28. März 2017

Das Beste aus zwei Welten Honda X-ADV: SUV auf zwei Rädern

Kommt ansehnlich daher, die Honda X-ADV. Fotos ▶
Kommt ansehnlich daher, die Honda X-ADV. © Honda

Im Automobilsektor liegen im Crossover-Modelle im Trend. Nun bringt Honda mit der X-ADV ein Bike auf den Markt, dass das Beste aus der Roller- und Motorradwelt vereinen soll. Kann das gelingen? Unser Fahrbericht gibt die Antwort.




Bis Daniele Lucchesi seinen Vorgesetzten in Italien von dem Konzept überzeugt hatte, und vor allem die japanischen Project-Leader seine Idee verstanden, brauchte es geraume Zeit. Der Italiener, seines Zeichens Planungs-Manager für Honda Italia, hatte nämlich einen verrückten Traum. Er stellte sich eine Art Roller für die Stadt vor, mit dem man auch wie mit einem Motorrad über nicht asphaltierte Wege fahren könnte.

Als er nämlich seiner Freundin seinen Lieblingsstrand zeigen wollte, eine einsame Bucht aus seiner Jugend, musste er feststellen, dass die Zufahrt noch immer aus einem unzugänglichen Pfad bestand, den er mit seinem Roller unmöglich befahren konnte. Wieder im Büro, rief er gleich die Kollegen aus der Designabteilung zusammen, die seine Idee auf Papier bringen sollten.


11.400 Euro sind kein Schnäppchen

Herausgekommen ist der Honda X-ADV, ein 11.400 Euro teures Crossover-Bike wie schon der Integra 750. Mit ihm wagten die Japaner 2012 erstmals den Schritt, die Motorrad- mit der Rollerwelt zu verschmelzen. Nun geht Honda noch einen Schritt weiter, indem man ein Fahrzeug entwickelt hat, das optisch an der Groß-Enduro Africa Twin anknüpft, aber die praktischen Features eines Rollers besitzt.

Die Basis für den X-ADV bildet der Reihenzweizylinder-Motor aus Hondas erfolgreicher NC-Baureihe, den Brückenrahmen hat man aus dem Integra übernommen und ihn lediglich am Heck verstärkt. Serienmäßig kommt zudem Hondas dritte Generation des Doppelkupplungsgetriebes DCT zum Einsatz. Es bietet neben der Möglichkeit, manuell die sechs Gänge zu bedienen, zwei Automatik-Modi: „Drive” für normale Fahrweise, „Sport” für eine engagiertere Gangart. Neu gegenüber den bisherigen DCT-Versionen ist die Möglichkeit, im S-Modus drei verschiedene Mappings abrufen zu können. Dabei erkennt das System sogar, ob der X-ADV bergauf oder bergab fährt und reagiert entsprechend durch früheres Hoch- oder Runterschalten bzw. den Einsatz der Motorbremse. In der Praxis sieht der Fahrer irgendwann gar keine Notwendigkeit mehr, die Gänge manuell zu schalten und ist ständig automatisch unterwegs.

55 PS müssen reichen

Honda ordnet den X-ADV den Adventure-Bikes zu. Dafür sind die 55 PS des flüssigkeitsgekühlten Vierventilmotors nicht unbedingt ein abenteuerlicher Wert, aber der Zwitter lässt sich durchaus agil und dank des langen Radstands von 1,59 Metern spurtreu über kurvige Landstraßen bewegen. Dabei sitzt der Fahrer eher rollertypisch entspannt aufrecht, während die Füße auf geräumigen Trittbrettern und nicht wie bei einer Enduro auf Fußrasten ruhen. Wer möchte, kann sich allerdings aus dem Honda-Zubehör passende Rizoma-Fußrasten zulegen (circa 500 Euro).

