Honda NC 750S: Ohne Starallüren

Naked Bike wurde überarbeitet

Die Honda NC 750S wurde in diesem Jahr überarbeitet.
Die Honda NC 750S wurde in diesem Jahr überarbeitet. © Honda

Im Modellprogramm von Honda ist die NC 750S zwar kein Topseller. Aber abseits der reinen Verkaufszahlen ist das Naked Bike ein überzeugende Allroundmotorrad. Nun wurde es überarbeitet.

Sie ist nicht der Star im Honda-Motorradprogramm. Die NC750S, unverkleidetes Allroundmotorrad, kam im vergangenen Jahr mit 1128 Zulassungen nur auf den dritten Rang der internen Honda-Bestenliste, nach dem Schwestermodell NC750X (1500 Einheiten) und der kleinen Honda CB 500F (1202 Stück). Heuer läuft es besser für das Dreiviertelliter-Naked Bike: Aus den letztjährigen 542 sind bereits 657 Neuzulassungen geworden, ein Plus von gut 20 Prozent. Das ist allerdings auch kein Wunder, denn Honda hat die NC750S für 2016 dezent, aber wirksam überarbeitet. Viele Angriffsflächen hat die unkompliziert zu handhabende Maschine ohnehin nicht geboten.

Einiges investiert hat Honda im Bereich der Ausstattung: LED-Lichttechnik für Scheinwerfer und Rücklicht, vergrößerte Utility-Box zur Aufnahme eines Vollvisierhelms, dazu auch noch einstellbare Farben für den Drehzahlmesser im LCD-Cockpit-Display. Auch technisch wurde optimiert: dass Doppelkupplungsgetriebe weist jetzt einen dreistufigem Sport-Modus auf, die vordere Bremszange bekam ein Update. Dazu kommen neue Farben sowie eine modifizierte Fahrzeugfront.

Modifizierter Endschalldämpfer

Auffällig verändert zeigt sich der kompaktere Endschalldämpfer: Er ist kürzer, leichter und zugleich wohlklingender. Damit erreicht der sehr pfiffig konstruierte 745 ccm-Reihenzweizylinder auch trotz der Erfüllung der neuen Euro-4-Emissionsnorm weiterhin eine Maximalleistung von 40 kW/55 PS/ bei 6.250/min. Dank füllig verlaufender Drehmomentkurve (Spitze 68 Nm bei 4.750/min.) ist genügend Kraft vorhanden. Das zeigt sich noch deutlicher, wenn die S mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe DCT ausgerüstet ist, weil dann – der jüngsten Modifikation sei Dank – in so gut wie jeder Situation die passende Übersetzung zur Verfügung steht.

Honda NC 750S
Das Cockpit der Honda Honda/Rudolph

Zusätzlich zum niedertourig und verbrauchsökonomisch ausgelegten D-Modus gibt es für den mit mehr Drehzahl operierenden S-Modus nun drei Varianten: S1 liegt dichter an D, S3 schaltet besonders spät und dehnt den früheren S-Modus nach oben hin, S2 liegt mittendrin. Die Wechsel der Fahrmodi sind einfach: Knopfdruck links am Lenker genügt. So lässt sich leicht das für jedes Straßenprofil und jede Topografie das passende Übersetzungsprogramm einstellen. Beim schnellen Fahren auf sehr kurvenreichen (Berg-)Strecken machte uns S3 am meisten Spaß, auf weiter geschwungenen, mit höherem Tempo absolvierten gut ausgebauten Straßen stellte sich S1 als perfekt heraus. In der Stadt und beim entspannten Gleiten priorisierten wir D.

Passt das Programm ausnahmsweise mal nicht, genügt wiederum ein Knopfdruck. Mit Hilfe der Tasten „Plus“ und „Minus“ links am Lenker kann man blitzartig und ohne Kraftschlussunterbrechung manuell hinauf oder zurückschalten. Großes Lob für Hondas DCT in seiner jüngsten Form! Sehr positive Auswirkungen hat das DCT auch auf den Benzinkonsum: Im gemischten Verkehr kamen wir auf einen Wert von gerade vier Liter pro 100 Kilometer; wer’s drauf anlegt, kann auch 3,5 Liter erreichen.

Kaum Änderungen am Fahrwerk

Honda NC 750S
Die Seitenansicht der NC 750 S Honda/Rudolph

Fahrwerksmäßig wurde nur der Bremssattel der vorderen 32-cm-Einscheibenbremse modifiziert. Die Bremse ist den Fahrleistungen der NC750S damit voll gewachsen, das Ansprechverhalten tadellos. Da auch die Abstimmung der 41 mm-Telegabel wie die Grundabstimmung des Federbeins gelungen sind, steht freudvoll-leichtem Motorradfahren nichts im Wege. Nicht perfekt ist der Verstellmechanismus des Federbeins; einen Drehknebel hat sich Honda gespart, so dass man einen Hakenschlüssel nutzen muss.

Das LED-Licht überzeugte (bei Tag) durch gutes Aussehen, über die Lichtleistung können wir mangels Dunkelheit noch nichts sagen. Das neue, in seinen Farben modifizierbare LCD-Cockpit-Display ist zufriedenstellend ablesbar, dürfte aber insgesamt durchaus etwas größer sein, damit es nicht gar so „voll“ erscheint. Die Tankattrappe („Utility Box“) fasst jetzt auch einen Vollvisierhelm. Schade nur, dass man zum Öffnen immer den Zündschlüssel benötigt. Praktisch sind die abgewinkelten Reifenventile, weil sie die Luftdruckprüfung erheblich erleichtern. Ein Manko ist dagegen, dass sich Honda eine automatische Blinkerrückstellung bei diesem Modell auch künftig spart.

Dennoch: Die japanischen Honda-Entwickler haben im bei der NC750S erneut bewiesen, dass man mit 55 PS sehr viel Fahrspaß genießen kann. Und noch deutlicher wird bei diesem Modell, dass die DCT-Entwicklung inzwischen ein Niveau erreicht hat, das man durchaus mit dem Prädikat „sensationell“ bezeichnen kann. Zugleich kommt der Praxisnutzen bei der NC750S nicht zu kurz. Und weil auch die Verarbeitung zu überzeugen vermag, erscheint das Absatzziel von Honda-Deutschland von 1.350 Einheiten absolut realistisch. Ein Plus von rund 20 Prozent hat dieses sehr angenehm zu fahrende Motorrad absolut verdient. (SP-X)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).