14. Juli 2017

Studie von Lichtblick Spontanes Laden für Elektroautos selten möglich

Laden eines E-Autos könnte so einfach sein.
Laden eines E-Autos könnte so einfach sein. © dpa

Elektrisch fahren macht Spaß. Doch wenn es ums Laden des Elektroautos geht, hört der Spaß auf. Zumindest dann, wenn man keine eigene Ladesäule hat.




Das Laden eines Elektroautos könnte so einfach sein. Wenn es denn genügend Ladesäulen geben würde und man an diesen das Stromtanken auch unproblematisch bezahlen könnte. Einer Studie zufolge herrscht im deutschen Ladesäulen-Netz immer noch ein Wirrwarr: Strom tanken ist kompliziert und teuer.

Für die Untersuchung hat das Energie-Unternehmen Lichtblick rund 80 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen in Deutschland berücksichtigt. Ergebnis: Nur bei 3 von 11 Betreibern ist spontanes Laden möglich. In allen anderen Fällen muss ein Vertrag mit dem jeweiligen Anbieter abgeschlossen werden, bevor Strom fließen kann. In der Praxis ist das eine weitere Hürde bei der Fahrzeugnutzung.


Richtige Ladesäule finden

Nicht nur muss der Fahrer eine für sein spezielles Fahrzeugmodell geeignete freie Ladestation finden, diese muss auch noch in Bezug auf das Abrechnungsmodell die richtige sein – also entweder eine vertragsfreie oder eine, für die im individuellen Fall vorab ein Vertrag abgeschlossen wurde.

Aber nicht nur das Zahlungsmodell ist bei den verschiedenen Anbietern unterschiedlich, auch die Preise sind es. Was die Sache noch komplizierter macht: Die meisten Unternehmen rechnen nicht wie beim Haushaltsstrom per kWh ab, sondern nach Ladedauer. Die Verfasser der Studie haben die Werte daher zur besseren Vergleichbarkeit umgerechnet. Demnach kostet die Kilowattstunde Strom beispielsweise beim teuersten Anbieter, der RWE-Tochter Innogy, 67 Cent, bei den Stadtwerken Dresden hingegen nur 14 Cent. Einige Stadtwerke geben den Strom an registrierte Kunden zurzeit sogar noch ganz umsonst ab. Zum Vergleich: Gewöhnlicher Haushaltsstrom kostet in Deutschland im Schnitt 29 Cent pro kWh.

Zusatzkosten fallen an

Neben dem reinen Strompreis fallen allerdings häufig noch Zusatzkosten an. Der Stromversorger EnBW etwa verlangt eine einmalige Registrierungsgebühr von 20 Euro, was das Tanken für Nutzer von außerhalb des Verbreitungsgebiets unattraktiv macht. Andere Unternehmen kassieren eine zweistellige Servicegebühr auf den Gesamtbetrag oder lassen sich etwa die Abrechnung per SMS extra bezahlen. Nicht immer ist der Endpreis für einen Tankvorgang daher auf den ersten Blick zu erkennen.

Sollte sich das Elektroauto durchsetzen, wird sich auch der Ladesäulen-Dschungel lichten müssen. Bislang kämpfen allerdings noch zahlreiche Parteien – Stromversorger, Autohersteller und IT-Provider – um Markt- und Technikführerschaft. Der dadurch entstandene Lade-Pluralismus bremst die Elektromobilität zumindest für private Nutzer ohne sicheren Stromzugang aus. Optimistische Experten rechnen langfristig mit der Einführung einfacherer Tarifmodelle, wie es sie auf dem Haushaltsstrom-Markt bereits gibt. (SP-X)



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