekunden Tempo 100. Dabei stehen vom Start weg 360 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung.

Aber auch den Zwischensprint von 80 – 120 km/h erledigt der Ampera-e innerhalb von 4,5 Sekunden. Rainer Bachen bescheinigt dem Elektroauto dabei eine hohe Elastizität, die den Spagat zwischen Dynamik und Komfort schafft.

Batterie als Herzstück des Opel Ampera-e

Im Cockpit wird das Management des Opel Ampera-e angezeigt
Im Cockpit wird das Management des Opel Ampera-e angezeigt © AG/Flehmer

Der Leitende Entwicklungsingenieur ist besonders von der Dynamik und Wendigkeit des Stromers angetan, dessen Entwicklung gemeinsam mit Chevrolet vorangetrieben wurde, dessen Schwestermodell Bolt in den USA bestellbar ist und ebenfalls im kommenden Jahr auf den Markt kommen wird.

Bei der gemeinsamen Entwicklung wurde das Auto rund um die Batterie herum gefertigt, die den Karosserieboden ausfüllt. „Die Batterie ist das Herzstück. Alles andere kam später“, sagt Bachen. Die Schwere der Akkus sorgt für den angenehmen Nebeneffekt, dass Schwerpunkt sehr niedrig ist und sich somit auf Komfort und Dynamik auswirkt.

Nie Zweifel an 500 Kilometern Reichweite

Dass vor der Publikumspremiere auf dem Autosalon in Paris Ende September die Reichweite mit „lediglich“ 400 Kilometern angegeben wurde, schiebt Bachen auf einen gewissen Überraschungseffekt, der folgte. „Wir hatten nie Zweifel an den 500 Kilometern“, mit denen der Ampera-e den nächsten Mitbewerber bei der Reichweite um 100 Kilometer distanziert. Und selbst wenn der jeweilige rechte Fuß das Beschleunigungspedal mehr oder weniger herunterdrückt, sollten 400 Kilometer im Alltag mit einer Ladung immer geschafft werden, zumal die Interessenten an Elektrofahrzeugen neben einem ökologischen Anliegen auch möglichst weit kommen wollen.

Ralf Hannappel hatte nach den 417 Kilometern von London nach Paris mit einer ganz normalen Fahrweise - ohne ein Hindernis für die anderen Verkehrsteilnehmer darzustellen – immerhin noch 80 Kilometer Restreichweite auf der Uhr. Genug, um eine große Hürde bei der Elektromobilität zu nehmen.

Die letzte Hürde benennt selbst Opel noch nicht. Den Preis werden die Rüsselsheimer erst im neuen festlegen. Mit 35.000 Euro sollte eher gerechnet werden als darunter - auch wenn man damit dem fast schon etablierten BMW i3 auf die Pelle rückt und vom kleineren Renault Zoe, der als Zweitplatzierter im Reichweitenranking mittlerweile 400 Kilometer schafft, preislich weit entfernt ist. Ob die Reichweite dann wirklich die größte Hürde war, wird sich in den Verkaufszahlen widerspiegeln.



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