23. August 2015

Verlagerung von Schiene auf Straße Studie: Lang-Lkw führen zu mehr Verkehr

Mehr statt weniger Verkehr durch Lang-Lkws?
Mehr statt weniger Verkehr durch Lang-Lkws? © dpa

Eigentlich sollen Lang-Lkw den Verkehr auf den Straßen reduzieren. Laut einer aktuellen Studie werde sich diese Hoffnung indes nicht erfüllen, weil Fracht von der Schiene auf die Straße verlagert würde.




Verkehrsexperten rechnen durch den Einsatz sogenannter Lang-Lkw mit einer deutlichen Zunahme des Verkehrs auf deutschen Straßen. Die Hoffnung vieler Politiker, dass der Einsatz der 25 Meter langen Lkw die Zahl der Lastwagen auf deutschen Straßen verringern könnte, werde sich nicht erfüllen, warnt Professor Herbert Sonntag von der Technischen Hochschule Wildau in einer Studie, die der "Stuttgarter Zeitung" vorliegt.

Zusammen mit Professor Gernot Liedtke von der TU Berlin hat er im Auftrag des Bündnisses Allianz pro Schiene die Folgen einer Regelzulassung der Riesenlaster untersucht. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) macht sich für einen Regelbetrieb der Riesenlaster stark. Bislang sind die Lang-Lkw versuchsweise in zwölf Bundesländern per Sondererlaubnis auf ausgewählten Straßen unterwegs. Erst vor kurzem hat sich auch Baden-Württemberg dem Versuch angeschlossen.


Verlagerung von Schiene auf die Straße

Zwei dieser Lastwagen sollen nach Angaben der Hersteller drei Fahrten mit den bisher zulässigen 40-Tonnen-Lastern ersetzen. Die Studie kommt allerdings zu dem Schluss, dass mehr als acht Millionen Tonnenkilometer Fracht von der Schiene auf die Straße verlagert werden - das entspräche rund 7000 zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag. Tausende Arbeitsplätze bei Güterbahnen wären den Studienautoren zufolge in Gefahr.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium sieht sich nun bestätigt. "Die Studie zeigt offenbar, dass unsere Skepsis gegenüber den Lang-Lkw durchaus begründet ist", sagte ein Sprecher. Deshalb habe Baden-Württemberg auch nur drei Autobahn-Teilstücke und die notwendigen Anschlussstrecken im nachgeordneten Straßennetz für den bundesweiten Feldversuch angemeldet. Im Interview mit der Autogazette hatte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unlängst gesagt: „Es wäre fatal, wenn man Lang-Lkw einführt und in der Folge würden noch mehr Güter auf den Straßen transportiert und noch weniger auf der Schiene. Dann hat man für den Klimaschutz nichts gewonnen und die Straßen würden noch voller werden. Denn bei den CO2-Emissionen schneidet der Lang-Lkw deutlich schlechter ab als die Schiene.“

VSL spricht von Lex-Daimler

In Baden-Württemberg wird der Einsatz ebenfalls mit einer wissenschaftlichen Studie begleitet. Dabei wird untersucht, wie sich der Einsatz der Lang-Lkw auf den CO2-Ausstoß auswirkt und ob damit zu rechnen ist, dass weiterer Güterverkehr auf die Straße verlagert wird. "Die Ergebnisse dieser und anderer Studien müssen aus unserer Sicht am Ende in die Bewertung des bundesweiten Feldversuchs einfließen, der noch bis 2016 läuft", sagte der Sprecher.

Im Südwesten hatte die Landesregierung erst Ende März auf Druck der heimischen Autoindustrie entschieden, doch am seit 2012 laufenden bundesweiten Feldversuch für die mehr als 25 Meter langen Lkw teilzunehmen. Kritik kam sogar aus den Reihen der Spediteure. Kleinere Spediteure befürchten dem Verband zufolge Nachteile, weil die neuen Lkw für sie zu teuer sind. "Es gibt auch Kritik in den eigenen Reihen, die sagen, das sei eine "Lex Daimler", sagte Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik (VSL) kurz nach der Freigabe der Strecken im Juli. Tatsächlich führen die meisten abseits der Autobahnen freigegebenen Strecken zu Daimler-Standorten. (AG/dpa)



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