Teure Oldtimer der Spitzenklasse

Ferrari für 36 Millionen Dollar

Der Ferrari 335 Sport von 1957 war der teuerste Oldtimer des Jahres
Der Ferrari 335 Sport von 1957 war der teuerste Oldtimer des Jahres © Classic-Analytics

Der Oldtimer-Markt hat sich nach Jahren der ansteigenden Preise stabilisiert. Allerdings werden für Spitzenfahrzeuge immer höhere Spitzenpreise geboten.

In den vergangenen rund anderthalb Jahren hat sich der Markt für hochwertige Oldtimer beruhigt. Nicht aber für absolute Spitzenfahrzeuge, wie die Auktionsergebnisse des Jahres 2016 zeigen: Die zehn teuersten Klassiker kamen für 172 Millionen Dollar (160 Mio. Euro) unter den Hammer, damit investierten Sammler noch einmal zehn Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Für ihre Jahres-Top-Ten haben die Marktbeobachter von Classic-Analytics aus Bochum 90 internationale Auktionen mit knapp 6000 Fahrzeugen ausgewertet.

„Allgemein haben sich die Preise jetzt weitgehend auf dem Stand des Frühjahrs stabilisiert“, so Geschäftsführer Frank Wilke. „Aber für absolute Spitzenfahrzeuge, von denen jährlich nur eine Handvoll auf den Markt kommt, werden immer noch Spitzenpreise gezahlt.“

Jaguar D-Type teuertes britisches Auto

Mit einem Preis von beeindruckenden 35,9 Millionen Dollar (inkl. Aufgeld, umgerechnet 33,4 Mio. Euro) ist der vom Auktionshaus Artcurial in Paris versteigerte Ferrari 335 Sport von 1957 teuerster Oldtimer des Jahres. Der offene Rennwagen wurde bei verschiedenen großen Rennen eingesetzt, unter anderem fuhr er 1957 als erster eine Le-Mans-Runde mit einem Schnitt von mehr als 200 km/h. Der Italiener ist erst das zweite Auto überhaupt, das die 30-Millionen-Dollar-Marke durchbrochen hat.

Auch auf den folgenden Plätzen tummeln sich Rekordhalter: Der Rennwagen Jaguar D-Type von 1955, für den ein Sammler bei RM Sotheby’s in Monterey 21,8 Millionen Dollar (20,2 Mio Euro) hinlegte, ist nicht nur der teuerste jemals verkaufte Jaguar, sondern auch das teuerste britische Auto. Auf Rang drei folgt der Sportwagen Alfa Romeo 8C 2900B Lungo Spider Baujahr 1939, der mit 19,8 Millionen Dollar (18,4 Mio. Euro) der teuerste Alfa ist, der je unter den Hammer kam.

USA Umschlagplatz Nummer eins

Der Bugatti Type 55 kostete elf Millionen Dollar
Für den Bugatti Type 55 mussten 10,4 Millionen Dollar investiert werden Classic-Analytics

Die weiteren Plätze: Ferrari 250GT LWB California Spider Competizione (1959, 18,15 Mio. Dollar), Ferrari 250GT SWB California Spider (1961, 17,2 Mio. Dollar), Shelby Cobra 260 (1962, 13,75 Mio. Dollar) – übrigens die erste, die jemals gebaut wurde, mit einem Rekordpreis für amerikanische Fahrzeuge -, Ferrari 250GT SWB Berlinetta Competizione (1960, 13,5 Mio. Dollar), Alfa Romeo 8C 2300 Monza (1933, 11,99 Mio. Dollar), Bugatti Typ 55 (1932, 10,4 Mio. Dollar) und Mercedes-Benz 540K Spezial Roadster (1937, 9,9 Mio. Dollar).

„Die Erfolgsformel ‚schnell, offen, schön, selten’ bleibt auch in diesem Jahr gültig“, so Wilkes Einschätzung, neun der zehn teuersten Autos sind offen. Auch klassische Ferrari (vier von zehn) stehen weiterhin hoch im Kurs. Dabei sind europäische Autos (neun von zehn) weiterhin tendenziell teurer als US-Fahrzeuge, die USA bleiben aber Umschlagplatz Nummer eins für teure Oldtimer: Neun der Top-Ten-Wagen wurden in den USA versteigert. Auffallend ist in diesem Jahr laut Wilke die relativ hohe Anzahl an Vorkriegsautos im Ranking (vier von zehn).

Auktionen maßgebend für den Preis

„Die Marktberuhigung, die in Teilbereichen sogar zu leicht sinkendem Preisniveau geführt hat, ist an diesem Segment spurlos vorübergegangen“, meint der Oldtimer-Experte. Die größte Dynamik im allgemeinen Markt sieht er derzeit im Youngtimerbereich, insbesondere bei Sportwagen der späten 80er bis frühen 2000er Jahre. Die besonders finanzstarken Käufer sind natürlich nicht die Regel: Der Durchschnittswert eines Oldtimers liegt in Deutschland bei rund 15.000 Euro.

Grundlage des Rankings sind die Auktionsergebnisse des vergangenen Jahres, keine Privat- oder Händlerverkäufe. Denn nur Auktionen geben ein unverfälschtes Bild: Wenn bei einer bestimmten Summe der Hammer fällt, muss diese Summe auch bezahlt werden. Die Ergebnisse aller Auktionen fließen bei Classic-Analytics in eine Datenbank ein und werden für Wertgutachten, Preisführer und Versicherungszwecke verwendet. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.