Dadurch verlagert sich der Oberkörper weiter nach vorne zum Lenker hin. Außerdem erleichtern sie die stehende Fahrweise im Gelände. Dort findet sich der X-ADV trotz des relativ kleinen 15-Zoll-Hinterrads durchaus zurecht. Die langen Federwege der USD-Gabel vorn und des angelenkten Zentralfederbeins schlucken selbst größere Schlaglöcher ordentlich weg. Die recht weiche Standardabstimmung erweist sich in der Praxis als guter Kompromiss für alle Fahrsituationen – selbst auf planen Schotterpisten und Waldwegen.

Die Honda X-ADV besitzt einen langen Radstand
Die Honda X-ADV besitzt einen langen Radstand © Honda

Egal, zu welcher Gattung Zweirad man den X-ADV auch rechnen mag, er bietet dem Fahrer eine Ausstattung, die er so bisher nicht kannte. Motorrad- und Rollerfahrer gleichermaßen werden das Staufach unter der Sitzbank, das sogar einen Integralhelm aufnimmt, genauso schätzen wie den 12-Volt-Anschluss, die LED-Technik bei Scheinwerfer und Blinker sowie das praktische Smart-Key-System. Damit werden schlüssellos das Zündschloss bedient, das Staufach und der Tankverschluss geöffnet sowie die AnswerBack-Funktion in Betrieb genommen. Diese erleichtert das Auffinden des Honda-Zweirads durch aufleuchten der Blinker – wie man es vom Auto kennt.

Modernes Cockpit

Zu den auffälligsten Ausstattungsdetails gehören neben den schönen Speichenrädern das moderne Cockpit und das mechanisch fünffach einstellbare Windschild. Gut abgeschirmt sitzt der Fahrer hinter dem Windabweiser, ohne durch Verwirbelungen oder Geräusche um den Helm herum genervt zu werden. Die im Rallye-Design gestaltete Instrumenteneinheit offeriert neben vertrauten Hinweisen wie Drehzahl und Geschwindigkeit auch die aktuelle Einstellung des DCT-Getriebes, eine Datums- und Temperaturanzeige sowie Angaben über den durchschnittlichen bzw. aktuellen Benzinverbrauch. Circa 300 km Reichweite sind mit dem 13,1 Liter-Tank allemal möglich.

Die Diskussion, ob es sich beim X-AV nun um ein Motorrad oder doch einen Roller handelt ist eigentlich müßig. Das Zweirad-SUV ist ein echtes Spaßmobil, mit dem man sowohl auf der Landstraße wie vor dem Eis-Café eine gute Figur macht – und sogar den Ausflug ins Gelände wagen kann. Vorausgesetzt man ist bereit, 11.400 Euro in den verrückten Traum des Daniele Lucchesi zu investieren. (SP-X)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Test



Mehr aus dem Ressort

Polarisierendes BikeKTM 1290 Super Duke GT: Liebe auf den zweiten Blick

Schön muss man die KTM 1290 Super Duke GT nicht finden. Denn mit ihrem Design polarisiert dieses Bike. Doch abseits von ihrem Aussehen bringt die Super Duke eine Vielzahl von Stärken mit, wie unser Fahrbericht zeigt.


Die Yamaha Tricity 125 schlängelt sich durch dichten Großstadtverkehr
Sinnvolle ÜberarbeitungYamaha Tricity 125: Dreiradroller gegen Schlaglöcher

Die Yamaha Tricity ist der kleinste und schmalste Dreiradroller im Segment. Das hält die überarbeitete Japanerin aber nicht davon ab, sich auch in vollen Städten durch die Kolonnen zu schlängeln.


Harley-Davidson hat die Street Rod sinnvoll überarbeitet
Günstigster Vertreter der MarkeHarley-Davidson Street Rod: Zweiter Anlauf

Mit der ersten Street Rod ging Harley-Davidson in Europa baden. Die stark überarbeitete Neuauflage des günstigsten Bikes der Amerikaner erreicht nun ein neues Niveau.