30. März 2016

Neue Verkehrssicherheitskampagne Tippen tötet: Hände weg vom Handy

In Niedersachsen werden Autofahrer mit Plakaten vor der Handynutzung gewarnt.
In Niedersachsen werden Autofahrer mit Plakaten vor der Handynutzung gewarnt. © dpa

Die Nutzung des Handys während der Fahrt ist verboten. Doch das schreckt wenig Autofahrer ab. Eine Verkehrssicherheitskampagne weist auf die Gefahren hin.




Die Nutzung des Smartphones während der Autofahrt ist verboten und wird neben einem Bußgeld auch mit einem Punkt in Flensburg geahndet. Doch viele Autofahrer schreckt das nicht ab, sie nutzen das Smartphone ungeniert weiter – und bringen sich und andere damit in Gefahr. "Wenn der abgelenkte Fahrer in den Gegenverkehr gerät, werden Unbeteiligte hineingezogen. Es können Menschenleben ausgelöscht und ganze Familien zerstört werden", sagte der niedersächsische Landespolizeipräsident Uwe Binias am Mittwoch in Hannover. Die vor zwei Jahren gestartete Kampagne "Tippen tötet" macht auf die Gefahren der Handynutzung am Steuer aufmerksam.

Die Aktion ist nach Angaben der Organisatoren bundesweit einmalig. Kooperationspartner sind das Land Niedersachsen, die Landesverkehrswacht und der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung. In diesem Jahr sollen 48 neue, größere Banner an Autobahnen und Bundesstraßen aufgehängt werden. Die Warnung "Tippen tötet" wird auf Lastwagen, Handyhüllen und Postkarten verbreitet.


Griff zum Handy steigert Unfallgefahr

Ein neuer Spot im Internet zeigt eine Situation, die jeder kennt: Das Handy auf dem Beifahrersitz summt, der Fahrer schaut auf die Nachricht: "Wann kommst du?" und will schnell antworten. Dann quietschen Bremsen, die nächste Szene spielt zwischen lebenserhaltenden Apparaturen im Krankenhaus.

Laut einer kürzlich veröffentlichten US-Studie tragen Ablenkungen zu gut 68 Prozent der Unfälle bei. Nach Überzeugung der Wissenschaftler steigert der Griff zum Handy die Unfallgefahr etwa um das Fünffache, das Lesen und Schreiben von Nachrichten um das Zehnfache. Laut einer Hochrechnung der deutschen Versicherungswirtschaft steigt das Unfallrisiko mit dem Schreiben von SMS und Mails am Steuer sogar um das 23-fache. Bei Tempo 50 bedeutet ein fünf Sekunden kurzer Blick des Fahrers aufs Handy 70 Meter Blindfahrt.

Wer ein Handy am Steuer benutzt, muss aktuell ein Bußgeld von 60 Euro zahlen und erhält einen Punkt in der Verkehrssünder-Kartei in Flensburg. "Unsere europäischen Nachbarn gehen bei den Bußgeldern viel härter ran", betont der Präsident der Landesverkehrswacht, Heiner Bartling. Jede Ablenkung könne tödlich sein. Dies müsse sich in den Köpfen aller am Straßenverkehr Beteiligten festsetzen.

Eine besondere Zielgruppe der Kampagne sind Lkw-Fahrer. Auf der viel befahrenen Ost-West-Achse A2 passieren täglich schwere Unfälle. Wie viele darauf zurückzuführen sind, dass die Fahrer abgelenkt waren, ist nicht bekannt. Einige Speditionen haben bei der Verkehrswacht inzwischen Aufkleber der Kampagne "Tippen tötet" bestellt - für die Armaturenbretter ihrer Lastwagen. (dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Sicherheit



Mehr aus dem Ressort

Keyless Mercedes neu Aufmacher
ADAC beklagt rückständige TechnikAutobauer ignorieren Diebstahl-Risiko bei Keyless-Systemen

Vor einem Jahr hat der ADAC auf Sicherheitsrisiken bei Keyless-Schließsystemen hingewiesen. Doch geschehen sei seither nichts, beklagt der Automobilclub, der 100 Modelle getestet hat.


Rettungsgasse neu Aufmacher dpa
Keine Rettungsgasse gebildetAutofahrer erschweren Rettungsdiensten die Arbeit

Eine Rettungsgasse kann Leben retten. Doch häufig bilden Autofahrer keine Rettungsgasse und erschweren so den Einsatzkräften ein schnelles Durchkommen zum Unfallort. So vergehen wertvolle Minuten für die Versorgung der Verletzten.


Notbremsassistent Lkw neu Aufmacher ADAC
Test des ADACNotbremsassistenten für Lkw stoppen zuverlässig

Der ADAC hat drei Notbremsassistenten in Lkws von Mercedes, MAN und Volvo getestet. Das Ergebnis: Sie stoppen zuverlässig und helfen so, Unfälle zu vermeiden beziehungsweise deren Folgen abzumildern.