23. März 2016

Vernetzte Trucks von Daimler Rollende Datenzentren für mehr Effizienz

Daimler vernetzt die Trucks für mehr Effizienz
Daimler vernetzt die Trucks für mehr Effizienz © Daimler

Daimler setzt auch bei seinen Trucks auf Vernetzung. So will das Unternehmen bis 2020 eine halbe Milliarde Euro in die Technik investieren. Das Ziel: Steigerung der Effizienz.




Der Gütertransport auf der Straße ist eine ziemlich unbewegliche Angelegenheit. Anstatt Ware von A nach B zu schaffen, stehen viele Lkw zwei Drittel des Tages nutzlos in der Gegend rum: im Stau, an der Grenze, beim Warten auf die Beladung oder während der Fahrer Papierkram erledigt. Eine bessere Vernetzung könnte das ändern, findet Daimler Trucks und kündigt massive Investitionen an.

Rund eine halbe Milliarde Euro sollen bis 2020 in Online-Technik investiert werden, wie Nutzfahrzeug-Vorstand Wolfgang Bernhard nun angekündigt hat. Lkw sollen untereinander und mit der Infrastruktur vernetzt werden, um die Logistik künftig effizienter zu gestalten. All die Warterei, die Leerfahrten und die Planungsschwierigkeiten, die der Branche zu schaffen machen, haben nach Bernhards Analyse vor allem einen Grund: fehlende Daten. „Es fehlen Echtzeit-Informationen zu Ankunftszeiten, zu Ladekapazitäten, zu Staus, zu Rastplätzen etcetera etcetera.“


Vernetzung sorgt für Echtzeit-Information

Doch das Informations-Defizit dürfte nach Daimler-Ansicht bald beseitigt sein: Der vernetzte Truck kann die Echtzeit-Informationen liefern, die heute allen fehlen. Prinzipiell sind schon heute viele Lkw online – über die Telematik-Systeme ihrer Speditionen. Sie sammeln beispielsweise Daten zu Ladung und Standorten, beschränken sich dabei aber auf die eigenen Fahrzeuge. Daimler aber will das Netz weiter spannen und herstellerübergreifende Vernetzungs-Standards nutzen. Umfassend vernetzte Lkw könnten sich dann nicht nur gegenseitig vor Staus und Schlechtwetter warnen, sondern auch deutlich effizienter eingesetzt werden.

Durch den Online-Versand von Fracht- oder Zollpapieren könnten Wartezeiten an der Grenze minimiert werden, ein intelligentes Leitsystem könnte die Suche nach einem Rastplatz vereinfachen oder die Anfahrt zur richtigen Laderampe beim Kunden erleichtern. Auch Leerfahrten ließen sich minimieren. Bernhard schlägt eine Art „Mitfahrzentrale für Cargo vor“. Speditionen, deren Lkw freie Kapazitäten melden, könnten diese online anbieten. Heutzutage läuft so etwas in der Regel noch per Hand – entsprechend zeitaufwändig und fehleranfällig ist es.

Infrastruktur noch unzureichend

Bis zum vollvernetzten Lkw-Verkehr wird es allerdings noch dauern. Neben einheitlichen Standards fehlt es unter anderem auch an Infrastruktur. Denn nicht nur die Lkw müssen sich untereinander über größere Entfernungen verständigen, auch Behörden, Ladeterminals und Mautstationen sollten Teil des Datennetzes werden. Angesichts des weiter wachsenden Verkehrsaufkommens – bis 2050 dürfte sich der weltweite Straßengüterverkehr nach Expertenansicht verdreifachen – wächst jedoch auch der Druck, neue Lösungen zu finden. Neben Daimler suchen auch die anderen großen Lkw-Hersteller nach digitaler Entlastung.

Zu den besonders spektakulären Beispielen zählt das sogenannte Platooning – das elektronische Koppeln einzelner Lkw zu einem autonom fahrenden Konvoi. Daimler hat die "Highway Pilot Connect" genannte Technik gerade eindrucksvoll auf der Autobahn 52 bei Düsseldorf demonstriert und drei teilautonome Trucks im fließenden Mittagsverkehr zu einem automatisiert fahrenden Verband zusammengeschlossen.

Auch Scania arbeitet an Technik

Auch die schwedische VW-Tochter Scania und Ericsson arbeiten an derartiger Technik. In Zukunft könnten so große Verbände von bis zu zehn Fahrzeugen ohne menschlichen Eingriff in einer elektronisch gefügten Kolonne fahren. Dank aerodynamischer Vorteile sänken der Verbrauch und die benötigte Verkehrsfläche. Gleichzeitig soll der Computer am Steuer für höhere Verkehrssicherheit sorgen. Vor allem auf den großen Transkontinentalstrecken in den USA und Australien dürften solche Lkw-Verbände in mittlerer Zukunft ein häufiges Phänomen werden.

Die wahre digitale Revolution in der Logistik bleibt hingegen weitgehend nur für Beteiligte sichtbar. Der normale Autofahrer könnte im Idealfall jedoch zumindest die Auswirkungen bemerken: Weniger unnötiger Lkw-Verkehr, geringere Transportkosten-Aufschläge auf Waren und vielleicht weniger Luftverschmutzung. (SP-X)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Unternehmen



Mehr zur Marke Mercedes

Mercedes Van-Chef über die neue X-KlasseMornhinweg: «Es ist ein Mercedes»

Mit der neuen X-Klasse will Mercedes eine Lücke im eigenen Van-Portfolio schließen. Von dem bisherigen Markt soll sich der Pickup absetzen, sagte Van-Chef Volker Mornhinweg der Autogazette.


Zur Vermeidung von FahrverbotenDaimler rüstet drei Millionen Diesel um

Zur Vermeidung von möglichen Fahrverboten rüstet Daimler drei Millionen Dieselfahrzeuge um. Durch diese Aktion sollen die Stickoxid-Emissionen reduziert werden.


Nissan Navara als Gen-SpenderMercedes X-Klasse: Aufbruch in die Pickup-Welt

Mercedes fährt in ein neues Segment. Die neue X-Klasse soll den Stuttgartern ebenso eine neue Welt eröffnen wie vor genau 20 Jahren die M-Klasse.



Mehr aus dem Ressort

Statement des Autobauers«Fahrzeuge der BMW Group werden nicht manipuliert»

Es hat gedauert. Doch nun äußert sich auch BMW zum jüngsten Kartellvorwurf. Zugleich weist der Autobauer den Vorwurf der Abgasmanipulation zurück.


Bundesverbraucherminister Heiko Maas
Hersteller sollen für Schäden aufkommenMaas für Klagemöglichkeiten geschädigter Kunden

Heiko Maas wirbt für neue Klagemöglichkeiten der Verbraucher bei Massenanfällen wie beim Diesel-Skandal. Auch beim Kraftfahrtbundesamt sollte ein Verbraucherbeirat isntalliert werden, sagte der Bundesverbraucherminister.


Automarken
Basis für den DieselskandalDeutsche Autohersteller unter Kartellverdacht

Das Unheil für deutsche Autobauer wird erweitert. VW und Co. sollen sich samt Zulieferern laut einem Medienbericht abgesprochen haben - auch der Dieselskandal könnte so begonnen haben.