Mercedes: Mit 48 Volt zu mehr Effizienz bei Verbrennern

Große Motorenoffensive

Der Mercedes Reihensechszylinder M 256 auf dem Prüfstand.
Der Mercedes Reihensechszylinder M 256 auf dem Prüfstand. © Daimler

Mercedes hat die größte Motorenoffensive in seiner Geschichte aufgelegt. Dafür investiert man drei Milliarden Euro. Das Ziel ist klar: Die Effizienz soll vor dem Hintergrund strenger werdender CO2-Grenzwerte gesteigert werden – dabei setzt man auf eine weitere Elektrifizierung.

Von Frank Mertens

Das Ziel von Mercedes steht. Bis zum Jahr 2025 will der Autobauer zehn ausschließlich rein elektrisch betriebene Modelle auf den Markt bringen. Um seine Bemühungen zu unterstreichen hat der Autobauer mit EQ eine eigene Marke für die Elektromobilität gegründet, vorgestellt wurde sie Ende September auf dem Autosalon in Paris.

Dort hatte der Autobauer auch gesagt, dass bis dahin 15 bis 25 Prozent seines Gesamtabsatzes auf Elektroautos entfallen soll. Eine Zeitspanne, die zeigt, dass auch beim Stuttgarter Autobauer niemand weiß, wie sich die Elektromobilität entwickelt. Diese Zahl zeigt aber auch, dass auch in Zukunft 75 Prozent des Absatzes von Mercedes auf Modelle mit Verbrennungsmotor entfallen werden. Sie bleiben das Kerngeschäft der Schwaben und darauf konzentriert man sich trotz aller Diskussionen um Fahrverbote für Diesel in den Städten oder Zulassungsstopps für Verbrenner ab 2030.

Verbrenner spielen noch lange wichtige Rolle

„Verbrennungsmotoren werden noch lange eine wichtige Rolle spielen“, sagte dann auch Peter Lückert, der bei Mercedes den Bereich der Dieselmotoren verantwortet in diesen Tagen in Sindelfingen bei einem Workshop zur neuen Aggregate-Generation der Marke mit dem Stern. Der Grund dafür sei einfach. In punkto Reichweite, Preis und Infrastruktur sind Verbrenner rein elektrischen Antrieben in allen Bereichen überlegen. „Deshalb sind hocheffiziente High-Tech-Aggregate ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, Emissionen und Verbrauch möglichst schnell und effektiv zu senken.“

Der regulatorische Druck, der dabei nicht nur auf Mercedes lastet, ist immens. So müssen die Premiumhersteller bis 2021 einen von der EU festgelegten CO2-Grenzwert von 100 g/km erreichen. Ein Wert, der ohne Diesel nicht zu schaffen ist, wie man nicht müde wird zu erklären. Bis zum Jahr 2025 wird bereits ein Grenzwert von 75 g/km diskutiert – entsprechend setzt Mercedes alles daran, die CO2-Emissionen seiner Modelle weiter zu reduzieren. Dazu hat man die größte Motorenoffensive mit einem Investitionsvolumen von drei Milliarden Euro in seiner Geschichte ausgerufen, die in diesen Jahr im März mit der Vorstellung des neuen Diesel-Vierzylinders (intern OM 654 genannt) in der Mercedes E-Klasse begann.

Mercedes Sechszylinder-Benzinmotor M256
So sieht er aus, der M 256 Reihensechszylinder Daimler

So werden ab dem kommenden Jahr gleich fünf neue Motoren die Familie um den OM 654 ergänzen. So kommen zwei Diesel und drei Benziner neu auf den Markt. Dabei sind alle Motoren modular aufgebaut und verfügen pro Zylinder über 500 Kubik Hubraum und einen Zylinderabstand von 90 Millimetern. Unter den neuen Motoren befindet sich auch ein Reihen-Sechszylinder als Diesel und Benziner (M256) und ein V8 als Biturbo (M 176). Dabei feiert der Reihen-Sechszylinder seine Rückkehr, während man sich nach und nach von den V6-Motoren verabschiedet. Wie schaut es mit der Leistung des M256 aus? Daraus macht Mercedes noch ein kleines Geheimnis, verrät aber immerhin so viel: Sie soll sich im Bereich des heutigen Achtzylinders bewegen, also 408 PS und mehr als 500 Nm aufweisen.

48-Volt-System integriert

Doch damit hat es sich noch nicht an Neuerungen. Nachdem das 48-Volt-Bordnetz bei immer mehr Herstellern Einzug hält – zuletzt bei Audi im großen SUV SQ7 – ist es ab dem kommenden Jahr auch bei Mercedes so weit. Das erste Modell, in dem diese milde Hybridisierung zum Einsatz kommt – wird die neue S-Klasse sein. Damit sollen die Motoren fit für die Zukunft gemacht werden und an das Ziel des CO2-Grenzwertes von 100 g/km schrittweise herangeführt werden.

Durch das 48-Volt-Bordnetz werden beispielsweise Funktionen wie Rekuperation (80 Prozent Rückgewinnung der Bremsenergie) und Boost (mit bis zu 20 Prozent mehr Leistung) und eine Segel-Funktion ermöglicht. Zudem können damit auch Technologien in den neuen Motoren wie ein elektrischer Zusatzverdichter oder ein elektrifizierter Klimakompressor verbaut werden. Mit an Bord ist zudem ein so genannter Integriert Starter-Generator (ISG): er vereint Lichtmaschine und Anlasser und einem Elektromotor zwischen Motor und Getriebe. Er kommt dabei nicht nur beim Kaltstart zum Einsatz, sondern der E-Motor unterstützt den Verbrenner auch beim Beschleunigen.

Mehr Leistung, weniger Verbrauch

Erprobung des Reihensechszylinders OM 256
Der Reihensechszylinder-Ottomotor M 256 in der Erprobung Daimler

Der Zweiliter-Vierzylinder-Benziner (M 264), der ebenso mit 48 Volt, dafür aber mit einem riemengetriebenen Start-Generator unterwegs ist, soll eine Leistung von 272 PS aufweisen. Dieselseitig gibt es den Sechszylinder (OM 656) mit 313 PS und 650 Nm, allerdings ohne 48 Volt. Dafür verfügt er im Gegensatz zum Vierzylinder über eine doppelte Aufladung und einen erhöhten Einspritzdruck von 2500 bar. Der V8-Biturbo, der seinen Einstand natürlich auch in der S-Klasse geben wird, weist eine Zylinderabschaltung auf, die ihn binnen Millisekunden zu einem Vierzylinder werden lässt. Dank dieser Technik und weiterer innermotorischer Optimierungen steigt die Leistung nicht nur von 455 auf über 476 PS, sondern der Verbrauch sinkt im Vergleich zum Vorgänger um zehn Prozent.

Zu dem Mehrpreis des neuen 48 Volt-Systems machte Mercedes keine Angaben. Doch er dürfte sich im Bereich zwischen 2000 und 3000 Euro bewegen. Angesichts der geringen Nachfrage nach seinen E-Autos und Plug-in-Hybriden (bis 2017 will man zehn Modelle im Angebot haben) hofft man bei den Schwaben, durch diese weitere Elektrifizierung des Antriebsstranges für die Zukunft mit seinen strengen CO2-Grenzwerten gerüstet zu sein. Schließlich weiß niemand, wie sich die Nachfrage nach reinen E-Autos gestalten wird.