23. April 2017

Beschwerlicher Weg zum neuen Image «Lada wird immer Lada bleiben»

Dieter Trzaska, Chef von Lada-Deutschland
Dieter Trzaska, Chef von Lada-Deutschland © AG/Flehmer

Lada will mit einem neuen Image nicht nur Förster und Gewerbetreibende in Deutschland erreichen. Im Gegensatz zur Stiefschwester Dacia bemüht sich die russische Marke dabei um Eigenständigkeit gegenüber den Anteilseignern der Renault-Nissan-Allianz.




Von Thomas Flehmer

Die Vergleiche mit Dacia kommen zwangsläufig auf. Die Renault-Tochter aus Rumänien hat vor zwölf Jahren in Deutschland ihre Erfolgsgeschichte mit günstigen Fahrzeugen begonnen und kommt mittlerweile auf einen Marktanteil von 1,6 Prozent am Gesamtmarkt. Im letzten Jahr verkaufte Dacia über 50.000 Fahrzeuge.

Zahlen, von denen Lada weit entfernt ist, aber trotzdem optimistisch in die Zukunft schaut. 2400 Fahrzeuge setzte die russische Marke im vergangenen Jahr in Deutschland ab und hatte dabei schon einen großen Sprung im Gegensatz zum Vorjahr gemacht, als lediglich 1700 Einheiten geordert wurden. “Davon waren 85 bis 90 Prozent Niva/Taiga”, wie Max Schmidt, Lada-Gebietsleiter für Bayern und Österreich, der Autogazette sagte.


Ambitionierte Ziele für 2017

Den gewaltigen Absatzsprung von 2015 zu 2016 begründet der 59-Jährige damit, dass Lada aufgrund der Umstellung von Euro 5 auf Euro 6 “keine Pkw im Angebot” hatte, da die Umstellung sich hinzog. Die knapp 2000 für Deutschland vorgesehene Einheiten machen für das Gesamtunternehmen nicht gerade einen großen Prozentsatz aus und so stand die Umstellung in der Priorität der Russen nicht ganz oben.

Doch die durch die Umstellung erfolgte Absatzsteigerung sorgt nun für höhere Ambitionen. “Wir wollen 2017 mit einer starken Vier abschließen”, so Schmidt weiter. Grund für den Optimismus erzeugt die Einführung des Vesta, der neben einem erfrischenderen Design auch moderne Techniken wie Rückfahrkamera mit an Bord hat.

Neuer Schwung mit dem Lada Vesta

Hohe Erwartungen liegen auf dem Lada Vesta
Hohe Erwartungen liegen auf dem Lada Vesta © AG/Flehmer

Zugleich kostet der Kompakte lediglich 12.490 Euro in der Basis und nur einen weiteren Tausender mehr gibt es die gut ausgestattete Top-Variante. “Das Auto könnte auch 2500 Euro teurer angeboten werden und wäre trotzdem konkurrenzfähig”, sagt Deutschland-Chef Dieter Trzaska, “der Vesta ist ein Modell, dass auch in Deutschland seinen Markt findet.”

Allerdings könnte die mit dem Vesta eingeschlagene neue Richtung auch zu Problemen mit den traditionellen Lada-Kunden führen, da laut Schmidt für den “richtigen Lada-Kunden zu viel Technik drinsteckt.” Denn auch auf dem “deutschen Markt haben die meisten Kunden einen osteuropäischen Hintergrund.” Den Erfolg wird das nicht aufhalten, da die modernen Systeme noch nicht in Gänze Einzug gehalten haben und sich auf Rückfahrkamera, automatisierten Schaltgetriebe oder einer automatischen Kofferraumdeckel-Öffnung beschränken.

Vor allem dient der russische Bewerber in der Golf-Klasse als Entstauber, da mit der Marke Lada zumeist nur der kultige Niva verbunden wurde. Zudem rechnen die Verantwortlichen damit, dass erstmals die Pkw-Sparte mit Vesta, Kalina und Granta den Geländewagen mit seinen Varianten an der unternehmenseigenen Absatzspitze ablösen werde. Und im kommenden Jahr soll dann mit dem X-Ray ein weiterer Baustein kommen, der für weitere Absatzerfolge sorgen soll.

Zweifel an Anteilseignern

Der Lada Taiga 4x4 ist als kultiger Geländewagen sehr begehrt
Der Lada Taiga 4x4 ist als kultiger Geländewagen sehr begehrt © Lada

Dass der in Russland bereits auf dem Markt fahrende Kleinwagen verspätet nach Deutschland kommt, hängt auch mit der Renault-Nissan-Allianz zusammen, die vor knapp zehn Jahren bei Lada-Mutter Avtovaz einstieg und demnächst wohl eine Mehrheit von 70 Prozent anstrebt. So wird in Fachkreisen gemunkelt, dass die Franzosen die Markteinführung des X-Ray in Deutschland hinauszögerten, um dem kürzlich neu eingeführten Sandero keinen Mitbewerber im preisgünstigen Segment zeitnah unterzuschieben.

“Lada ist nicht Dacia”, sagt Wilhelm Siepker und will damit eine gewisse Ungleichbehandlung verdeutlichen. Der Regionalleiter für Nordrhein-Westfalen hat in den vergangenen Monaten mehrfach stärkere Strömungen ausgemacht, dass Lada mit seinen Pkw mehr und mehr ins Bewusstsein der potenziellen Kundschaft im günstigen Preissegment drängt und somit zum potenziellen Konkurrenten von Dacia aufsteigt. Und gerade diese Tendenz ist wohl ein Dorn im Auge der französisch-japanischen Allianz, die immer mehr Managerposten bei Avtovaz mit eigenen Leuten besetzt.

Motivation zur Eigenständigkeit

“Ich habe meine Zweifel, ob Renault-Nissan die gleichen Ideen hat wie Lada”, sagt Trzaska der Autogazette. Ein Weg wie der der Stiefschwester aus Rumänien ist wohl eher nicht vorgesehen, doch aus der Skepsis erwächst Trotz und auch Motivation. So sollen in Deutschland neue Partner die Liste der vorhandenen 329 Werkstätten auffüllen. “Besonders in den großen Städten müssen wir die weißen Flecken bevölkern”, sagt Trzaska, “ich habe das Gefühl, dass die Händler mittlerweile Lust auf Lada haben.”

Große Hilfe von den Allianzpartnern erwarten die Verantwortlichen dabei nicht. So greift Lada - anders als Dacia - nicht im Konzernregal von Renault-Nissan zu. Anstatt den Vesta mit einem oder mehreren verfügbaren Aggregaten zu bestücken, bleibt es für den Kompaktwagen bei einem Benziner aus eigener Fertigung. "Lada ist eigenständig", sagt Schmidt und sieht auch in naher Zukunft in diesem Bereich keine großen Veränderungen. "Lada wird immer Lada bleiben."



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