14. Februar 2011

Fahrbericht Nur 87 Gramm CO2-Ausstoß Lexus CT 200h: Prius für Reiche

Der Hybridantrieb hält mit dem Lexus CT 200H in der Kompaktklasse Einzug
Der Hybridantrieb hält mit dem Lexus CT 200H in der Kompaktklasse Einzug © Lexus

Lexus ist mit dem Hybridantrieb in der Kompaktklasse angekommen. Auf dem CT 200h liegen sehr hohe Erwartungen der Nobel-Tochter von Toyota.




Von Thomas Flehmer

Neulinge jeglicher Couleur haben es meistens schwer. Sie müssen sich ihre Position erarbeiten, sich womöglich hochkämpfen, um sich zu etablieren. Auf den Lexus CT200h kommt sogar noch eine weitere hohe Hürde dazu. Der erste Hybride im kompakten Premiumsegment muss die Verkaufszahlen der Nobel-Tochter von Toyota schlicht und einfach verdoppeln. "Wir haben im vergangenen Jahr rund 2000 Fahrzeuge verkauft. Soviel Verkäufe erhoffen wir uns in diesem Jahr von dem CT200h", sagt Geschäftsführer Willi Weber von Lexus Deutschland über den Neuling in der Modellpalette.

Spitzenwerte beim Verbrauch

Ausgestattet ist der 4,32 Meter lange CT200h mit dem Antriebsstrang aus dem Prius der dritten Generation und verfügt somit über eine Gesamtleistung von 100 kW/136 PS. Auch beim Lexus kann der Elektromotor bis zu zwei Kilometer im rein elektrischen Modus allein unterwegs sein, ehe sich der Verbrennungsmotor zuschaltet. Still und leise fährt das vierte Hybridmodell auch sonst an. Bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h schaltet sich der Ottomotor zu, der sich aber je nach Bedarf auch genauso schnell wieder abschaltet. Im Zusammenspiel der beiden Aggregate stehen unterm Strich lediglich 87 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer und 3,3 Milligramm Stickoxide – absolute Spitzenwerte.

Dass diese vor allem im städtischen Bereich erzielt werden, ist klar, denn wie beim Prius oder den drei hybriden Geschwistermodellen von Lexus RX, GS und LS übernimmt über Land der Verbrennungsmotor die Hauptlast und dann werden auch mehr als 3,8 Liter Superbenzin Kraftstoff über 100 Kilometer durch die Schläuche gejagt und der Spareffekt ist dahin.

Edle Inneneinrichtung

Im Innenraum des Lecus CT 200h ist auch Hartplastik anzufinden
Im Innenraum des Lecus CT 200h ist auch Hartplastik anzufinden © Lexus

Anders als der Hybrid-Vorreiter schert der Lexus CT200h beim Design nicht aus der Reihe. Die Front trägt das aggressive Markengesicht der Edelmarke, die Seitenlinien sind dynamisch geschwungen, das Heck erinnert mit seinem Knick unter dem Heckfenster ein wenig an den erfolglosen Renault Vel Satis. Völlig alltagstauglich ist die Inneneinrichtung, die besonders in den höherwertigen Varianten einen guten Eindruck macht, auch wenn Hartplastik zwischen diversen Zierteilen hervorschimmert. Die Mittelkonsole wirkt aufgeräumt und übersichtlich, das Lenkrad könnte noch einige Zentimeter höher zu verstellen sein, damit sich der Fahrer nicht um seine Knie ängstigen muss.

Die Sitze sind recht eng konturiert, etwas fülligere Personen werden animiert, ihre Gewichtsreduzierung voranzutreiben. Hinten sind genügend Fuß- und Beinfreiheit vorhanden, auch der Kopf bleibt von Beulen verschont. Der 375 Liter fassende Kofferraum hat gefühlt einige Liter weniger Volumen, kann aber einiges an Gepäck für die Reise aufnehmen.

Zäher Anzug

Der Knick am Heck erinnert ein wenig an den Renault Vel Satis
Der Knick am Heck erinnert ein wenig an den Renault Vel Satis © Lexus

Nicht nur die Reisen beginnen recht gemütlich. Nicht gerade berauschen, eher zäh ist der Anzug, der dank CVT-Getriebe durchzugskraftfrei lediglich 10,3 Sekunden bis zur 100 km/h-Marke dauern soll. Doch wer sportliche Herausforderungen sucht, wird sich nicht gerade einem Hybridmodell zuwenden. Denn die Hybrid-Fans werden von vornherein darauf achten, den Verbrauch nicht allzu hoch zu treiben und besonders in der Stadt Bestleistungen im Minderverbrauch zu erzielen.

Was stört bei dem bis zu 1,4 Tonnen schweren Hybriden, bei dem traditionell im Unternehmen eine Nickel-Metallhydrid-Batterie verbaut wurde, sind die Motorengeräusche beim Anfahren, die sehr wahrnehmbar in den komfortablen Innenraum drängen, und erst dann verschwinden, wenn der Lexus die gewünschte Geschwindigkeit hält. Auf der Autobahn nervt das Geräusch dabei mehr als im städtischen Alltag. Gut abgestimmt ist dafür das Fahrwerk, Kurven und Kreisverkehr bereiten dem Lexus keine Probleme, egal ob im Eco- oder im Sportmodus, die über einen Wahlhebel eingestellt werden, sich aber beim Fahren kaum bemerkbar machen.

Marktstart am 19. März

Der Lexus CT 200h startet bei 28.900 Euro
Der Lexus CT 200h startet bei 28.900 Euro © Lexus

Bemerkbar macht sich das Mehr an Komfort im Preis. Mit einem Einstieg von 28.900 Euro ist der Lexus CT200h knappe 4500 Euro teurer als der Toyota Prius, hat aber auch das sehr viel hübschere Design, was nicht unbedingt schwerfällt, und viel mehr Komfort an Bord. Wer sich etwas mehr Komfort wünscht, legt noch einmal bis zu knapp 2000 Euro drauf, um die beiden nächst höheren Ausstattungsvarianten zu erreichen. Die höchste Ausstattungslinie ist mit 40.000 Euro dann weit entfernt, hat aber auch ein allein rund 4000 Euro teure Mark-Levinson-Soundsystem an Bord, das den Hybriden in einen Konzertsaal verwandelt.

Doch die meisten Käufer werden sich für die Variante zwei oder drei entscheiden. Rund 500 Modelle sind vor dem Verkaufsstart am 19. März von Kunden und Händlern vorbestellt. Danach bleiben dem CT200h noch neun Monate Zeit, um das wahrlich ambitionierte Ziel zu erreichen. Eine in der Tat schwere Aufgabe für den Neuling, dessen Gemeinsamkeiten mit dem Vel Satis wirklich beim Heck enden sollen.