Donnerstag, 17.05.2012 - 10:11 Uhr
23. Juni 2010

30 Jahre Mercedes S-Klasse W 126 Ein guter Stern wird Oldtimer

Der Mercedes W 126 wird ein Oldtimer
Der Mercedes W 126 wird ein Oldtimer © Foto: dpa

Die erfolgreichste Oberklasselimousine von Mercedes-Benz wird 30. Somit kann die zweite Generation der S-Klasse nun mit dem begehrten H-Kennzeichen umherfahren. Ein Blick zurück.


Von Heiko P. Wacker

Mit der zweiten Generation der S-Klasse von Mercedes-Benz ist vor 30 Jahren die erfolgreichste Oberklasselimousine in der Unternehmensgeschichte auf die Straßen der Republik gerollt. Knapp 900.000 Fahrzeuge wurden bis zum offiziellen Produktionsende 1991 gefertigt. Alle waren Inbegriff solider Wertarbeit und moderner Technologieträger in einem. In diesen Tagen erreichen nun die ersten Modelle den Oldtimerstatus und damit die begehrte H-Zulassung.

Durch Ölschock beeinflusst

Man muss sehr weit zurückblicken, begannen doch die ersten Entwicklungsarbeiten bereits im Herbst 1971 - zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal die barock gezeichnete Vorgängerversion W 116 auf dem Markt. Man gab sich eben Mühe mit diesem Wagen, auch wenn man kaum geahnt haben dürfte, dass der 126er am Ende mehr als zwölf Jahre lang vom Band laufen sollte. Angesichts heutiger Modellhektik wirken solche Zahlen wie aus einer anderen Welt.

Beeinflusst wurde die Entwicklung vom Ölschock der frühen 70er Jahre: Auch im Luxussegment waren Spritschlucker plötzlich verpönt. Andererseits durfte die S-Klasse auf keinen Fall kleiner oder gar spartanischer werden - ein „Downsizing“ kam für die Entwickler um Bruno Sacco und Werner Breitschwerdt überhaupt nicht in Frage. Dennoch gelang eine mitunter deutliche Absenkung des Fahrzeuggewichts. Am Ende waren je Modell selbst in der Grundausstattung bis zu 280 Kilo abgehungert. Außerdem wurde die Aerodynamik derart verbessert, dass der cW-Wert von 0,36 beim Debüt die Weltbestleistung für Limousinen darstellte.

Neue Nüchternheit

Zugleich war der 126er eindeutig als Nachfolger des 116er zu erkennen - auch wenn der deutlich reduzierte Chromzierrat manchen Kunden zunächst enttäuschte. Den Erfolg schmälerte dies ebenso wenig wie die 1985 eingeführten Radzierdeckel aus Polyamid, die die bisherigen Edelstahlvarianten ablösten. Die neue Nüchternheit machte sich auch im Luxusbereich bemerkbar. Das Facelift Mitte der 80er-Jahre brachte jedoch auch Änderungen unter der mächtigen Motorhaube, wo der von einem Vergaser befeuerte Sechszylindermotor von einem Einspritzer mit kleinerem Hubraum abgelöst wurde.

Spötter hatten die ursprüngliche Einstiegsvariante 280 S mitunter als "Kolonialmodell" bezeichnet, da sie vor allem in jenen Ländern begehrt war, in denen eine kompliziert anmutende Einspritzanlage die Kundschaft eher abschreckte. Noch heute werden diese Modelle beispielsweise häufig nach Afrika verschifft, wo der 126er gemeinsam mit seinem kleineren Bruder, der Mittelklassebaureihe W 123, tatsächlich als "guter Stern auf schlechten Straßen" gilt. Alle anderen Modelle des W 126 hatten Einspritzmotoren und das entsprechende Kürzel "SE" - mit Ausnahme des nur für den Export gebauten 300 SD. Das "D" steht für Diesel und war fast ausschließlich in Nordamerika zu sehen, während ein potenter V8-Benziner hier wie dort das obere Ende der Skala markierte.

Früher Technologieträger

Er schöpfte 221 kW/300 PS aus 5,6 Litern Hubraum. Angeboten wurde der 126er zunächst als viertürige Limousine, wobei mit Ausnahme der kleinen Motoren auch eine Langversion erhältlich war. Der "SEL" verdankt seine Modellbezeichnung dem um 140 mm verlängerten Radstand. Das "L" stand dabei für "lang" - die Passagiere im Fond wussten den Raumgewinn durchaus zu schätzen.

Im Herbst 1981 wurde zudem das Coupé "C126" vorgestellt: Es trägt als Modellbezeichnung das Kürzel "SEC" - und wurde ebenso ein Technologieträger wie die anderen komfortablen Varianten. Manche beim 126er eingeführten Innovationen hielten erst Jahre später Einzug in andere Fahrzeugklassen. Der ab 1981 erhältliche Airbag ist so ein Beispiel. Die damals noch als "Luftsack" titulierte Option kostete rund 1500 DM.

Erstmals mit Partikelfilter

1987 folgten der Beifahrerairbag wie auch die Antriebsschlupfregelung, während der 300 SDL schon wieder auslief. Er war das erste Dieselfahrzeug mit serienmäßigem Partikelfilter. Offiziell geschah der Modellwechsel zum massig wirkenden Nachfolger W 140 im Jahr 1991, wobei noch einige Fahrzeuge in Sonderschutzausführung folgten und eine kleine Reststückzahl in Südafrika montiert wurde. Am Ende war der 126er, von dem alleine 818.066 Limousinen vom Band liefen, eine unerwartete Erfolgsgeschichte, die längst in der Youngtimer-Szene ihre Fortsetzung findet.

Wie bereits im Falle des 1976 angelaufenen W 123 kümmern sich Freunde alter Sternenkreuzer längst auch um den großen Bruder. Immerhin ist die überdurchschnittliche Verarbeitungsqualität und der oft pflegliche Umgang mit dem noblen Gefährt die perfekte Grundlage eines langen Autolebens. Auch die kritischen Stimmen, die vor allem dem modernen Kunststoffdesign der gelifteten Version ab 1985 den Oldtimerstatus zunächst verweigerten, verstummen immer mehr. So wird dem W 126 über kurz oder lang ebenso der Zutritt in den Olymp anerkannter Klassiker offen stehen, wie bisher allen S-Klassen der Marke mit dem Stern. Und das wird wohl immer so sein, wenn ein Modell die magische Marke von 30 Jahren erreicht. (mid)


Lesen Sie mehr aus dem Ressort Oldtimer